Radarstation Pudagla

Wie die NVA den Himmel über Usedom überwachte.
KI-Illustration
Radar · Luftverteidigung · Pudagla · NVA

Mitten im Achterland saßen die Augen der Luftverteidigung

Pudagla kennt man heute wegen Mühle, Schloss und ruhiger Achterland-Landschaft. Zu DDR-Zeiten gehörte noch etwas ganz anderes zum Ort: südwestlich des Dorfes arbeitete ein großer Radarstandort der NVA. Von hier wurde der Luftraum beobachtet, eine Luftlage erstellt und der Flugbetrieb der Jagdflieger in Peenemünde unterstützt. Die MiGs flogen im Norden, ein Teil ihrer Augen saß mitten auf der Insel.

📡 Südwestlich von Pudagla lag ein großer NVA-Radarstandort.
✈️ Der Standort arbeitete eng mit dem JG-9 zusammen.
👀 Radar lieferte Informationen über den Luftraum.
🏁 Ende 1992 endete der operative Radarbetrieb.

Ein Militärstandort, den heute viele einfach passieren

Wer heute durch Pudagla fährt, denkt wahrscheinlich eher an Bockwindmühle, Schloss oder Schmollensee als an Luftverteidigung. Genau deshalb gehört der Radarstandort für mich zu den überraschenderen Geschichten dieses ganzen NVA-Clusters.

Das Bundesarchiv bestätigt südwestlich von Pudagla sowohl das Funktechnische Bataillon 33 als auch die Funktechnische Kompanie 331. In den damaligen Unterlagen taucht außerdem eine NVA-Funkmessstation auf.

Ein großer Teil des militärisch genutzten Bereichs lag westlich der B111. Kommunale Unterlagen beschreiben dort ein ehemaliges Armeeobjekt von rund 14,6 Hektar. Wer heute vorbeifährt, sieht allerdings keine weithin sichtbare Radarstation mehr. Die Landschaft und die Nutzung des Geländes haben sich längst verändert.

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Den Zusammenhang mit den anderen Militärstandorten der Insel findest Du unter NVA auf Usedom.

Radar statt Bunkerromantik

Bei ehemaligen Militäranlagen ist schnell von geheimen Bunkern und mysteriösen Einrichtungen die Rede. Für Pudagla ist die eigentliche Aufgabe spannender und deutlich besser belegt.

Die Funktechnischen Truppen der Luftverteidigung sollten den Luftraum aufklären. Radargeräte erfassten Flugbewegungen, aus den Informationen entstand eine Luftlage und diese Daten konnten für die Führung von Jagdflugzeugen genutzt werden.

Ein ehemaliger Soldat aus Pudagla beschreibt für die 1980er Jahre einen großen Überwachungsbereich über Nordostdeutschland und Teilen der südlichen Ostsee. Zu den Aufgaben gehörte nach seiner Erinnerung außerdem die Unterstützung militärischer und ziviler Flugbewegungen.

Luftraum beobachten Radargeräte erfassten Flugbewegungen über Land und Ostsee.
Luftlage erstellen Die einzelnen Radarinformationen wurden zu einem Gesamtbild zusammengeführt.
Jagdflugzeuge unterstützen Die gewonnenen Informationen konnten für die Führung der MiGs genutzt werden.
Flugbetrieb absichern Pudagla stand auch mit dem militärischen Flugbetrieb auf Usedom in Verbindung.

Die MiGs flogen im Norden, Pudagla schaute mit

Der interessanteste Zusammenhang führt direkt nach Peenemünde. Dort war seit 1961 das Jagdfliegergeschwader 9 stationiert. Seine MiG-Jagdflugzeuge brauchten nicht nur Piloten, Startbahn und Technik am Boden, sondern auch Informationen darüber, was sich im Luftraum abspielte.

Zeitzeugenberichte aus Pudagla beschreiben eine enge Zusammenarbeit mit dem JG-9. Während des Flugdienstes sollen Jägerleitoffiziere aus Peenemünde im Gefechtsstand in Pudagla gearbeitet haben. Außerdem bestanden Funkverbindungen zu den Jagdflugzeugen.

