MiGs über Usedom

Das Jagdfliegergeschwader 9 in Peenemünde.
KI-Illustration
MiG-21 · MiG-23 · JG-9 · Peenemünde

Als Jagdflugzeuge über den Stränden von Usedom flogen

Heute wirkt Peenemünde am äußersten Norden Usedoms fast abgelegen. Zu DDR-Zeiten war der Himmel hier deutlich unruhiger. Ab 1961 war das Jagdfliegergeschwader 9 auf dem Flugplatz stationiert. MiG-21 und später MiG-23 gehörten damit über Jahrzehnte zum Inselnorden. Und der Flugbetrieb reichte weit über Peenemünde hinaus: Radar aus Pudagla und der Ausweichflugplatz Garz waren Teil dieser Geschichte.

✈️ Das JG-9 kam 1961 nach Peenemünde.
🛩️ MiG-21 und MiG-23 flogen von Usedom.
📡 Radar aus Pudagla unterstützte den Flugbetrieb.
🏁 Am 2. Oktober 1990 fand der letzte Appell statt.

Dann kamen die Jagdflieger nach Peenemünde

Peenemünde war längst wieder Militärstandort, als 1961 noch eine weitere Dimension dazukam. Neben der Marine bekam nun auch die Luftwaffe der NVA einen festen Platz im Inselnorden.

Am 16. Mai 1961 wurde das Geschwader auf den Flugplatz Peenemünde verlegt. Wenige Wochen später, am 9. Juni, erhielt es die Bezeichnung Jagdfliegergeschwader 9. Ab 1966 trug der Verband zusätzlich den Ehrennamen „Heinrich Rau“.

Damit begann eine fast drei Jahrzehnte lange Zeit, in der Jagdflugzeuge zum Norden Usedoms gehörten. Wer heute nach Peenemünde fährt, erreicht einen ruhigen Inselzipfel. Damals lag hier ein aktiver Militärflugplatz direkt neben einem großen Marinestützpunkt.

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Den Gesamtüberblick über Marine, Flugplätze, Radar und Sperrgebiete findest Du auf meiner Seite NVA auf Usedom.

Ein Jagdflugplatz direkt an der Ostsee

Schon die Lage macht Peenemünde ungewöhnlich. Der Flugplatz liegt auf einer schmalen Inselspitze zwischen Peenestrom und Ostsee. Nur wenige Kilometer weiter südlich beginnen Karlshagen und die Ferienorte Usedoms.

Auf diesem Flugplatz lief nun der militärische Flugbetrieb des JG-9. Dazu gehörte weit mehr als die Piloten und ihre Maschinen. Technik, Flugsicherung, Nachrichtenverbindungen und die Versorgung der Flugzeuge mussten genauso funktionieren.

Der Bundesarchiv-Atlas führt deshalb neben dem JG-9 weitere Einheiten am Standort auf, darunter das Fliegertechnische Bataillon 9 und das Nachrichten- und Flugsicherungsbataillon 9. Für Besucher waren diese Bezeichnungen vermutlich nebensächlich. Für den Flugbetrieb waren die Menschen dahinter unverzichtbar.

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Ein Flugzeug startet nicht allein: Hinter jeder MiG stand ein ganzer Betrieb aus Wartung, Technik, Flugsicherung und Bodenpersonal.

Die Maschinen, die man auf Usedom hören konnte

Mit dem JG-9 sind vor allem zwei Flugzeugtypen verbunden: MiG-21 und MiG-23. Beide gehörten zu den sowjetisch entwickelten Jagdflugzeugen, die auch bei den Luftstreitkräften der DDR eingesetzt wurden.

Für die Inselgeschichte reicht eigentlich schon ein Blick auf ihre Aufgabe. Das waren keine langsamen Schul- oder Transportflugzeuge, sondern militärische Jets. Entsprechend deutlich muss sich ihr Flugbetrieb bemerkbar gemacht haben.

Eine geplante Umrüstung des JG-9 auf die modernere MiG-29 kam nicht mehr zustande. Das Ende der DDR war schneller als die nächste Flugzeuggeneration in Peenemünde.

