Bohrplattform vor Usedom
Warum vor Swinemünde wieder eine Bohrplattform steht
Seit Anfang Oktober 2026 ist vor Świnoujście erneut eine Bohrplattform zu sehen. Sie arbeitet im Auftrag von Central European Petroleum, kurz CEP. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um eine zweite Bohrung im Zusammenhang mit dem Projekt Wolin East. Eine reguläre großtechnische Förderung von Erdöl oder Erdgas läuft dort derzeit noch nicht.
Was ist aktuell vor Swinemünde zu sehen?
Am 2. Oktober 2026 bestätigte ein Sprecher von Central European Petroleum gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass erneut eine Bohrplattform für das Unternehmen vor Świnoujście im Einsatz ist.
Die Anlage ist auch von der deutschen Küste Usedoms aus sichtbar. Bereits von Ende 2024 bis Anfang 2025 hatte in derselben Region eine Bohrplattform gearbeitet. Damals wurde die erste Erkundungsbohrung Wolin East 1 durchgeführt.
Bei der jetzt sichtbaren Plattform geht es laut CEP um eine zweite Bohrung, die Teil des weiteren behördlichen Verfahrens ist. Nach Unternehmensangaben sollen die aktuellen Arbeiten einige Tage dauern.
In älteren Umweltunterlagen aus dem Jahr 2022 sind zwei geplante Erkundungsbohrungen mit den Bezeichnungen Wolin East 1 und Wolin West 1 beschrieben. Aus der aktuellen Meldung vom 2. Oktober geht jedoch nicht eindeutig hervor, welche offizielle Bezeichnung die jetzt durchgeführte zweite Bohrung trägt.
Was steckt hinter dem Projekt Wolin East?
Central European Petroleum besitzt eine Konzession zur Suche nach Kohlenwasserstoffen im Gebiet Wolin im Nordwesten Polens. Das Konzessionsgebiet umfasst Land- und Meeresbereiche nahe der deutsch-polnischen Grenze.
Ende 2024 begann CEP mit der Bohrung Wolin East 1. Im Februar 2025 meldete das Unternehmen den Abschluss dieser ersten Offshore-Bohrung.
Im Juli 2025 teilte CEP mit, im Bereich Wolin East Öl und Gas nachgewiesen zu haben. Das Unternehmen veröffentlichte anschließend Schätzungen zum möglichen Umfang des Vorkommens.
Ein Rohstofffund und eine Unternehmensschätzung bedeuten noch nicht, dass eine Lagerstätte bereits vollständig bestätigt oder zur Förderung freigegeben ist. Weitere Bohrungen, Messungen, Umweltprüfungen und Genehmigungen sind notwendig.
Was soll später vor Usedom und Swinemünde entstehen?
Die aktuell sichtbare mobile Bohrplattform ist nicht mit der geplanten dauerhaften Förderanlage zu verwechseln.
Nach den im September 2026 öffentlich beschriebenen Projektunterlagen ist für Wolin East eine wesentlich größere Anlage vorgesehen.
🏝️ Künstliche Insel
Vorgesehen ist eine künstliche Förderinsel mit einer Grundfläche von rund 10 Hektar.
⚓ Hafen und Wellenbrecher
Zur geplanten Anlage gehören nach den Projektunterlagen auch ein eigener Hafenbereich und Wellenbrecher.
🚢 Zufahrtsrinne
Vorgesehen ist eine etwa 200 Meter breite und 12 Meter tiefe Zufahrtsrinne.
🛢️ Bis zu 30 Bohrungen
Die künstliche Insel soll für bis zu 30 Bohrungen ausgelegt werden.
📊 Rund 22 Mio. Tonnen Öl
Der NDR nennt auf Grundlage der Projektunterlagen für Wolin East rund 22 Millionen Tonnen Erdöl auf polnischer Seite.
🏭 Bis zu 8.100 Tonnen täglich
Als mögliche maximale Förderleistung werden bis zu 8.100 Tonnen Erdöl pro Tag genannt.
Nach Angaben des NDR könnte mit einem Bau frühestens 2028 begonnen werden, sofern das Vorhaben zuvor genehmigt wird.
Wo liegt Wolin East vor Usedom?
Das Projektgebiet liegt in der Pommerschen Bucht nördlich von Świnoujście. Westlich liegt die Insel Usedom, östlich die Insel Wolin. Zwischen beiden Inseln führt die Świna vom Stettiner Haff in die Ostsee.
Schematische Orientierungskarte von Usedom und Wolin. Die Inselkonturen orientieren sich an der tatsächlichen Geografie. Das Wolin-East-Feld und die Verbindungslinie zeigen nur den ungefähren Bereich. Eine exakte Lage der aktuellen zweiten Bohrung wird damit nicht dargestellt.
Was mir am 29. September in Swinemünde aufgefallen ist
Noch am 29. September war ich selbst in Swinemünde. Weit draußen auf der Ostsee fiel mir am Horizont etwas Ungewöhnliches auf. Zu diesem Zeitpunkt war für mich nicht eindeutig erkennbar, worum es sich handelte.