Damit bekommen zwei weit auseinanderliegende Orte auf Usedom plötzlich eine gemeinsame Geschichte. Peenemünde war der sichtbare Flugplatz. Pudagla arbeitete im Hintergrund.

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Die andere Hälfte dieser Geschichte findest Du unter MiGs über Usedom - das Jagdfliegergeschwader 9 in Peenemünde.

Auch Garz gehörte zum fliegerischen Netz

Peenemünde war nicht der einzige Flugplatz, mit dem Pudagla verbunden war. Zeitzeugen nennen auch militärische Flugbewegungen im Raum Garz.

Das passt zur damaligen Struktur auf Usedom. Garz diente als Feld- und Ausweichflugplatz und war dem Peenemünder Jagdfliegergeschwader zugeordnet. Damit lag Pudagla ziemlich genau zwischen zwei wichtigen Punkten der militärischen Fliegerei auf der Insel.

Im Norden starteten die MiGs in Peenemünde, im Südosten lag der Ausweichflugplatz Garz und dazwischen arbeitete der Radarstandort.

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Mehr über den zweiten Flugplatz der Insel folgt unter Militärflugplatz Garz - MiGs, Ausweichflugplatz und sowjetische Soldaten auf Usedom.

Zur Radarstation gehörte ein ganzer Betrieb

Ein Radarstandort besteht nicht nur aus einer Antenne auf einem Hügel. Auch in Pudagla gehörten Unterkünfte, Stabsbereiche, Fahrzeuge, technische Einrichtungen und die Versorgung der Anlage zum täglichen Betrieb.

Private militärhistorische Dokumentationen beschreiben unter anderem Stabs- und Unterkunftsgebäude, Fahrzeugbereiche, Wachgebäude und geschützte technische Anlagen. Die genaue Verteilung sämtlicher Radarstellungen lässt sich aus den bisher ausgewerteten amtlichen Unterlagen allerdings nicht parzellenscharf rekonstruieren.

Genau deshalb verzichte ich hier auf eine vermeintlich exakte Karte mit jedem ehemaligen Radarplatz. Gesichert ist der militärische Komplex südwestlich von Pudagla. Bei einzelnen technischen Teilflächen ist die genaue Zuordnung noch nicht vollständig geklärt.

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Was gesichert ist: FuTB-33 und FuTK-331 sind für Pudagla amtlich belegt. Bei der exakten Lage einzelner Radarstellungen ist die Recherche noch nicht parzellenscharf abgeschlossen.

Die Technik wechselte über die Jahre

Wer sich tief in das Thema einliest, trifft schnell auf Bezeichnungen wie K-66, P-12 oder P-37. Solche Geräte sind für Pudagla in Fach- und Zeitzeugenquellen überliefert.

Für unsere Geschichte ist aber etwas anderes wichtiger: Die technische Ausstattung blieb nicht über Jahrzehnte gleich. Geräte wurden ausgetauscht, ergänzt oder außer Dienst gestellt. Eine einzige lange Liste würde deshalb eher verwirren als helfen.

Entscheidend ist die Funktion. Die Technik sollte Flugbewegungen erkennen und Informationen liefern, aus denen eine möglichst aktuelle Luftlage entstand.

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Einfach gedacht: Während man am Himmel vielleicht nur einen Punkt sah oder eine MiG hörte, versuchte die Radarstellung daraus ein genaues Bild des Luftraums zu machen.

Zwischen Radarbild und ganz normalem Usedom

Besonders greifbar wird Pudagla durch die Erinnerungen ehemaliger Soldaten. Ein Zeitzeuge, der von 1985 bis 1987 am Standort diente, beschreibt Schichtdienst, Radartechnik und die Zusammenarbeit mit den Jagdfliegern.

Das erzeugt ein ungewöhnliches Bild: Nur wenige Kilometer entfernt lagen Dörfer, Seen und Urlaubsorte. Hinter dem Militärzaun ging es gleichzeitig darum, Flugbewegungen über einem großen Teil Nordostdeutschlands und der Ostsee zu verfolgen.

