MfS auf Usedom
Das Ministerium für Staatssicherheit unterhielt auf Usedom verschiedene Objekte
Auf Usedom lassen sich mehrere Standorte des Ministeriums für Staatssicherheit amtlich nachweisen. Dazu gehörten Dienstobjekte, Erholungsobjekte, konspirative Nutzungen und weitere Liegenschaften. Nicht bei jedem Standort ist die konkrete Funktion bereits vollständig geklärt.
Welche MfS-Standorte sind auf Usedom bekannt?
Die heute bekannten MfS-Spuren verteilen sich über verschiedene Teile der Insel. Besonders deutlich sind die Nachweise für Kamminke und Ahlbeck. Darüber hinaus sind Standorte in Heringsdorf, Bansin, Mellenthin, Koserow, Lütow, Mönchow, Karnin und Ückeritz amtlich erfasst.
Die Objekte hatten nicht alle dieselbe Funktion. Neben Dienstobjekten gab es Erholungsobjekte sowie konspirative und weitere dienstliche Nutzungen. Deshalb lässt sich nicht von einem einzigen „Stasi-Stützpunkt Usedom“ sprechen.
Auch die organisatorische Zuständigkeit war unterschiedlich. In den Unterlagen erscheinen unter anderem die HA II, die HV A, verschiedene Bezirksverwaltungen sowie die Abteilung M.
In Kamminke sind mehrere MfS-Nutzungen nachweisbar
Für Kamminke ist ein Dienstobjekt der HA II an der Adresse An der Mühle 1 gesichert. Die zugehörige Fläche wird mit 15.010 Quadratmetern angegeben.
Der Nachweis findet sich in den Unterlagen des Bundesarchivs unter BArch MfS VRD Nr. 2759, Blatt 45.
Zusätzlich ist ein konspiratives Objekt der HA II überliefert. Bislang ist jedoch nicht bewiesen, dass dieses konspirative Objekt mit dem Dienstobjekt An der Mühle 1 identisch war.
Darüber hinaus ist in Kamminke ein weiteres Objekt der Rückwärtigen Dienste der HV A nachgewiesen. Seine Existenz ist gesichert, Adresse, Deckname, genaue Funktion und Nutzungszeitraum sind derzeit jedoch noch offen.
Mehr zur militärischen und grenznahen Geschichte des Raumes findest Du auf Sowjetische Truppen in Garz und Kamminke sowie unter DDR-Grenze auf Usedom .
Das „Objekt W“ in Ahlbeck war ein Erholungsobjekt der HV A
Für Ahlbeck ist das sogenannte „Objekt W“ gesichert. Es war der HV A zugeordnet und wurde als Erholungsobjekt genutzt.
Die Fläche wird mit 1.312 Quadratmetern angegeben. Der Nachweis findet sich in BArch MfS VRD 2759, Blatt 42.
Zusätzlich sind weitere MfS-Standorte in der Grenzstraße sowie in der Dreherstraße 10–14 amtlich erfasst.
Für diese weiteren Standorte ist die konkrete Funktion nach unserem derzeitigen Forschungsstand noch nicht so eindeutig geklärt, dass daraus eine operative Geheimdienstbasis abgeleitet werden könnte.
Zur sowjetischen Nutzung siehe Sowjetischer Nachrichtenknoten Ahlbeck .
Auch in Heringsdorf und Bansin sind MfS-Standorte amtlich erfasst
Für Heringsdorf sind MfS-Standorte in der August-Bebel-Straße und in der Delbrückstraße amtlich dokumentiert.
Welche konkrete Funktion die jeweiligen Liegenschaften innerhalb des MfS erfüllten, ist nach dem derzeitigen Forschungsstand noch nicht abschließend geklärt.
In Bansin sind drei Standorte amtlich erfasst: Bergstraße 30–32, An der F 111 sowie Am Großen Krebssee.
Heringsdorf
Amtlich erfasste MfS-Standorte in der August-Bebel-Straße und Delbrückstraße. Die Detailfunktionen sind derzeit noch offen.
Bansin
Amtlich erfasste Standorte in der Bergstraße 30–32, An der F 111 und Am Großen Krebssee.
Zum sowjetischen Sanatorium siehe Sowjetisches Militärsanatorium Heringsdorf .
In Mellenthin bestand ein Dienstobjekt der BV Rostock
Für Mellenthin ist ein Dienstobjekt der BV Rostock gesichert. Die Fläche wird mit rund 1.164 Quadratmetern angegeben.
Die genaue Funktion des Objektes innerhalb der MfS-Struktur ist nach dem derzeitigen Forschungsstand noch offen.