MiG-21 Über viele Jahre eines der prägenden Jagdflugzeuge des Geschwaders.
MiG-23 Später ebenfalls beim JG-9 in Peenemünde eingesetzt.
MiG-29 Eine Umrüstung war vorgesehen, wurde aber nicht mehr umgesetzt.

Die MiGs brauchten Augen am Boden

Jetzt führt die Geschichte einmal quer über die Insel. Denn der Flugbetrieb in Peenemünde hing nicht nur von dem ab, was direkt am Flugplatz geschah.

Bei Pudagla standen Radaranlagen der NVA-Luftverteidigung. Dort wurde der Luftraum beobachtet und eine Luftlage erstellt. Zeitzeugen aus dem Standort beschreiben außerdem die enge Zusammenarbeit mit dem JG-9 während des Flugdienstes.

Damit wird aus zwei scheinbar getrennten Militärstandorten plötzlich ein Zusammenhang: Die Jets standen in Peenemünde, während ein Teil der Informationen für ihre Führung aus dem Achterland kam.

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Wie die Radarstellung funktionierte und was davon heute geblieben ist, zeige ich auf der nächsten Seite unter Radarstation Pudagla - wie die NVA den Himmel über Usedom überwachte.

Warum Peenemünde noch Garz brauchte

Am anderen Ende Usedoms lag ein weiterer Flugplatz mit enger Verbindung zum JG-9. Garz war als Feld- und Ausweichflugplatz dem Peenemünder Jagdfliegergeschwader zugeordnet.

Damit bekam die militärische Fluggeschichte der Insel eine erstaunliche Nord-Süd-Achse: Der eigentliche Standort lag ganz im Norden in Peenemünde, die Radarführung saß im Inselinneren bei Pudagla und im Südosten stand mit Garz ein weiterer Flugplatz zur Verfügung.

Heute kennen viele Urlauber dieselbe Gegend aus einem völlig anderen Grund. Der heutige Flughafen Heringsdorf liegt im direkten räumlichen Zusammenhang mit dem früheren Militärflugplatz.

Am Hafen Schiffe, nebenan Jagdflugzeuge

Peenemünde war damit ein ungewöhnlicher Doppelstandort. Am Hafen saß die 1. Flottille der Volksmarine, direkt daneben arbeitete das Jagdfliegergeschwader 9 der Luftstreitkräfte.

Beides gehörte zur NVA, war aber organisatorisch nicht dasselbe. Und auch der Alltag sah völlig unterschiedlich aus. Auf der einen Seite Marinehafen, Schiffsverbände und Werkstätten, auf der anderen Startbahn, Flugzeugtechnik und Jagdflugbetrieb.

Gerade diese Kombination erklärt, warum der äußerste Norden Usedoms militärisch eine solche Bedeutung bekam.

Die andere Hälfte des Peenemünder Doppelstandortes findest Du unter Volksmarine Peenemünde - die 1. Flottille auf Usedom.

Für Karlshagen war der Flugplatz kein ferner Nachbar

Militärflugzeuge kann man nicht hinter einem Zaun verstecken. Ihr Flugbetrieb war weit über das Flugplatzgelände hinaus wahrnehmbar. Besonders nah dran lag Karlshagen.

Mit der Stationierung des Jagdfliegergeschwaders wurde der Inselnorden ab Karlshagen zum militärischen Sperrgebiet. Gleichzeitig entwickelte sich der Ort zu einem wichtigen Wohn- und Versorgungsstandort für Menschen, die in den militärischen Einrichtungen im Norden arbeiteten.

Damit war Karlshagen nicht einfach nur das letzte Seebad vor Peenemünde. Der Ort lag direkt an der Grenze zwischen Ferieninsel und Militärwelt.

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Wie sich diese ungewöhnliche Nachbarschaft auf den Ort auswirkte, erzähle ich später ausführlich unter Karlshagen im Sperrgebiet - wie die NVA den Ferienort prägte.

