NVA in Korswandt
Ein NVA-Standort, den ich noch selbst erlebt habe
Korswandt ist für mich kein Militärstandort, den ich nur aus alten Akten kenne. Mitte der 1980er Jahre gehörten die NVA und ihre Soldaten ganz selbstverständlich zu meinem Umfeld. Meine Oma arbeitete als zivile Mitarbeiterin in der NVA-Liegenschaft, und auf dem damaligen Sportplatz habe ich oft mit den Soldaten Fußball gespielt. Heute ist davon kaum noch etwas zu erkennen.
Zwischen Wolgastsee und Kaiserbädern stand die NVA
Wer heute nach Korswandt kommt, verbindet den Ort wahrscheinlich mit Wolgastsee, Wald und der Nähe zu Ahlbeck. Eine frühere Militärnutzung springt hier nicht mehr ins Auge.
Das war einmal anders. Der Bundesarchiv-Atlas bestätigt für Korswandt ein Objekt der Volksmarine. Dort waren Teile der 1. Flottille mit einer Flakbatterie stationiert.
Damit gehörte Korswandt zum militärischen Netz, das von Peenemünde weit über die Insel reichte. Der große Marinestützpunkt lag zwar im Norden, einzelne Einrichtungen und Einheiten befanden sich aber deutlich weiter entfernt.
Warum die Volksmarine ausgerechnet in Korswandt saß
Bei Volksmarine denkt man zuerst an Schiffe und Häfen. Korswandt zeigt, dass zur Marine deutlich mehr gehörte.
Der Bundesarchiv-Atlas führt hier Teile der 1. Flottille und ausdrücklich eine Flakbatterie. Flak steht für Flugabwehrkanone. Solche Einheiten sollten militärische Kräfte und Einrichtungen gegen Angriffe aus der Luft schützen.
Welche konkreten Ziele der Korswandter Batterie im Einsatzfall zugeordnet waren, ist in den bisher ausgewerteten Unterlagen nicht sicher genug belegt. Deshalb werde ich hier keine Geschützstellungen, Schussfelder oder Einsatzpläne rekonstruieren, die wir nicht nachweisen können.
Für mich waren die Soldaten damals einfach da
Bei Korswandt kann ich die Aktenlage ausnahmsweise um etwas ergänzen, das ich selbst erlebt habe. Mitte der 1980er Jahre gehörte die NVA für mich ganz selbstverständlich zum Ort.
Meine Oma arbeitete in der NVA-Liegenschaft in Korswandt. Sie war keine Soldatin, sondern dort als zivile Mitarbeiterin beschäftigt. Genau das wird bei solchen Standorten leicht vergessen: Hinter einem Kasernentor arbeiteten nicht ausschließlich Soldaten. Auch zivile Beschäftigte aus der Umgebung gehörten zum Alltag einer militärischen Liegenschaft.
Als Kind hat mich die militärische Organisation natürlich wenig interessiert. Für mich waren die Soldaten vor allem die Männer, die man im Ort sah und mit denen man auf dem Sportplatz auch einmal Fußball spielte.
Heute finde ich gerade diese Erinnerung spannend. Sie erzählt eine Seite des Militärstandortes, die in keiner Einheitenliste auftaucht: In einem kleinen Dorf lagen NVA und normaler Alltag nicht unbedingt weit auseinander.
Auch zivile Mitarbeiter gehörten zur Liegenschaft
Dass meine Oma dort als zivile Mitarbeiterin arbeitete, ist für mich ein wichtiger Teil dieser Geschichte. Der Begriff NVA-Standort erzeugt schnell das Bild einer abgeschlossenen Welt aus Soldaten, Uniformen und militärischem Dienst.
Im Alltag brauchten solche Liegenschaften aber auch Menschen für viele andere Aufgaben. Welche konkrete Tätigkeit meine Oma dort ausführte, möchte ich nicht nachträglich aus heutiger Sicht ergänzen, solange wir sie nicht genau festhalten können.
Sicher ist für meine Erinnerung nur: Sie arbeitete dort als Zivilbeschäftigte und war keine Angehörige der NVA im militärischen Sinn.
Hier trafen Dorfleben und Militär direkt aufeinander
Besonders präsent ist mir der damalige Sportplatz. Dort habe ich als Kind mit Soldaten Fußball gespielt. Dieser Platz existiert heute in seiner damaligen Form nicht mehr.
Interessanterweise taucht genau der ehemalige Sportplatz später auch in den kommunalen Unterlagen auf. 1995 wurde für die Fläche ein Bebauungsplan als Wohngebiet aufgestellt. 1996 war dort der Bau von bis zu 27 Einzel-, Doppel- und Reihenhäusern vorgesehen.
Wichtig ist allerdings eine Unterscheidung: Die Ortschronik behandelt den ehemaligen Sportplatz und den Standort des verfallenen Kasernengebäudes als zwei getrennte Bauvorhaben.
Meine Erinnerung an das Fußballspielen sagt deshalb auch nicht, dass der Sportplatz selbst innerhalb des Kasernengeländes lag. Er gehörte zu meinem damaligen Alltag mit den Soldaten, die genaue historische Grundstücksgrenze ist damit aber nicht geklärt.
Auch die alte Kaserne verschwand aus dem Ortsbild
Für die Zeit nach der NVA liefert die Korswandter Ortschronik einige besonders interessante Hinweise.
Am 14. Dezember 1995 beschloss die Gemeindevertretung, das ausdrücklich so bezeichnete „Kasernengrundstück“ zu veräußern. Damit ist unabhängig vom militärischen Archiv belegt, dass in Korswandt Mitte der 1990er Jahre noch klar von einem ehemaligen Kasernenareal gesprochen wurde.