Mehrere MfS-Bezirksverwaltungen nutzten Erholungsobjekte auf Usedom
Die Insel war nicht nur Standort dienstlicher Einrichtungen. Mehrere Bezirksverwaltungen des MfS verfügten auch über Erholungsobjekte auf Usedom.
Koserow
In der Fritz-Behn-Straße bestand ein Erholungsobjekt der BV Rostock mit einer Fläche von rund 959 Quadratmetern.
Lütow
In der Dorfstraße befand sich ein Erholungsobjekt der BV Potsdam. Die Fläche betrug rund 1.070 Quadratmeter.
Mönchow
Am Kleinen Haff ist ein Erholungsobjekt der BV Rostock mit einer Fläche von rund 9.247 Quadratmetern erfasst.
Karnin / Mönchow-Karnin
In der Dorfstraße bestand ein Erholungsobjekt der BV Neubrandenburg mit einer Fläche von rund 622 Quadratmetern.
Die unterschiedlichen Zuständigkeiten zeigen, dass die Erholungsobjekte nicht zu einer einzigen lokalen MfS-Struktur auf Usedom gehörten.
Das konspirative Objekt „Insel“ ist für Ückeritz gesichert
In Ückeritz befand sich das konspirative Objekt „Insel“ in der Chausseestraße 20.
Das Objekt war der Abteilung M zugeordnet und ist für den Zeitraum von 1979 bis 1981 gesichert.
Auch Ückeritz weist weitere militärhistorische Ebenen auf. Die sowjetische Nachkriegsnutzung und die spätere NVA-Erholung werden deshalb auf anderen Seiten behandelt.
Zur NVA-Nutzung siehe NVA-Erholungsheime auf Usedom .
Auch für den Ruden gibt es eine amtliche MfS-Standortspur
Für die Insel Ruden ist in den amtlichen Unterlagen eine MfS-Standortspur vorhanden.
Welche konkrete Funktion dieser Standort hatte und wie die Nutzung genau aussah, ist nach dem derzeitigen Forschungsstand noch nicht ausreichend geklärt.
Die bisher belegten und amtlich erfassten MfS-Spuren auf Usedom
Nicht alle MfS-Objekte auf Usedom sind bereits vollständig geklärt
Die vorhandenen Archivunterlagen ermöglichen inzwischen eine belastbare Grundstruktur. Bei mehreren Objekten fehlen jedoch noch Angaben zu Detailfunktion, Decknamen, Nutzungszeiträumen oder zur genauen räumlichen Zuordnung.
HA-II-Dienstobjekt An der Mühle 1 in Kamminke, „Objekt W“ in Ahlbeck, Dienstobjekt Mellenthin sowie KO „Insel“ in Ückeritz.
Identität des konspirativen HA-II-Objektes mit An der Mühle 1 bislang nicht bewiesen.
Adresse, Deckname, genaue Funktion und Nutzungszeitraum noch offen.
Bei Heringsdorf, Bansin, Ruden und weiteren Objekten sind einzelne Detailfunktionen noch nicht abschließend geklärt.
MfS, NVA und sowjetische Streitkräfte waren unterschiedliche Organisationen
Auf Usedom lagen Einrichtungen verschiedener militärischer und staatlicher Organisationen teilweise räumlich nah beieinander. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie organisatorisch zusammengehörten.
Das Ministerium für Staatssicherheit war keine Einheit der NVA und gehörte auch nicht zu den sowjetischen Streitkräften. Deshalb werden die jeweiligen Standortgeschichten getrennt behandelt.
Worauf die Rekonstruktion der MfS-Standorte beruht
Für diesen Themenbereich haben amtliche Unterlagen des Bundesarchivs und des Stasi-Unterlagen-Archivs Vorrang. Sie ermöglichen die Zuordnung von Liegenschaften, Adressen und organisatorischen Zuständigkeiten.
Die MfS-Präsenz auf Usedom war vielfältiger als ein einzelner Geheimdienststandort
Die bisher bekannten Unterlagen zeigen Dienstobjekte, Erholungseinrichtungen, konspirative Nutzungen und weitere Standorte an verschiedenen Orten der Insel. Dabei unterscheiden sich sowohl die zuständigen MfS-Strukturen als auch die Funktionen der einzelnen Liegenschaften.
Gleichzeitig ist die Forschung noch nicht abgeschlossen. Gerade bei einzelnen Adressen und Funktionen bleiben Fragen offen. Diese Seite wird deshalb mit neuen Archivfunden weiter ergänzt.