Bohrplattform vor Usedom
Warum vor Swinemünde die Bohrplattform VALARIS 123 steht
Seit Anfang Oktober 2026 steht vor Świnoujście die Bohrplattform VALARIS 123. Sie arbeitet im Auftrag von Central European Petroleum, kurz CEP. Nach aktuellem Stand führt die Plattform die Erkundungsbohrung Wolin West 1 innerhalb der Wolin-Konzession aus. Das ist von der bereits 2025 abgeschlossenen Bohrung Wolin East 1 und vom geplanten späteren Förderprojekt Wolin East zu unterscheiden. Eine reguläre großtechnische Förderung von Erdöl oder Erdgas läuft derzeit nicht.
Was ist aktuell vor Swinemünde zu sehen?
Am 2. Oktober 2026 bestätigte ein Sprecher von Central European Petroleum gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass erneut eine Bohrplattform für das Unternehmen vor Świnoujście im Einsatz ist. Inzwischen lässt sich die Anlage auch eindeutig benennen: Es handelt sich um die selbsthebende Bohrplattform VALARIS 123.
Die Anlage ist auch von der deutschen Küste Usedoms aus sichtbar. Bereits von Ende 2024 bis Anfang 2025 hatte in derselben Region die Plattform Noble Resolve gearbeitet. Damals wurde die erste Erkundungsbohrung Wolin East 1 durchgeführt.
Für VALARIS 123 hat der Plattformbetreiber Valaris einen Vertrag mit CEP für eine Bohrung vor der polnischen Ostseeküste veröffentlicht. Der Vertrag sieht für diese Bohrung eine geschätzte Dauer von 110 Tagen vor und enthält zusätzlich eine Option für eine weitere Bohrung mit etwa 30 Tagen Dauer.
Nach aktuellen polnischen Berichten wird die laufende Bohrung als Wolin West 1 bezeichnet. Das passt zu der Umweltentscheidung von 2022, in der genau zwei Offshore-Bohrungen vorgesehen wurden: Wolin East 1 und Wolin West 1. Wolin East 1 wurde bereits 2025 abgeschlossen.
Die Hafenverkehrsübersicht für Świnoujście führte VALARIS 123 auch am 20. Oktober 2026 weiterhin auf der Reede und nennt mehrere Versorgungsschiffe für die Plattform. Damit ist die Anlage unmittelbar vor dem aktuellen Seitenstand weiterhin im Raum Świnoujście nachweisbar.
Was steckt hinter dem Projekt Wolin East?
Central European Petroleum besitzt eine Konzession zur Suche nach Kohlenwasserstoffen im Gebiet Wolin im Nordwesten Polens. Das Konzessionsgebiet umfasst Land- und Meeresbereiche nahe der deutsch-polnischen Grenze.
Ende 2024 begann CEP mit der Bohrung Wolin East 1. Im Februar 2025 meldete das Unternehmen den Abschluss dieser ersten Offshore-Bohrung.
Im Juli 2025 teilte CEP mit, im Bereich Wolin East Öl und Gas nachgewiesen zu haben. Das Unternehmen veröffentlichte anschließend Schätzungen zum möglichen Umfang des Vorkommens.
Die im Oktober 2026 laufende Bohrung Wolin West 1 ist nicht mit der geplanten Förderinsel Wolin East gleichzusetzen. Beide liegen innerhalb derselben Wolin-Konzession, verfolgen aber unterschiedliche Schritte der Erkundung und möglichen späteren Entwicklung.
Ein Rohstofffund und eine Unternehmensschätzung bedeuten noch nicht, dass eine Lagerstätte bereits vollständig bestätigt oder zur Förderung freigegeben ist. Weitere Bohrungen, Messungen, Umweltprüfungen und Genehmigungen sind notwendig.
Was soll später vor Usedom und Swinemünde entstehen?
Die aktuell sichtbare mobile Bohrplattform ist nicht mit der geplanten dauerhaften Förderanlage zu verwechseln.
Nach den im September 2026 öffentlich beschriebenen Projektunterlagen ist für eine mögliche Förderung aus Wolin East eine wesentlich größere dauerhafte Anlage vorgesehen. Die aktuelle Bohrung Wolin West 1 mit VALARIS 123 ist davon getrennt.
🏝️ Künstliche Insel
Vorgesehen ist eine künstliche Förderinsel mit einer Grundfläche von rund 10 Hektar.