Ein weiterer Eintrag aus dem September 1996 nennt ein verfallenes Kasernengebäude. Für dessen Standort war eine neue Wohnanlage vorgesehen.
Wie genau die frühere Liegenschaft aufgebaut war, wie viele Gebäude dort standen und welche Flächen exakt dazugehörten, ist bislang nicht vollständig rekonstruiert. Darum versuche ich auch hier nicht, mit heutigen Grundstücksgrenzen Sicherheit vorzutäuschen, die wir noch nicht haben.
Wo früher Sportplatz und Kaserne lagen, entstanden Häuser
Nach 1990 änderte sich dieser Teil Korswandts ziemlich grundlegend. Die militärische Nutzung verschwand, die alten Flächen wurden zu Bau- und Entwicklungsflächen.
Für den ehemaligen Sportplatz wurde bereits am 7. März 1995 der Bebauungsplan Nr. 1 „Reines Wohngebiet Ehemaliger Sportplatz“ aufgestellt. Er trat Anfang 1998 in Kraft.
Parallel dazu plante man eine Wohnanlage am Standort des verfallenen Kasernengebäudes. Die Ortschronik nennt beide Vorhaben ausdrücklich getrennt.
Damit lässt sich der Wandel in Korswandt besonders schön verfolgen: Zwei Flächen, die ich noch mit meiner Kindheit und der NVA verbinde, wurden innerhalb weniger Jahre Teil eines neuen, zivilen Korswandts.
Ein kleiner Standort in einem großen Netz
Korswandt war kein zweites Peenemünde. Der militärische Schwerpunkt der Volksmarine lag ganz klar im Norden der Insel.
Die Flakbatterie zeigt aber, wie weit die 1. Flottille über ihren Hafen hinausreichte. Trassenheide hatte einen Gefechtsstand, Zinnowitz gehörte zum Versorgungsnetz und auch Korswandt war Teil dieser Struktur.
Genau deshalb finde ich die kleinen Standorte fast ebenso interessant wie die großen. An ihnen sieht man, dass die militärische Nutzung Usedoms nicht aus ein paar isolierten Kasernen bestand, sondern über viele Orte verteilt war.
Die Militärzeit ist fast vollständig überbaut
Wenn ich heute durch Korswandt gehe, ist der Unterschied zu meiner Kindheit deutlich. Der damalige Sportplatz ist verschwunden, das alte Kasernengebäude ebenso und auf den früheren Entwicklungsflächen stehen längst Häuser.
Wer den Ort nur heute kennt, würde wahrscheinlich nicht vermuten, dass hier einmal Soldaten der Volksmarine stationiert waren und zivile Mitarbeiter in einer NVA-Liegenschaft arbeiteten.
Es gibt keinen großen Museumsstandort, keinen erhaltenen Kasernenkomplex und keine rekonstruierte Flakstellung, die diese Geschichte sofort sichtbar machen würde.
In Korswandt steckt die Erinnerung deshalb vor allem im Ortsbild davor und danach. Man muss wissen, was hier einmal war.
Fragen zur NVA in Korswandt
Ja. Das Bundesarchiv bestätigt ein Objekt der Volksmarine mit Teilen der 1. Flottille und einer Flakbatterie in Korswandt.
Flakkräfte dienten der bodengebundenen Abwehr von Angriffen aus der Luft. Welche konkreten Objekte der Korswandter Einheit zugeordnet waren, ist bislang nicht sicher genug belegt.
Ja. Aus meiner eigenen Familie weiß ich, dass meine Oma Mitte der 1980er Jahre als zivile Mitarbeiterin in der NVA-Liegenschaft Korswandt beschäftigt war.
Das lässt sich so nicht sagen. Die kommunalen Unterlagen behandeln den ehemaligen Sportplatz und den Standort des verfallenen Kasernengebäudes ausdrücklich als zwei getrennte Flächen und Bauvorhaben.
1996 wird noch ein verfallenes Kasernengebäude genannt. Für dessen Standort war anschließend Wohnbebauung vorgesehen. Die genaue frühere Ausdehnung der militärischen Liegenschaft ist noch nicht vollständig geklärt.
Die frühere militärische Nutzung ist im heutigen Ortsbild kaum noch direkt erkennbar. Sportplatz und Kasernenbereich wurden nach 1990 neu entwickelt und bebaut.
Für mich ist das keine Geschichte aus dem Archiv
Korswandt ist der persönlichste Ort in diesem ganzen NVA-Thema. Meine Oma arbeitete als zivile Mitarbeiterin in der Liegenschaft, und ich stand Mitte der 1980er Jahre selbst mit den Soldaten auf dem Sportplatz und spielte Fußball.
Damals habe ich darüber nicht groß nachgedacht. Die Soldaten waren da, meine Oma ging dort arbeiten und der Sportplatz gehörte zum Ort. Erst heute sehe ich, wie eng militärischer und ziviler Alltag in einem kleinen Dorf auf Usedom miteinander verbunden waren.
Die Akten erzählen mir, dass in Korswandt eine Flakbatterie der 1. Flottille lag. Die Ortschronik erzählt, was nach der Kaserne und dem Sportplatz kam.
Meine eigene Erinnerung erzählt noch etwas anderes: wie normal das alles damals wirken konnte. Der Sportplatz ist heute verschwunden. Die Häuser stehen längst an seiner Stelle. Wenn ich dort vorbeikomme, sehe ich trotzdem noch ein Stück von dem Korswandt, das einmal da war.