Woher kommt der Name Usedom wirklich?
Zwischen alter Sage und slawischem Ursprung.
Woher kommt der Name Usedom wirklich?
Soll der Name Usedom wirklich aus dem Ausruf „O so dumm“ entstanden sein? Die Geschichte ist tatsächlich alt überliefert, erklärt den Namen der Insel aber nicht. Historische Namensformen führen wesentlich weiter zurück in die slawische Vergangenheit und eine davon lebt bis heute fort: Auf Polnisch heißt Usedom noch immer Uznam.
Wie aus „O so dumm“ angeblich Usedom wurde
Die Erklärung klingt so schön einfach, dass sie sich bis heute hält: Menschen sollen darüber gestritten haben, wie die Insel heißen solle. Weil sie zu keiner Entscheidung kamen, sei schließlich der Ausruf „O so dumm!“ gefallen. Aus diesen Worten soll sich im Laufe der Zeit der Name Usedom entwickelt haben.
Als Sprachgeschichte funktioniert das nicht. Als Sage dagegen sehr wohl. Die Geschichte gehört zur volkstümlichen Überlieferung der Insel und wurde bereits 1840 von Johann D. H. Temme in Die Volkssagen von Pommern und Rügen dokumentiert.
Ist „O so dumm“ wirklich der Ursprung des Namens Usedom?
Nein. Dafür sprechen schon die historischen Quellen. Formen des Namens Usedom sind viele Jahrhunderte vor Temmes Sagensammlung schriftlich belegt und führen in die slawische Sprachwelt.
Die Sage ist also echt überliefert, aber nicht die tatsächliche Namensherkunft.
Überliefert
Die Geschichte von „O so dumm“ wurde spätestens 1840 als Sage veröffentlicht.
Historisch älter
Eine frühe Form des Namens ist bereits aus dem Jahr 1125 bekannt.
Slawischer Ursprung
Die historischen Namensformen führen deutlich in die slawische Vergangenheit der Insel.
Nicht belegt
Dass der Name tatsächlich aus dem deutschen Ausruf „O so dumm“ entstanden ist.
Von Uznoimia über Uznam zu Usedom
Für die tatsächliche Namensgeschichte sind alte Schriftquellen wesentlich hilfreicher als die Sage. Eine besonders frühe Form stammt aus dem Umfeld der Missionsreisen Ottos von Bamberg. Für das Jahr 1125 ist die Bezeichnung „Uznoimia civitas“ überliefert.
Danach erscheint der Name in unterschiedlichen Schreibweisen. Die heutige deutsche Form entstand also nicht plötzlich, sondern entwickelte sich über Jahrhunderte.
Gerade der letzte Punkt ist spannend. Eine historische Namensform ist nicht einfach aus den Karten verschwunden. Mit Uznam lebt sie in der heutigen polnischen Bezeichnung der Insel weiter.
Warum Usedom in Polen Uznam heißt
Wer auf der polnischen Seite der Insel unterwegs ist, begegnet dem Namen Uznam ganz selbstverständlich. Im Polnischen wird die Insel Usedom so bezeichnet.
Das lässt sich besonders gut in Swinemünde sehen. Der westliche Teil der Stadt liegt auf Usedom beziehungsweise Uznam. Auch offizielle Bezeichnungen auf polnischer Seite verwenden den Namen, etwa bei Badebereichen mit Bezeichnungen wie „Świnoujście Uznam“.
Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie sich Namen in verschiedenen Sprachen unterschiedlich weiterentwickeln können. Es beweist allerdings nicht automatisch, welche genaue Bedeutung die ursprüngliche slawische Wortform hatte.
Was bedeutet der Name Usedom?
Dass der Name aus der slawischen Zeit stammt, ist wesentlich plausibler als die volkstümliche „O so dumm“-Erklärung. Bei der genauen sprachlichen Herleitung begegnen allerdings unterschiedliche Deutungen.
Historische Namensformen wie Uznoimia, Uznoim und Uznam zeigen eindeutig, dass die Geschichte des Namens weit vor der späteren deutschen Sage beginnt. Schwieriger ist die Frage, welche ursprüngliche Bedeutung genau hinter diesen Formen steckt.
Für die Namensgeschichte ist deshalb die seriösere Antwort: Wir können die Entwicklung in den slawischen Sprachraum zurückverfolgen, sollten aber keine einzelne Bedeutungsdeutung zur unumstrittenen Wahrheit erklären.
Warum solche Namenserklärungen überhaupt entstehen
Die Geschichte von „O so dumm“ gehört zu einem Phänomen, das als Volksetymologie bezeichnet wird. Ein alter oder sprachlich nicht mehr verständlicher Name wird dabei mit bekannten Wörtern und Lauten verbunden.
So entsteht eine Erklärung, die sich sofort merken lässt und logisch klingt, obwohl sie sprachhistorisch nicht stimmt. Gerade bei alten Ortsnamen passiert das häufig, weil ihre ursprüngliche Bedeutung für spätere Generationen längst nicht mehr verständlich war.
