Der Drak von Usedom
Die alte Drachensage aus der Peenemünder Heide.
Der Drak von Usedom - die alte Drachensage aus der Peenemünder Heide
In der Peenemünder Heide soll einst ein Lindwurm gelebt haben. Er war allerdings nicht allein: Die alte Sage erzählt von zwei gewaltigen Tieren, eines bei Lassan und eines auf Usedom. Als der Lassaner Lindwurm stirbt, flieht sein Gefährte aus der Peenemünder Heide in die Ostsee. Mehr als 180 Jahre später lässt sich diese ungewöhnliche Drachengeschichte noch immer in einer alten Druckquelle nachlesen.
Ein Drache in der Peenemünder Heide?
Usedom besitzt tatsächlich eine alte Drachensage. In der historischen Überlieferung ist allerdings zunächst nicht vom „Drak von Usedom“ die Rede, sondern von zwei Lindwürmern.
Einer dieser Lindwürmer soll bei Lassan gelebt haben, auf dem Festland gegenüber von Usedom. Der zweite wird ausdrücklich in der Peenemünder Heide verortet.
Beide Tiere gehören in der Sage zusammen. Als der Lindwurm bei Lassan stirbt, verlässt auch der Peenemünder Lindwurm sein bisheriges Gebiet. Er flieht aus der Heide in Richtung Ostsee.
Warum die Geschichte eigentlich „Die beiden Lindwürmer“ heißt
Johann D. H. Temme veröffentlichte die Geschichte 1840 unter dem Titel Die beiden Lindwürmer. Schon der Titel zeigt, dass die Usedomer Drachensage ursprünglich Teil einer Doppelgeschichte ist.
Der eine Lindwurm gehört nach Lassan, der andere in die Peenemünder Heide. Damit verbindet die Sage zwei Landschaften beiderseits des Peenestroms.
Für unsere Seite ist diese Unterscheidung wichtig. Der heute eingängige Name „Drak von Usedom“ eignet sich hervorragend als Titel, stammt aber aus einer späteren kulturellen Bearbeitung. Temmes alte Überlieferung kennt den Stoff als Geschichte der beiden Lindwürmer.
Lindwurm bei Lassan
Einer der beiden sagenhaften Lindwürmer wird auf der Festlandseite bei Lassan verortet.
Lindwurm auf Usedom
Das zweite Tier soll in der Peenemünder Heide gelebt haben.
Gemeinsame Geschichte
Nach dem Tod des Lassaner Lindwurms verlässt auch der Peenemünder Lindwurm sein Gebiet.
Flucht
Der Usedomer Lindwurm flieht nach der Überlieferung in die Ostsee.
Die Peenemünder Heide als Drachenland
Die Peenemünder Heide liegt im Norden Usedoms rund um Peenemünde. Heute verbinden viele den Ort zuerst mit Technikgeschichte, Museen, Hafen und den Ereignissen des 20. Jahrhunderts.
Die Lindwurmsage zeigt eine wesentlich ältere kulturelle Schicht. Lange bevor Peenemünde durch Raketenentwicklung und Militärgeschichte bekannt wurde, wurde die Landschaft bereits mit einer übernatürlichen Geschichte verbunden.
Gerade die große Heide- und Küstenlandschaft passt gut zu einem Sagenstoff, bei dem ein Tier schließlich aus seinem Versteck in Richtung Meer flieht. Mehr als diese Verbindung dürfen wir aus der Quelle allerdings nicht machen: Einen konkreten Drachenbau, eine Höhle oder einen exakt bezeichneten Aufenthaltsort nennt die bisherige Recherche nicht.
Temme veröffentlichte die Lindwurmsage 1840
Die früheste bislang direkt verifizierte Druckquelle ist Johann D. H. Temmes Die Volkssagen von Pommern und Rügen, erschienen 1840 in Berlin.
Im Inhaltsverzeichnis steht der Stoff als Nr. 229 Die beiden Lindwürmer. Direkt davor führt Temme die Bergschlange im Bauerberge bei Wolgast, direkt danach den Jungfernberg zu Rankwitz.
Damit gehört die Geschichte zu den quellenstarken Usedomer Sagen. Dass sie spätestens 1840 gedruckt vorlag, ist gesichert. Ob sie bereits wesentlich früher mündlich erzählt wurde, lässt sich aus diesem Druckbeleg allein nicht datieren.
Schweden oder Ostsee: Beim Ende gehen die Fassungen auseinander
Der Peenemünder Lindwurm bleibt nach dem Tod seines Gefährten nicht in der Heide. Er flieht in die Ostsee.
Bei der weiteren Geschichte unterscheiden sich die Fassungen. In einer Überlieferung gelangt das Tier nach Schweden. Andere Varianten lassen offen, ob es das andere Ufer überhaupt erreicht oder im Meer umkommt.
Genau solche Unterschiede gehören zu alten Sagen. Es wäre falsch, daraus nachträglich eine einzige endgültige Version zu bauen und alle anderen Varianten zu unterschlagen.
