Der Teufelsstein von Warthe
Ein echter Findling mit einer ziemlich teuflischen Geschichte.
Der Teufelsstein von Warthe - Findling und alte Sage im Lieper Winkel
Auf dem Warther Feld liegt ein gewaltiger Findling, an dem die Sage sogar den Handabdruck des Teufels erkennen will. Er soll den Stein nach Pudagla geschleudert haben, um dort eine Kirche zu zerstören. Der Wurf ging daneben. Der Stein blieb im Lieper Winkel liegen und ist bis heute real vorhanden.
Der Teufel wirft einen Stein nach Pudagla
Der Sage nach war der Teufel mit einer neu errichteten christlichen Kirche in Pudagla alles andere als zufrieden. Also griff er zu einer eher handfesten Lösung: Er nahm einen gewaltigen Stein und schleuderte ihn in Richtung der Kirche.
Ganz nach Plan lief die Sache allerdings nicht. Gott ließ nach der Überlieferung einen starken Wind aufkommen. Der Stein wurde abgelenkt und landete nicht in Pudagla, sondern auf dem Warther Feld im heutigen Lieper Winkel.
Der Teufel soll den Findling beim Werfen so fest umfasst haben, dass sein Handabdruck im Stein zurückblieb. Damit hatte die Landschaft ihre Erklärung: Ein auffallend großer Stein lag dort nicht einfach wegen der Eiszeit. Für die Sage hatte ihn jemand mit ausgesprochen schlechter Laune dorthin befördert.
Den Teufelsstein von Warthe gibt es wirklich
Der Stein ist keine erfundene Kulisse. Das Land Mecklenburg-Vorpommern führt ihn offiziell als Findling Warthe mit der Geotop-Nummer G2_027.
Damit lässt sich bei dieser Sage besonders sauber zwischen zwei Ebenen unterscheiden: Der Findling ist real und naturwissenschaftlich erklärbar. Der Teufel, sein Wurf und der Handabdruck gehören zur Überlieferung.
Solche großen Findlinge gelangten während der Eiszeiten mit dem Inlandeis in die Region. Als das Eis zurückwich, blieben die Gesteinsblöcke in der Landschaft liegen. Was für uns heute Geologie ist, bot früher reichlich Stoff für Sagen über Riesen, Teufel und andere übernatürliche Steinwerfer.
Temme kannte den Teufelsstein bereits 1840
Eine frühe direkt verifizierte Druckquelle ist Johann D. H. Temmes Die Volkssagen von Pommern und Rügen aus dem Jahr 1840. Dort steht der Stoff als Nr. 179 unter dem Titel Der Teufelsstein auf dem Warther Felde.
Damit gehört die Warther Geschichte zu den gut belegten alten Usedomer Sagen. Sie ist nicht erst durch moderne Ausflugsführer oder touristische Werbung entstanden.
Alfred Haas nahm die Sage 1904 ebenfalls in seine Sammlung über Usedom und Wollin auf. Er nennt dabei ausdrücklich Temme sowie weitere Quellen, darunter Ulrich Jahn, Berghaus und Gadebusch.
Vom Warther Feld bis zum Loddiner Höft
Wie bei vielen alten Sagen existiert auch beim Teufelsstein nicht nur eine einzige Fassung. Der Kern bleibt ähnlich: Ein großer Stein wird mit dem Teufel und einem missglückten Wurf verbunden.
Alfred Haas verweist zusätzlich auf eine bei Ulrich Jahn überlieferte Variante. Dort soll der Teufel den Stein vom Loddiner Höft am Achterwasser in Richtung Pudagla geworfen haben.
Das verändert die geografische Dramaturgie, nicht aber das Grundmotiv. Der Stein bleibt mit Warthe verbunden, Pudagla bleibt das Ziel des Wurfes und der Teufel bleibt für die ungewöhnliche Lage des Findlings verantwortlich.
Der Teufelsstein von Warthe ist nicht der Findling von Pudagla
Hier lauert eine ziemlich naheliegende Verwechslung. In der Warther Sage soll der Teufel den Stein auf die Kirche beziehungsweise nach Pudagla werfen. Gleichzeitig gibt es bei Pudagla selbst einen bekannten großen Findling mit eigener Sagenüberlieferung.