⚓ Hafen und Wellenbrecher
Zur geplanten Anlage gehören nach den Projektunterlagen auch ein eigener Hafenbereich und Wellenbrecher.
🚢 Zufahrtsrinne
Vorgesehen ist eine etwa 200 Meter breite und 12 Meter tiefe Zufahrtsrinne.
🛢️ Bis zu 30 Bohrungen
Die künstliche Insel soll für bis zu 30 Bohrungen ausgelegt werden.
📊 Rund 22 Mio. Tonnen Öl
Der NDR nennt auf Grundlage der Projektunterlagen für Wolin East rund 22 Millionen Tonnen Erdöl auf polnischer Seite.
🏭 Bis zu 8.100 Tonnen täglich
Als mögliche maximale Förderleistung werden bis zu 8.100 Tonnen Erdöl pro Tag genannt.
Der NDR nennt für die geplante künstliche Insel eine Grundfläche von rund 10 Hektar und eine mögliche maximale Förderleistung von bis zu 8.100 Tonnen Erdöl pro Tag. Die Deutsche Umwelthilfe bezeichnet das Gesamtprojekt in ihrer Mitteilung vom 12. Oktober mit 18 Hektar; der BUND nennt dort 4.100 Tonnen Rohöl und beigemischtes Gas pro Tag. Die Quellen verwenden damit unterschiedliche Bezugsgrößen. Auf dieser Seite werden die 10 Hektar deshalb ausdrücklich der künstlichen Insel und die 8.100 Tonnen nur der vom NDR genannten möglichen Maximalleistung zugeordnet.
Nach Angaben des NDR könnte mit einem Bau frühestens 2028 begonnen werden, sofern das Vorhaben zuvor genehmigt wird.
Wo liegt Wolin East vor Usedom?
Das Projektgebiet liegt in der Pommerschen Bucht nördlich von Świnoujście. Westlich liegt die Insel Usedom, östlich die Insel Wolin. Zwischen beiden Inseln führt die Świna vom Stettiner Haff in die Ostsee.
Schematische Orientierungskarte von Usedom und Wolin. Die Inselkonturen orientieren sich an der tatsächlichen Geografie. Das Wolin-East-Feld und die Verbindungslinie zeigen nur den ungefähren Bereich. Eine exakte Lage der aktuellen Bohrung Wolin West 1 wird damit nicht dargestellt.
Was mir am 29. September in Swinemünde aufgefallen ist
Noch am 29. September war ich selbst in Swinemünde. Weit draußen auf der Ostsee fiel mir am Horizont etwas Ungewöhnliches auf. Zu diesem Zeitpunkt war für mich nicht eindeutig erkennbar, worum es sich handelte.
Wenige Tage später wurde öffentlich bekannt, dass erneut eine Bohrplattform für CEP vor Swinemünde im Einsatz ist.
Wer steckt hinter Wolin East?
Hinter dem Projekt steht Central European Petroleum, kurz CEP. Das Unternehmen ist im Bereich der Exploration und möglichen späteren Förderung von Erdöl und Erdgas tätig.
CEP verfügt über die Wolin-Konzession im Nordwesten Polens. Sie umfasst sowohl Gebiete an Land als auch Offshore-Bereiche in der Ostsee. Die Explorationsphase wurde 2026 durch das polnische Klima- und Umweltministerium bis 2027 verlängert.
Angaben zur Größe und möglichen Förderbarkeit von Rohstoffvorkommen stammen teilweise von CEP selbst. Solche Zahlen sind von unabhängig bestätigten oder behördlich festgestellten Daten zu unterscheiden.
Warum Deutschland an der Umweltprüfung beteiligt wird
Wegen der Nähe zur deutschen Grenze wird das geplante Förderprojekt Wolin East in einem grenzüberschreitenden Umweltverfahren behandelt. Die Regionaldirektion für Umweltschutz in Szczecin leitete das grenzüberschreitende Verfahren nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe am 3. Juni 2026 ein.
Im Herbst 2026 geht es unter anderem um den Untersuchungsrahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung. Mecklenburg-Vorpommern, die Gemeinde Ostseebad Heringsdorf und Umweltorganisationen haben sich mit Stellungnahmen in das Verfahren eingebracht.
Welche Kritik gibt es?