Warum der Drak bei Temme noch Lindwurm heißt
Auf dieser Seite begegnen Dir zwei Bezeichnungen. Die historische Quelle von 1840 spricht von Lindwürmern. Der heute besonders reizvolle Titel „Der Drak von Usedom“ gehört zur späteren Beschäftigung mit dem Stoff.
Deshalb sollte man die Begriffe nicht so behandeln, als stünden sie schon bei Temme gleichberechtigt nebeneinander. Für die alte Sagenfassung ist „Lindwurm“ die sauber belegte Bezeichnung.
„Drak von Usedom“ eignet sich dagegen als moderner Name für den Usedomer Teil dieses Sagenkomplexes und führt direkt zu Hugo Scheele.
Hugo Scheele und der „Drak von Usedom“
Die alte Lindwurmsage verschwand nicht mit den Sagensammlungen des 19. Jahrhunderts. Später beschäftigte sich auch der Usedomer Künstler und Dichter Hugo Scheele mit dem Stoff.
Scheele hinterließ ein unvollendetes Werk mit dem Titel Der Drak von Usedom. Genau daraus ergibt sich die heute eingängige Verbindung zwischen der alten Drachensage und dem Namen „Drak“.
Wichtig ist die zeitliche Trennung: Scheele ist nicht die Quelle der alten Sage. Die Geschichte der Lindwürmer war bereits bei Temme 1840 gedruckt. Sein Werk gehört zur späteren kulturellen Weiterverarbeitung des Stoffes.
Warum die Drachensage so gut in das Usedomer Sagenbild passt
Vineta, Bernsteinhexe oder Störtebeker sind deutlich bekannter. Ein Lindwurm in der Peenemünder Heide dürfte dagegen selbst viele Inselkenner überraschen.
Gerade deshalb ist die Geschichte interessant. Sie zeigt, wie breit die alte Usedomer Überlieferung tatsächlich ist. Nicht alle Sagen drehen sich um versunkene Städte, Geister oder verwunschene Menschen.
Und anders als bei einer modernen Fantasygeschichte lässt sich hier sogar genau zeigen, dass die Erzählung bereits 1840 gedruckt vorlag.
Was ist beim Drak von Usedom belegt?
Kannst Du heute auf den Spuren des Drak unterwegs sein?
Einen eindeutig bezeichneten historischen „Drachenplatz“ gibt es nach der bisherigen Quellenlage nicht. Die Sage nennt als Usedomer Schauplatz die Peenemünder Heide.
Heute gehört die Landschaft rund um Peenemünde teilweise zu empfindlichen und geschützten Naturräumen. Nicht alle Bereiche sind frei zugänglich. Wer die Gegend kennenlernen möchte, sollte sich deshalb an vorhandene Wege und zugängliche Bereiche halten.
Der beste Einstieg ist die bestehende Seite zu Peenemünde auf Usedom. Dort findest Du den heutigen Ort, seine Landschaft und weitere Hinweise zur Umgebung.
Fragen zum Drak von Usedom
Ja. Johann D. H. Temme veröffentlichte 1840 die Sage „Die beiden Lindwürmer“. Einer der beiden Lindwürmer wird ausdrücklich in der Peenemünder Heide lokalisiert.
Der Usedomer Lindwurm wird in der alten Überlieferung in der Peenemünder Heide verortet. Ein genauer heute identifizierbarer Aufenthaltsort ist aus der bisherigen Quellenlage nicht bekannt.
Temmes Fassung erzählt von zwei Lindwürmern. Einer wird bei Lassan verortet, der andere in der Peenemünder Heide auf Usedom.
Nach dem Tod des Lassaner Lindwurms flieht das Usedomer Tier in die Ostsee. Spätere Fassungen unterscheiden sich darin, ob es Schweden erreicht oder im Meer umkommt.
Nein. Temmes Druck von 1840 trägt den Titel „Die beiden Lindwürmer“. „Der Drak von Usedom“ ist mit der späteren künstlerischen Bearbeitung des Stoffes durch Hugo Scheele verbunden.
Nein solcher Nachweis ist bekannt. Historisch belegt ist die alte Überlieferung der Sage, nicht die Existenz eines drachenartigen Tieres.
Der Usedomer Künstler und Dichter Hugo Scheele beschäftigte sich später mit dem alten Stoff und hinterließ ein unvollendetes Werk mit dem Titel „Der Drak von Usedom“.
Usedoms Drache ist älter, als man erwarten würde
Einen echten Lindwurm in der Peenemünder Heide können historische Quellen natürlich nicht beweisen. Was sie sehr wohl beweisen können: Die Geschichte wurde spätestens 1840 gedruckt.
Besonders interessant ist, dass Temmes alte Sage nicht nur von einem einzelnen Drachen erzählt. Der Peenemünder Lindwurm gehört zu einer Doppelgeschichte mit einem zweiten Tier bei Lassan und flieht nach dessen Tod in die Ostsee.
Später griff Hugo Scheele den Stoff als Drak von Usedom wieder auf. So verbindet die Geschichte alte Volkssage, konkrete Insellandschaft und spätere Kunstgeschichte miteinander.