Für mich ist genau das wieder diese typische zweite Ebene Usedoms. Von außen sieht man Landschaft. Hinter der Landschaft lief damals ein technischer Betrieb, dessen Aufgabe weit über die Insel hinausreichte.

1990 war in Pudagla noch nicht sofort Schluss

Mit dem Ende der DDR verschwand der Radarstandort nicht über Nacht. Die Bundeswehr übernahm Teile der NVA-Radarstruktur und führte den Betrieb zunächst weiter.

Damit gehört Pudagla zu den Standorten auf Usedom, bei denen die militärische Nutzung die Wiedervereinigung noch eine Zeit lang überdauerte.

Der operative Einsatzbetrieb endete schließlich zum Jahresende 1992. Damit war nach Jahrzehnten Schluss mit der militärischen Luftraumüberwachung von diesem Standort.

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Zwei Jahre länger als die DDR: Während das JG-9 in Peenemünde schon 1990 endete, blieb die Radarstruktur in Pudagla noch bis 1992 in Betrieb.

Aus dem Armeeobjekt wurde eine Konversionsfläche

Nach dem Ende der militärischen Nutzung begann die nächste Veränderung. Das frühere Armeeobjekt westlich der B111 wurde zur Konversionsfläche und teilweise gewerblich nachgenutzt.

Kommunale Unterlagen nennen dort Altbausubstanz, Betonflächen und Bunker- beziehungsweise Geländestrukturen. Von der einstigen Radarwelt ist also nicht alles spurlos verschwunden, aber der Standort lässt sich heute nicht mehr wie eine erhaltene Militäranlage ablesen.

Das finde ich bei Pudagla eigentlich viel interessanter als einen klassischen Lost Place. Aus einer militärisch abgeschirmten Fläche wurde wieder ein Teil des normalen Inselalltags.

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Heute vorbeifahren und damals verstehen: Genau dafür lohnt sich diese Geschichte. Die ehemalige Radarstellung ist kein touristisches Ausflugsziel, aber sie verändert den Blick auf einen Ort, den viele nur als ruhiges Achterland-Dorf kennen.

Fragen zur Radarstation Pudagla

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Gab es wirklich eine NVA-Radarstation bei Pudagla?
Ja. Das Bundesarchiv bestätigt südwestlich von Pudagla das Funktechnische Bataillon 33 und die Funktechnische Kompanie 331.
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Welche Aufgabe hatte der Standort?
Zu den Aufgaben der Funktechnischen Truppen gehörten Luftraumaufklärung, die Erstellung einer Luftlage und die Unterstützung der Führung von Jagdflugzeugen.
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Was hatte Pudagla mit den MiGs in Peenemünde zu tun?
Zeitzeugenberichte beschreiben eine enge Zusammenarbeit mit dem Jagdfliegergeschwader 9. Radarinformationen aus Pudagla wurden für den Flugbetrieb und die Jägerleitung genutzt.
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Wann wurde die Radarstation aufgegeben?
Nach der Übernahme durch die Bundeswehr lief der militärische Radarbetrieb zunächst weiter. Ende 1992 wurde der operative Einsatzbetrieb beendet.
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Kann man die alte Radarstation heute besichtigen?
Der frühere Militärbereich ist kein reguläres Museum oder ausgewiesenes Besucherziel. Teile des Areals wurden nach 1990 gewerblich nachgenutzt.

Die unsichtbare Seite der MiG-Geschichte

Bei Jagdflugzeugen denkt man zuerst an Startbahn, Piloten und Maschinen. Pudagla zeigt die andere Seite. Damit die MiGs in Peenemünde überhaupt sinnvoll geführt werden konnten, brauchte es Menschen und Technik, die den Himmel beobachteten.

Genau deshalb gehört der Radarstandort für mich zu den wichtigsten Puzzleteilen der militärischen Geschichte Usedoms. Er war weniger spektakulär sichtbar als ein Jagdflugzeug oder ein Kriegsschiff, aber für das System dahinter entscheidend.

Heute erinnert rund um Pudagla nur noch wenig auf den ersten Blick daran. Wer die Geschichte kennt, fährt trotzdem nicht mehr ganz so achtlos an diesem Stück Achterland vorbei.

Radarstation Pudagla
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