Sowjetische Truppen auf Usedom
Sowjetische Militärgeschichte auf Usedom begann unmittelbar nach Kriegsende
Im Mai 1945 erreichten sowjetische Truppen die Insel Usedom. In den folgenden Jahrzehnten wurden mehrere Bereiche der Insel militärisch genutzt. Einige Standorte bestanden nur in der unmittelbaren Nachkriegszeit, andere blieben über viele Jahre Teil der sowjetischen Militärstruktur in Deutschland.
Wo waren sowjetische Truppen auf Usedom stationiert?
Nach dem derzeitigen Forschungsstand lassen sich auf Usedom vier größere sowjetische Standortkomplexe unterscheiden: Peenemünde und Karlshagen, Garz und Kamminke, Ahlbeck sowie Heringsdorf.
Diese Standorte erfüllten sehr unterschiedliche Aufgaben. Im Norden der Insel standen zunächst die ehemaligen militärischen Anlagen von Peenemünde im Mittelpunkt. Im Raum Garz und Kamminke bestanden unter anderem Flugplatz-, Kasernen- und spätere Nachrichtennutzungen. Ahlbeck wurde Teil eines militärischen Nachrichtennetzes. In Heringsdorf befand sich nach Kriegsende ein großes sowjetisches Militärsanatorium.
Daneben gibt es Belege und Hinweise für frühe sowjetische Nutzungen in Zinnowitz, Ückeritz sowie im Bereich der Kaiserbäder. Diese frühen Nachkriegsspuren dürfen jedoch nicht automatisch mit den späteren dauerhaft eingerichteten Militärstandorten gleichgesetzt werden.
Besetzung, Sicherung und erste sowjetische Nutzung
Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs änderte sich die militärische Situation auf Usedom innerhalb kurzer Zeit grundlegend. Sowjetische Truppen besetzten die Insel und übernahmen militärisch bedeutende Bereiche.
Besonders wichtig war Peenemünde. Dort befanden sich technische Anlagen, Versuchseinrichtungen, Werkstätten, Flugplatzflächen und umfangreiche militärische Infrastruktur aus der Zeit des Nationalsozialismus. Sowjetische Stellen sicherten die Anlagen, untersuchten technische Einrichtungen und organisierten Demontage sowie Materialabtransport.
Gleichzeitig entstanden an verschiedenen Orten Unterkünfte, Kommandantur- und Versorgungseinrichtungen. Nicht jeder dieser frühen Standorte entwickelte sich später zu einer dauerhaft genutzten Garnison.
Die wichtigsten sowjetischen Militärstandorte auf Usedom
Die vier Bereiche hatten unterschiedliche Aufgaben. Deshalb bekommt jeder Komplex eine eigene Seite mit dem jeweiligen Forschungsstand.
Peenemünde und Karlshagen nach 1945
Peenemünde war unmittelbar nach Kriegsende für die Sowjetunion von besonderem Interesse. Die dort vorhandenen militärtechnischen Anlagen wurden gesichert, untersucht und teilweise demontiert. Sowjetische Fachkommissionen beschäftigten sich mit Technik, Unterlagen und Material der ehemaligen Versuchsanstalten.
In einer späteren Phase wurde der Flugplatz wiederhergestellt und durch sowjetische Fliegerverbände genutzt. Für Peenemünde sind unter anderem das 57. Garde-Jagdfliegerregiment, das 101. Garde-Jagdfliegerregiment, das 43. Jagdfliegerregiment und später das 314. Jagdfliegerregiment stark belegt.
Karlshagen gehörte funktional zum größeren Peenemünder Militärkomplex. Sowjetische Unterkunfts- und Versorgungsnutzungen sind belegt. Eine eigenständige sowjetische Garnison Karlshagen wird daraus jedoch nicht abgeleitet.
Garz und Kamminke waren ein wichtiger sowjetischer Militärraum
Für den Raum Garz und Kamminke sind die sowjetischen Liegenschaftskennungen RK 026 und RK 026-01 überliefert. Flugplatz und angrenzende militärische Bereiche bildeten räumlich einen eng verbundenen Komplex. Eine formale Zusammenlegung beider Kennungen ist bislang jedoch nicht direkt belegt.
Bereits im Juni 1945 kam das 21. Jagdfliegerregiment nach Garz. Am 11. Dezember 1948 wurde es in 314. Jagdfliegerregiment umbenannt. Dieses blieb bis März 1952 in Garz und wurde anschließend nach Peenemünde verlegt.
Zusätzlich ist das 58. selbständige Panzerbataillon mit der Feldpostnummer 86950 für den Raum Usedom beziehungsweise Garz stark belegt. Für eine spätere Phase ist außerdem eine Fernmeldezentrale der 132. Nachrichtenbrigade mit der Feldpostnummer 45857 archivisch gestützt.
Alle sowjetischen Einheiten und die noch offenen Fragen zum Standort findest Du auf Sowjetische Truppen in Garz und Kamminke .
Ahlbeck wurde Teil des sowjetischen militärischen Nachrichtennetzes
Für Ahlbeck ist mit RK 025 beziehungsweise RK 025-01 ein sowjetischer Nachrichtenstandort belegt. Zu seiner Funktion gehörte unter anderem eine Seekabeleinführung. Der Standort war damit Teil eines größeren militärischen Kommunikationsnetzes.
Stark belegt sind das 897. Nachrichtenbataillon mit der Feldpostnummer 45487 sowie der Stütz-Nachrichtenknoten 701. Für den geschützten Bereich ist der Bunkertyp „Monolith“ stark belegt.