Wenige Tage später wurde öffentlich bekannt, dass erneut eine Bohrplattform für CEP vor Swinemünde im Einsatz ist.
Wer steckt hinter Wolin East?
Hinter dem Projekt steht Central European Petroleum, kurz CEP. Das Unternehmen ist im Bereich der Exploration und möglichen späteren Förderung von Erdöl und Erdgas tätig.
CEP verfügt über die Wolin-Konzession im Nordwesten Polens. Sie umfasst sowohl Gebiete an Land als auch Offshore-Bereiche in der Ostsee.
Angaben zur Größe und möglichen Förderbarkeit von Rohstoffvorkommen stammen teilweise von CEP selbst. Solche Zahlen sind von unabhängig bestätigten oder behördlich festgestellten Daten zu unterscheiden.
Warum Deutschland an der Umweltprüfung beteiligt wird
Wegen der Nähe zur deutschen Grenze wird das geplante Förderprojekt nicht ausschließlich als polnisches Verfahren behandelt. Für Wolin East wird eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung vorbereitet.
Nach Angaben des NDR läuft im Herbst 2026 zunächst ein Verfahren, in dem der Umfang der späteren umweltrechtlichen Prüfung festgelegt wird. Gemeinden auf Usedom, das Land Mecklenburg-Vorpommern und Umweltorganisationen werden daran beteiligt.
Welche Kritik gibt es?
Der BUND Mecklenburg-Vorpommern, die Coalition Clean Baltic und die Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern wenden sich gegen neue Öl- und Gasförderung in der Ostsee.
Der BUND fordert unter anderem eine Prüfung möglicher Folgen für Schweinswale, Robben, Seevögel, Fische und den Meeresboden. Die Organisation fordert außerdem grundsätzlich, auf neue Öl- und Gasförderprojekte in der Ostsee zu verzichten.
Nach Angaben des BUND unterstützen 89.300 Menschen eine entsprechende Petition. Für den 1. Oktober 2026 war eine Übergabe an Vertreter der EU-Kommission und des Europäischen Parlaments in Brüssel angekündigt.
Welche Bedeutung hat der Fund für Polen?
In Polen wird das mögliche Vorkommen auch unter dem Gesichtspunkt einer stärkeren eigenen Energieversorgung diskutiert.
Der NDR berichtet unter Berufung auf den polnischen Chefgeologen, dass das Vorkommen mehrere Jahre lang einen Anteil von etwa vier bis fünf Prozent des jährlichen polnischen Ölbedarfs decken könnte, sofern es entsprechend erschlossen wird.
Was bedeutet die Bohrplattform aktuell für Urlauber?
Für Urlauber auf Usedom ist derzeit vor allem die Sichtbarkeit der Arbeiten interessant. Die mobile Bohrplattform kann bei entsprechenden Sichtbedingungen von Teilen der Küste aus zu erkennen sein.
Aus der aktuellen zweiten Bohrung lässt sich jedoch keine konkrete Gefährdung für Urlauber ableiten. Eine dauerhafte Förderanlage wurde bislang nicht errichtet.
Für die langfristige Entwicklung ist entscheidend, ob und unter welchen Bedingungen das Projekt genehmigt wird. Erst dann lässt sich genauer beurteilen, welche tatsächlichen Auswirkungen Bau, Schiffsverkehr und ein möglicher Förderbetrieb auf die Region haben.
Von der Erkundung zur zweiten Bohrung
Fragen zur Bohrplattform vor Usedom
Wird vor Usedom bereits Öl gefördert?
Wo liegt Wolin East?
Liegt Wolin East vor Usedom oder vor Wolin?
Kann man die Bohrplattform von Usedom sehen?
Ist die geplante Bohrinsel bereits gebaut?
Wie groß soll die geplante Förderinsel werden?
Wie viel Öl soll dort gefördert werden?
Wer ist Central European Petroleum?
Ist die aktuelle Bohrplattform die spätere Förderinsel?
Wann könnte die geplante Förderung beginnen?
Quellen zum Projekt Wolin East
Projektstand und Genehmigungsverfahren ändern sich laufend. Deshalb stützen wir die Seite auf aktuelle Nachrichten, Projektunterlagen, amtliche Dokumente und klar gekennzeichnete Stellungnahmen.
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Die sichtbare Plattform ist erst ein Teil eines deutlich größeren Projektes
Wer Anfang Oktober 2026 von Usedom oder Swinemünde auf die Ostsee schaut, kann wieder eine Bohrplattform vor der Küste entdecken. Diese Anlage bedeutet aber noch nicht, dass dort bereits regulär Erdöl gefördert wird.
Aktuell geht es um eine weitere Bohrung im Zusammenhang mit Wolin East. Das wesentlich größere Vorhaben ist die geplante künstliche Förderinsel mit Hafen, Zufahrtsrinne und zahlreichen Bohrungen.
Ob dieses Projekt tatsächlich in dieser Form gebaut wird, hängt von den weiteren Prüfungen und Genehmigungen ab. Gerade wegen der geringen Entfernung zu Usedom bleibt Wolin East ein Thema, das wir auf Usedom-Insider weiter verfolgen werden.