Usedom ist nicht nur die Insel, sondern auch eine Stadt
Beim Namen Usedom kommt noch eine Besonderheit hinzu: Es gibt die Insel Usedom und die Stadt Usedom. Das sorgt nicht nur bei heutigen Urlaubern gelegentlich für Verwirrung.
Die frühe Bezeichnung „Uznoimia civitas“ bezieht sich auf die Stadt im Südwesten der Insel. Die heutige Stadt Usedom ging aus einer slawischen Siedlung hervor und gehört zu den historisch besonders wichtigen Orten der Insel.
Wer nach dem Ursprung des Namens sucht, landet deshalb nicht zuerst an den bekannten Ostseestränden, sondern im südlichen Inselinneren bei der Stadt, die heute denselben deutschen Namen wie die gesamte Insel trägt.
Usedom und Uznam gehören zur selben Insel
Seit 1945 verläuft die deutsch-polnische Grenze über die Insel. Der größere westliche Teil gehört zu Deutschland, der östliche Teil mit einem Teil von Swinemünde zu Polen.
Im Deutschen heißt die gesamte Insel Usedom. Im Polnischen heißt sie Uznam. Wer also in Swinemünde Begriffe mit „Uznam“ liest, befindet sich nicht auf einer anderen Insel. Gemeint ist die polnische Bezeichnung für Usedom.
Deutsch
Usedom
Polnisch
Uznam
Westlicher Inselteil
Deutschland
Östlicher Inselteil
Polen mit einem Teil von Świnoujście
Warum Temmes Sammlung von 1840 wichtig ist
Johann D. H. Temmes Die Volkssagen von Pommern und Rügen gehört zu den wichtigsten frühen Quellen für mehrere Usedomer Sagen. Dort findet sich auch die volkstümliche Erklärung des Inselnamens.
Für unsere Einordnung ist das ein wichtiger Unterschied: Temme liefert einen frühen Nachweis dafür, dass die Geschichte erzählt wurde. Er liefert keinen sprachwissenschaftlichen Beweis dafür, dass die Geschichte stimmt.
Woher kommt der Name Usedom nun wirklich?
Die beste kurze Antwort lautet: Der Name Usedom hat slawische Wurzeln und ist in historischen Formen bereits seit dem 12. Jahrhundert belegt.
Über die genaue Bedeutung der zugrunde liegenden slawischen Wortform existieren unterschiedliche Erklärungsansätze. Besonders anschaulich ist aber, dass eine alte Form des Namens bis heute weiterlebt: Im Polnischen heißt die Insel noch immer Uznam.
Die bekannte Geschichte von „O so dumm“ ist dagegen eine alte, echte Usedomer Sage, aber keine belastbare Erklärung für die Entstehung des Namens.
Fragen zum Namen Usedom
Nein. „O so dumm“ ist eine alte volkstümliche Sage. Historische Formen des Namens sind bereits seit dem 12. Jahrhundert belegt und führen in die slawische Sprachwelt.
Usedom heißt auf Polnisch Uznam. Der Name wird bis heute für die Insel verwendet, unter anderem auch auf der polnischen Seite in Świnoujście.
Eine frühe schriftlich überlieferte Form ist „Uznoimia civitas“ aus dem Jahr 1125. Der heutige Name entwickelte sich anschließend über mehrere historische Schreibweisen.
Die historischen Namensformen führen in die slawische Geschichte der Insel. Bei der exakten sprachlichen Bedeutung werden allerdings unterschiedliche Herleitungen genannt.
Ja. Usedom ist die deutsche und Uznam die polnische Bezeichnung derselben Insel. Die deutsch-polnische Grenze verläuft über die Insel.
Die frühe Bezeichnung „Uznoimia civitas“ bezieht sich auf die Stadt Usedom. Heute tragen sowohl die Stadt im Südwesten als auch die gesamte Insel den Namen Usedom.
Eine frühe verifizierte Druckquelle ist Johann D. H. Temmes Sammlung „Die Volkssagen von Pommern und Rügen“ aus dem Jahr 1840.
Die falsche Erklärung ist fast bekannter als die echte Geschichte
„O so dumm“ ist eine dieser Erklärungen, die man einmal hört und kaum wieder vergisst. Gerade deshalb gehört die Sage unbedingt zur Geschichte des Namens Usedom.
Die historische Spur führt aber viel weiter zurück. Bereits 1125 begegnet uns mit „Uznoimia civitas“ eine frühe Namensform. Über weitere Schreibweisen entwickelte sich daraus die deutsche Bezeichnung Usedom.
Besonders schön ist, dass ein Teil dieser langen Namensgeschichte bis heute sichtbar bleibt. Wer auf der polnischen Seite der Insel unterwegs ist, liest noch immer Uznam. Die Sage erzählt also eine gute Geschichte. Der echte Name erzählt eine fast 900 Jahre lange.