Die Nachrichtenverbindung führte aus dem Raum Kaliningrad nach Ahlbeck und von dort über Vogelsang weiter Richtung Lynow. Damit hatte der Standort eine Funktion, die weit über die Insel Usedom hinausreichte.
Die vollständige Geschichte findest Du unter Sowjetischer Nachrichtenknoten Ahlbeck .
Ein sowjetisches Militärsanatorium mitten im Ostseebad
In Heringsdorf bestand von 1945 bis 1950 beziehungsweise 1951 das sowjetische Militärsanatorium Nr. 1. Es ging aus dem früheren Evakuierungshospital 1305 hervor und führte die Feldpostnummer 92541.
Anders als bei einem abgeschlossenen Kasernenkomplex verteilte sich die Nutzung auf zahlreiche Gebäude im Ort. Nach dem derzeitigen Forschungsstand gehörten insgesamt 41 Gebäude zum Sanatoriumskomplex.
Die Rückgabe der Gebäude erfolgte nicht an einem einzigen Tag. Ein Beschluss vom 26. April 1950 leitete einen Übergabeprozess ein, der sich über die Jahre 1950 und 1951 erstreckte.
Weitere sowjetische Spuren unmittelbar nach 1945
Neben den später dauerhaft bedeutenden Militärkomplexen finden sich für die unmittelbare Nachkriegszeit weitere sowjetische Spuren auf der Insel. Dazu gehören insbesondere Ahlbeck, Zinnowitz und Ückeritz.
Ahlbeck
Für die frühe Zeit nach Kriegsende gibt es eine Besatzungs- und Kommandanturgeschichte in Ahlbeck. Diese Phase wird bewusst vom späteren Nachrichtenstandort RK 025 getrennt.
Zinnowitz
Zinnowitz gehört ebenfalls zu den Orten mit früher sowjetischer Nutzung im Jahr 1945. Daraus wird derzeit jedoch kein eigenständiger großer dauerhafter sowjetischer Militärstandort abgeleitet.
Ückeritz
Für Ückeritz sind sowjetische Spuren aus der unmittelbaren Nachkriegszeit bekannt. Diese frühe Nutzung wird auf dem Sowjet-Hub eingeordnet und erhält keine eigene sowjetische Detailseite.
Karlshagen
Karlshagen diente als Unterkunfts- und Versorgungsbereich des Peenemünder Komplexes. Ohne weitere Belege wird der Ort nicht als eigenständige sowjetische Garnison behandelt.
Gerade bei diesen frühen Nutzungen ist die Quellenlage teilweise schmaler als bei den späteren militärischen Großstandorten. Wo Funktionen oder Zeiträume noch nicht abschließend geklärt sind, bleiben sie entsprechend als offen gekennzeichnet.
Von der Besatzungszeit zu langfristigen Militärstandorten
Sowjetische Streitkräfte und NVA müssen getrennt betrachtet werden
Besonders in Peenemünde und Garz kann die heutige Betrachtung schnell unübersichtlich werden. Dieselben Flugplätze oder angrenzende Flächen wurden in unterschiedlichen Zeiträumen von verschiedenen Streitkräften genutzt.
Ein sowjetischer Verband und eine spätere NVA-Einheit am selben Ort bildeten keine gemeinsame Organisation. Deshalb werden Zeitraum, Einheit und Funktion auf unseren Seiten getrennt betrachtet.
Wie die sowjetischen Standorte auf Usedom rekonstruiert werden
Die Rekonstruktion sowjetischer Militärstandorte ist schwieriger als bei vielen späteren DDR-Einrichtungen. Bezeichnungen, Feldpostnummern, Einheiten und Standortkennungen müssen aus unterschiedlichen Quellen zusammengeführt werden.
Zu den Grundlagen unserer Recherche gehören Bestände des Bundesarchivs, sowjetische beziehungsweise russische Militärunterlagen, wissenschaftliche Veröffentlichungen und militärhistorische Fachquellen. Zeitzeugenberichte werden ergänzend genutzt, aber nicht ohne weitere Prüfung als gesicherter Archivbefund übernommen.
RK-Nummern und Feldpostnummern werden nur verwendet, wenn ihre Zuordnung ausreichend belegt ist.
Eine Einheit kann ihren Standort gewechselt oder ihre Bezeichnung verändert haben.
Erinnerungen liefern wichtige Hinweise, müssen aber entsprechend gekennzeichnet und eingeordnet werden.
Wenn verschiedene Quellen nicht zusammenpassen, wird keine scheinbar eindeutige Lösung konstruiert.
Die vier sowjetischen Hauptkomplexe weiter erkunden
Auf den folgenden Seiten behandeln wir die einzelnen Standorte mit ihren Einheiten, Funktionen, Zeiträumen und offenen Forschungsfragen ausführlicher.
Die sowjetische Militärgeschichte Usedoms bestand aus sehr unterschiedlichen Standorten
Von den technischen Anlagen in Peenemünde über Flugplatz und Kasernen im Süden bis zum Nachrichtennetz in Ahlbeck und zum Militärsanatorium in Heringsdorf: Die sowjetische Militärpräsenz auf Usedom lässt sich nicht auf einen einzelnen Standort oder eine einzige Funktion reduzieren.
Erst wenn die einzelnen Orte nach Zeitraum, Einheit und Funktion getrennt betrachtet werden, wird nachvollziehbar, wie unterschiedlich die sowjetische Nutzung der Insel tatsächlich war.