Für das JG-9 kam das Ende sehr schnell

Während der Marinestandort Peenemünde nach der Wiedervereinigung noch einige Jahre weiterbestand, war die Geschichte des Jagdfliegergeschwaders praktisch mit der DDR beendet.

Am 2. Oktober 1990 fand der letzte Appell des JG-9 statt. Einen Tag später wurde der Verband von der Luftwaffe der Bundeswehr übernommen und anschließend schrittweise aufgelöst.

Damit endete eine Epoche, die im Mai 1961 begonnen hatte. Fast drei Jahrzehnte lang war Peenemünde ein Standort von Jagdflugzeugen gewesen. Nun wurde aus dem aktiven Militärflugplatz innerhalb kurzer Zeit ein Ort auf der Suche nach einer neuen Nutzung.

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Ein Unterschied zu Hafen nebenan: Die Marine blieb nach 1990 noch in Peenemünde. Für das JG-9 war dagegen bereits im Oktober 1990 Schluss.

Die MiGs sind weg, der Flugplatz ist noch da

Wer Peenemünde heute besucht, kann die frühere militärische Dimension des Ortes noch immer erahnen. Der Flugplatz ist schließlich nicht verschwunden. Startbahn und große Flächen erinnern daran, dass hier jahrzehntelang mehr stattfand als ein gelegentlicher Flug über die Insel.

Auch die Geschichte des JG-9 wird vor Ort aufgearbeitet. Der Förderverein Peenemünde eröffnete 2022 ein eigenes Fliegermuseum zur Geschichte des Flugplatzes und der dort stationierten NVA-Fliegertruppenteile.

Das macht Peenemünde für mich besonders interessant. An kaum einem anderen Ort auf Usedom liegen unterschiedliche Epochen und Nutzungen so dicht übereinander. Man muss nur wissen, wonach man schaut.

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Mein Blick auf den Flugplatz: Nicht nur nach einem alten Flugzeug suchen. Die Größe des Geländes erzählt mindestens genauso viel darüber, welche Bedeutung Peenemünde einmal hatte.

Fragen zum JG-9 in Peenemünde

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Wann kam das JG-9 nach Peenemünde?
Das Geschwader wurde am 16. Mai 1961 nach Peenemünde verlegt und erhielt am 9. Juni 1961 die Bezeichnung Jagdfliegergeschwader 9.
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Welche MiGs flogen in Peenemünde?
Beim JG-9 wurden unter anderem MiG-21 und MiG-23 eingesetzt. Eine spätere Umrüstung auf MiG-29 war vorgesehen, kam aber nicht mehr zustande.
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Was hatte Pudagla mit dem JG-9 zu tun?
Die Radarstellung bei Pudagla überwachte den Luftraum. Zeitzeugenquellen beschreiben eine enge Zusammenarbeit mit dem JG-9 während des Flugbetriebs.
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Welche Verbindung gab es zwischen Garz und Peenemünde?
Garz war als Feld- und Ausweichflugplatz dem JG-9 zugeordnet und ergänzte damit den Hauptstandort Peenemünde.
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Wann wurde das JG-9 aufgelöst?
Der letzte Appell fand am 2. Oktober 1990 statt. Am folgenden Tag erfolgte die Übernahme in die Bundeswehr und danach die schrittweise Auflösung.

Eine Ferieninsel mit Jagdflugplatz

Genau dieser Gegensatz macht die Geschichte des JG-9 für mich so interessant. Usedom blieb Ferieninsel und gleichzeitig starteten im Norden jahrzehntelang militärische Jets.

Peenemünde war dabei nur der sichtbare Mittelpunkt. Die Verbindung zur Radarstellung bei Pudagla, zum Flugplatz Garz und zum Alltag in Karlshagen zeigt, wie weit dieser Flugbetrieb tatsächlich in die Insel hineinreichte.

Heute sind die MiGs verschwunden. Wenn man die Zusammenhänge kennt, wirkt der alte Flugplatz trotzdem nicht wie irgendeine große Betonfläche am Ende Usedoms. Er erzählt von einer Zeit, in der über dem Ostseestrand noch ein ganz anderer Verkehr unterwegs war.

MiGs über Usedom
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