Sowjetisches Militärsanatorium Heringsdorf
Nach 1945 wurde ein großer Teil Heringsdorfs für ein sowjetisches Militärsanatorium genutzt
In Heringsdorf bestand nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs das sowjetische Militärsanatorium Nr. 1. Die Einrichtung nutzte zahlreiche Villen, Pensionen und weitere Gebäude im Ostseebad. Nach dem derzeitigen Forschungsstand gehörten 41 Gebäude zum Sanatoriumskomplex.
Was war das sowjetische Militärsanatorium in Heringsdorf?
Das sowjetische Militärsanatorium Nr. 1 bestand in Heringsdorf in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Es war keine einzelne Klinik in einem abgeschlossenen Gebäudekomplex, sondern verteilte sich auf zahlreiche Häuser im Ort.
Zu dem Komplex gehörten Villen, Pensionen, Hotels und weitere Gebäude. Dadurch war die sowjetische Nutzung im damaligen Heringsdorf deutlich stärker in den bestehenden Ort eingebunden als bei einem klassischen Kasernenstandort.
Für das Sanatorium ist die Feldpostnummer 92541 überliefert. Die Nutzung reicht nach dem derzeitigen Forschungsstand von 1945 bis 1950 beziehungsweise 1951.
Aus dem Evakuierungshospital 1305 wurde das Militärsanatorium Nr. 1
Für die Vorgeschichte des sowjetischen Sanatoriums ist das Evakuierungshospital 1305 von Bedeutung. Nach Kriegsende wurde die medizinische Nutzung unter sowjetischer Militärverwaltung fortgeführt beziehungsweise neu organisiert.
In den folgenden Jahren entstand daraus ein größerer Sanatoriumskomplex, der sich auf zahlreiche Gebäude innerhalb Heringsdorfs verteilte.
Zum Sanatorium gehörten 41 Gebäude in Heringsdorf
Nach dem derzeitigen Forschungsstand umfasste das sowjetische Militärsanatorium insgesamt 41 Gebäude.
Damit handelte es sich nicht um eine einzelne Liegenschaft, sondern um einen räumlich verteilten Komplex innerhalb des Ostseebades. Gerade diese Verteilung macht die Rekonstruktion heute anspruchsvoll.
In regionalhistorischen Darstellungen wird teilweise eine Kapazität von bis zu etwa 1.400 Betten genannt. Diese Größenangabe behandeln wir jedoch nicht auf derselben Belegstufe wie die archivisch gesicherten Angaben zu Sanatorium, Feldpostnummer und Gebäudeumfang.
Welche Gebäude gehörten zum sowjetischen Militärsanatorium?
Für eine Reihe von Villen, Pensionen und Hotels ist die Nutzung durch das sowjetische Militärsanatorium belegt beziehungsweise stark belegt. Dabei haben einzelne Häuser im Laufe ihrer Geschichte unterschiedliche Namen getragen.
Villa Elisabeth
In den Quellen beziehungsweise in der historischen Überlieferung auch unter den Bezeichnungen Auguste Victoria, Pension Punt und Pension Seeger zu finden.
Villa Caprivi
Ebenfalls unter den späteren beziehungsweise weiteren Namen Gabi Nora und Villa Ilse überliefert.
Pension Sasse
Auch als Neues Logierhaus in der historischen Überlieferung bekannt.
Villa Seeblick
Das Gebäude in der Delbrückstraße 16 gehört zu den stark belegten Häusern des Sanatoriumskomplexes.
Villa Luise I
Eine weitere Villa, die dem sowjetischen Militärsanatorium zugeordnet werden kann.
Villa Luise II
Auch unter der Bezeichnung Villa von der Hude überliefert.
Villa Bleichröder
Das Gebäude in der Delbrückstraße 14 gehört zu den bekannten Sanatoriumsobjekten.
Villa Oppenheim
Ebenfalls dem sowjetischen Sanatoriumskomplex zugeordnet.
Villa Oasis
Das Gebäude in der heutigen Puschkinstraße 10 gehört zu den belegten beziehungsweise stark belegten Häusern.
Strandhotel
In der Überlieferung auch als Strand-Hospiz bezeichnet.
Villa Staudt
Auch unter der Bezeichnung Miramar bekannt.
Villa Oechsler
Die Sanatoriumsnutzung ist stark belegt. Bei der zusätzlich überlieferten Kommandanturfunktion ist die zeitliche und funktionale Abgrenzung noch offen.
Die Gebäude wurden nicht an einem einzigen Tag zurückgegeben
Für das Ende des sowjetischen Militärsanatoriums ist ein Beschluss vom 26. April 1950 von besonderer Bedeutung.
Die Rückgabe beziehungsweise Übergabe der genutzten Gebäude erfolgte jedoch nicht vollständig an diesem Datum. Nach dem derzeitigen Forschungsstand handelte es sich um einen schrittweisen Prozess, der sich über 1950 und 1951 erstreckte.
Bei der Villa Oechsler überlagern sich unterschiedliche Überlieferungen
Die Nutzung der Villa Oechsler im Zusammenhang mit dem sowjetischen Militärsanatorium ist stark belegt.
Gleichzeitig existiert eine Überlieferung, nach der das Gebäude auch mit einer sowjetischen Kommandantur in Verbindung stand.
Bislang ist nicht abschließend geklärt, wie diese beiden Angaben zeitlich und funktional voneinander abzugrenzen sind. Deshalb wird die Villa nicht pauschal ausschließlich einer einzigen Funktion zugeschrieben.
Sowjetisches Sanatorium, NVA und MfS sind unterschiedliche Geschichten
Heringsdorf blieb auch nach dem Ende des sowjetischen Militärsanatoriums mit militärischen und staatlichen Einrichtungen verbunden.
Dazu gehörten später unter anderem Erholungseinrichtungen der NVA sowie amtlich erfasste Standorte des Ministeriums für Staatssicherheit. Diese Einrichtungen gehörten jedoch nicht zum sowjetischen Militärsanatorium.
Wie der Sanatoriumskomplex rekonstruiert wird
Die Geschichte des sowjetischen Militärsanatoriums lässt sich nur durch die Kombination mehrerer Quellengruppen rekonstruieren. Besonders wichtig sind Archivunterlagen zu den sowjetisch genutzten Gebäuden, zur Übergabe der Häuser und zur Organisation des Sanatoriums.
Heringsdorf im militärhistorischen Zusammenhang
Das sowjetische Militärsanatorium prägte Heringsdorf nur wenige Jahre, aber in großem Umfang
Die Nutzung dauerte nur bis 1950 beziehungsweise 1951. Mit 41 Gebäuden erstreckte sich der Sanatoriumskomplex jedoch über einen erheblichen Teil des damaligen Ortes.
Heute sind viele der damaligen Häuser wieder Teil des normalen Ortsbildes. Erst die historische Rekonstruktion zeigt, wie stark Heringsdorf in den ersten Nachkriegsjahren von der sowjetischen Militärnutzung geprägt war.