Am 12. Oktober 2026 veröffentlichten Deutsche Umwelthilfe, WWF Deutschland, BUND Mecklenburg-Vorpommern, die Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern und die polnische Organisation EKO-UNIA gemeinsam mit der Gemeinde Ostseebad Heringsdorf erneut Kritik an den Förderplänen für Wolin East.
Die Organisationen fordern unter anderem eine umfassende Prüfung möglicher Folgen für Schweinswale, Seevögel, Fische, Meeresboden, Wasserqualität und Tourismus. Sie wenden sich grundsätzlich gegen eine neue Öl- und Gasförderung in diesem Bereich der Ostsee.
Bereits Ende September hatte der BUND für eine Petition gegen neue Öl- und Gasförderung in der Ostsee 89.300 Unterstützer genannt. Diese Zahl stammt von den beteiligten Organisationen und ist deshalb als Verbandsangabe einzuordnen.
Welche Bedeutung hat der Fund für Polen?
In Polen wird das mögliche Vorkommen auch unter dem Gesichtspunkt einer stärkeren eigenen Energieversorgung diskutiert.
Der NDR berichtet unter Berufung auf den polnischen Chefgeologen, dass das Vorkommen mehrere Jahre lang einen Anteil von etwa vier bis fünf Prozent des jährlichen polnischen Ölbedarfs decken könnte, sofern es entsprechend erschlossen wird.
Was bedeutet die Bohrplattform aktuell für Urlauber?
Für Urlauber auf Usedom ist derzeit vor allem die Sichtbarkeit von VALARIS 123 relevant. Die Plattform ist bei entsprechenden Sichtbedingungen von Teilen der Küste aus zu erkennen. Die Hafenverkehrsübersicht für Świnoujście führte sie am 20. Oktober 2026 weiterhin auf der Reede.
Die laufende Erkundungsbohrung bedeutet nicht, dass bereits eine dauerhafte Förderanlage in Betrieb ist. Aus der bloßen Anwesenheit der Plattform lässt sich auch keine konkrete Gefährdung für Urlauber ableiten.
Für die langfristige Entwicklung ist entscheidend, ob und unter welchen Bedingungen das Projekt genehmigt wird. Erst dann lässt sich genauer beurteilen, welche tatsächlichen Auswirkungen Bau, Schiffsverkehr und ein möglicher Förderbetrieb auf die Region haben.
Von der Erkundung zur zweiten Bohrung
Fragen zur Bohrplattform vor Usedom
Wird vor Usedom bereits Öl gefördert?
Welche Bohrplattform steht aktuell vor Swinemünde?
Wie heißt die aktuelle Bohrung?
Wo liegt Wolin East?
Liegt Wolin East vor Usedom oder vor Wolin?
Kann man die Bohrplattform von Usedom sehen?
Ist die geplante Bohrinsel bereits gebaut?
Wie groß soll die geplante Förderinsel werden?
Wie viel Öl soll dort gefördert werden?
Wer ist Central European Petroleum?
Ist die aktuelle Bohrplattform die spätere Förderinsel?
Wann könnte die geplante Förderung beginnen?
Quellen zu Wolin East, Wolin West 1 und VALARIS 123
Projektstand und Genehmigungsverfahren ändern sich laufend. Deshalb stützen wir die Seite auf aktuelle Nachrichten, Projektunterlagen, amtliche Dokumente und klar gekennzeichnete Stellungnahmen.
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VALARIS 123 erkundet Wolin West 1, Wolin East bleibt ein separates Förderprojekt
Im Oktober 2026 steht mit VALARIS 123 erneut eine Bohrplattform vor Swinemünde. Die Hafenverkehrsübersicht führte sie am 20. Oktober weiterhin auf der Reede. Eine reguläre großtechnische Erdölförderung läuft dort nicht.
Nach aktuellem Stand führt VALARIS 123 die Erkundungsbohrung Wolin West 1 innerhalb der Wolin-Konzession aus. Davon zu trennen ist das geplante Förderprojekt Wolin East mit künstlicher Insel, Hafen, Zufahrtsrinne und mehreren Bohrungen.
Ob die Förderanlage Wolin East tatsächlich in dieser Form gebaut wird, hängt von den weiteren Prüfungen und Genehmigungen ab. Wegen der Nähe zu Usedom und des laufenden grenzüberschreitenden Umweltverfahrens bleibt das Vorhaben für die Insel relevant.