Von der Stadt Usedom kommend, in Richtung Ückeritz entlang der Bundesstraße B111, befindet sich auf einer kleinen Anhöhe die Bockwindmühle Pudagla auf Usedom. Rechts neben der Straße erhebt sich die rekonstruierte Holzmühle weithin sichtbar und prägt das Landschaftsbild rund um den Ort Pudagla bis heute.
Die Mühle ist nicht nur ein auffälliges Bauwerk am Straßenrand, sondern zugleich ein wichtiges Zeugnis der landwirtschaftlichen und handwerklichen Geschichte der Insel Usedom.

Über 300 Jahre alte Windmühle
Das genaue Alter der Bockwindmühle Pudagla ist nicht eindeutig belegt. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass sie bereits um das Jahr 1650 genutzt wurde. Die erste urkundliche Erwähnung des Mühlenstandortes findet sich in der Ortschronik im Jahr 1673.
Über viele Jahrzehnte spielte die Mühle eine zentrale Rolle für die Versorgung der umliegenden Region. Bis zum Jahr 1810 galt der sogenannte Mahlzwang. Das bedeutete, dass das Getreide aller Bauern aus dem Einzugsbereich der Domäne Pudagla ausschließlich in dieser Mühle gemahlen werden musste.
Nutzung und Stilllegung
Bis ins Jahr 1937 wurde die Bockwindmühle regelmäßig von den Bauern der Region genutzt. Danach kam der Mahlbetrieb zum Erliegen und wurde für viele Jahrzehnte eingestellt. Die Mühle blieb jedoch weiterhin erhalten und befand sich bis 1986 in Familienbesitz.
Zwischen 1962 und 1991 wurde die Bockwindmühle Pudagla zeitweise als Feriendomizil an Privatpersonen verpachtet. In dieser Phase stand weniger die historische Nutzung im Vordergrund, sondern vielmehr der Erhalt des Bauwerks durch eine alternative Nutzung.
Verkauf und Wiederaufbau
Mit den Jahren nahm der bauliche Zustand der Mühle zunehmend Schaden. Die Kosten für notwendige Instandsetzungen stiegen kontinuierlich an. Aus diesem Grund entschloss sich der damalige Eigentümer im Jahr 1996 dazu, die Mühle symbolisch für eine deutsche Mark an die Gemeinde Pudagla zu verkaufen. Ziel war es, das Bauwerk langfristig zu sichern und wieder für die Öffentlichkeit nutzbar zu machen.
Nach einem langen Ringen um Fördermittel und einer umfangreichen Sanierung konnte die Bockwindmühle schließlich restauriert werden. Im Jahr 1997 wurde sie in Anwesenheit des Sozialministers, des Landrates und zahlreicher Gäste feierlich wieder eingeweiht.
Bedeutung heute
Seit dieser Wiedereröffnung zählt die Bockwindmühle Pudagla zu den bekannten Anlaufpunkten auf der Insel Usedom. Besucher haben die Möglichkeit, die Mühle zu besichtigen und bei besonderen Anlässen auch Mahlvorführungen zu erleben. Da sich Öffnungszeiten im Laufe des Jahres ändern können, empfiehlt es sich, diese vor einem Besuch zu prüfen.
Ihren Namen verdankt die Mühle übrigens ihrem Untergestell, dem sogenannten Bock. Dieser besteht aus massiven Holzbalken und trägt das gesamte Mühlenhaus.
Die Bockwindmühle Pudagla ist zudem die einzige Bockwindmühle ihrer Art auf Usedom, die sich noch an ihrem ursprünglichen historischen Standort befindet.