Das sind jedoch zwei verschiedene reale Steine. Die amtliche Geotopliste Mecklenburg-Vorpommerns führt sie sogar direkt getrennt:
Findling Warthe
Geotop G2_027. Dieser Stein gehört zur Sage vom Teufelsstein auf dem Warther Feld.
Findling Pudagla
Geotop G2_028. Ein anderer Findling mit eigenen Riesen- und Teufelserzählungen.
Dass Pudagla in der Warther Sage als Ziel des Wurfes auftaucht, macht aus beiden Findlingen also nicht denselben Stein.
Der Teufelsstein steht nicht allein
Der Lieper Winkel besitzt noch weitere alte Überlieferungen. Alfred Haas dokumentiert beispielsweise einen gespenstischen Hund auf dem Weg zwischen Warthe und Liepe sowie einen alten Brauch beziehungsweise Spukstoff zum Strohabwerfen in Warthe.
Damit gehört der Teufelsstein zu einem größeren lokalen Sagenumfeld. Für diese Seite bleibt der Findling selbst aber klar im Mittelpunkt.
Findling, alte Sage und ein Handabdruck des Teufels
Warum der Stein heute kein Ausflugsziel ist
Der Findling existiert weiterhin, befindet sich heute jedoch auf Privatgrund. Das Grundstück ist nicht frei zugänglich und der Stein ist durch den Bewuchs derzeit auch von außen nicht einsehbar.
Deshalb verzichte ich bewusst auf eine genaue Wegbeschreibung oder eine Empfehlung, den Stein aufzusuchen. Ein historischer Sagenort muss nicht automatisch eine öffentlich zugängliche Sehenswürdigkeit sein.
Wer die Landschaft kennenlernen möchte, kann den Lieper Winkel trotzdem gut erkunden. Für die Orientierung findest Du auf Usedom-Insider die Seite zu Rankwitz und dem Lieper Winkel.
Fragen zum Teufelsstein von Warthe
Ja. Der Findling von Warthe existiert tatsächlich und wird vom Land Mecklenburg-Vorpommern als Geotop G2_027 geführt.
Nein. Der Stein befindet sich auf Privatgrund, ist nicht frei zugänglich und durch den Bewuchs derzeit auch nicht einsehbar. Das Grundstück sollte nicht betreten werden.
Der Teufel soll einen großen Stein nach Pudagla geworfen haben, um dort eine christliche Kirche zu zerstören. Ein starker Wind lenkte den Stein der Sage nach ab, sodass er auf dem Warther Feld landete.
Eine frühe direkt verifizierte Druckquelle ist Johann D. H. Temmes „Die Volkssagen von Pommern und Rügen“ von 1840. Dort steht die Geschichte als Nr. 179.
Die Sage deutet eine Vertiefung im Findling als Handabdruck des Teufels. Dass sie tatsächlich durch eine Hand entstanden ist, ist nicht belegt.
Nein. Der Findling Warthe ist Geotop G2_027. Der Findling Pudagla wird separat als G2_028 geführt. Es handelt sich um zwei verschiedene reale Steine.
Im Kern der Überlieferung sollte der Stein Pudagla treffen. Eine bei Ulrich Jahn dokumentierte Variante lässt den Teufel den Stein vom Loddiner Höft am Achterwasser werfen.
Große Findlinge wurden während der Eiszeiten mit dem Inlandeis transportiert und blieben nach dem Abschmelzen des Eises in der Landschaft zurück.
Beim Teufelsstein liegen Sage und Wirklichkeit direkt nebeneinander
Der Teufelsstein von Warthe gehört zu den interessanten Usedomer Sagenorten, weil nicht nur die alte Geschichte überliefert ist. Der Findling selbst existiert weiterhin und ist amtlich als Geotop erfasst.
Dass ihn der Teufel nach Pudagla schleuderte und dabei seinen Handabdruck hinterließ, gehört selbstverständlich in die Welt der Sage. Dass Menschen diese Erklärung spätestens 1840 erzählten, ist dagegen historisch belegt.
Heute liegt der Stein auf Privatgrund und ist nicht öffentlich einsehbar. Seine Geschichte lässt sich trotzdem erzählen, ohne aus dem Ort ein Ausflugsziel zu machen.