Sowjetische Truppen in Garz und Kamminke
Garz und Kamminke gehörten zu den wichtigsten sowjetischen Militärstandorten im Süden Usedoms
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand im Raum Garz und Kamminke ein größerer sowjetischer Militärkomplex. Flugplatz, Kasernenbereiche, Jagdflieger, Panzertruppen und spätere Nachrichtennutzung prägten den Standort über verschiedene Zeiträume. Dabei müssen die einzelnen Einheiten und Funktionen zeitlich sauber voneinander getrennt werden.
Was gehörte zum sowjetischen Militärkomplex Garz und Kamminke?
Der Raum Garz und Kamminke war bereits unmittelbar nach Kriegsende militärisch von Bedeutung. Zum Komplex gehörten der Flugplatz bei Garz, Kasernen- und Unterkunftsbereiche sowie weitere militärische Einrichtungen.
Für die sowjetisch genutzten Flächen sind die Kennungen RK 026 und RK 026-01 überliefert. Dabei wird RK 026 mit Kamminke und RK 026-01 mit Garz in Verbindung gebracht.
Die beiden Bereiche lagen räumlich eng zusammen und bildeten funktional einen verbundenen Militärraum. Eine formale Zusammenlegung der beiden Liegenschaftskennungen ist nach dem derzeitigen Forschungsstand jedoch nicht direkt belegt.
RK 026 in Kamminke und RK 026-01 in Garz
Die sowjetischen Liegenschaftskennungen helfen dabei, den militärischen Standort genauer einzuordnen. Für diesen Bereich sind zwei Kennungen besonders wichtig.
Die spätere militärische Nutzung des Flugplatzes durch die NVA gehört zu einer anderen Epoche und wird auf einer eigenen Seite behandelt.
Sowjetische Jagdflieger kamen bereits 1945 nach Garz
Für den Flugplatz Garz ist das 21. Jagdfliegerregiment ab Juni 1945 nachgewiesen. Damit begann die sowjetische fliegerische Nutzung bereits kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Am 11. Dezember 1948 wurde das Regiment in 314. Jagdfliegerregiment umbenannt. Unter dieser Bezeichnung blieb die Einheit bis März 1952 in Garz.
Anschließend wurde das 314. Jagdfliegerregiment nach Peenemünde verlegt. Dadurch besteht ein direkter historischer Zusammenhang zwischen den beiden sowjetischen Flugplatzstandorten auf Usedom.
Die weitere sowjetische Nutzung Peenemündes findest Du auf Sowjetische Truppen in Peenemünde .
Das 58. selbständige Panzerbataillon im Raum Garz
Neben den Fliegerverbänden ist für den Raum Usedom beziehungsweise Garz das 58. selbständige Panzerbataillon stark belegt. Die Einheit führte die Feldpostnummer 86950.
Das Bataillon gehörte zur 5. selbständigen Panzerbrigade. Für die Einheit sind T-54-Panzer und Aufgaben im Zusammenhang mit der Küstenverteidigung überliefert.
Der Standortbezug Usedom beziehungsweise Garz ist stark belegt. Im Jahr 1980 wurde die Einheit aus diesem Raum abgezogen und in die Mongolei verlegt.
Später wurde der Standort auch für militärische Nachrichtenverbindungen genutzt
Für eine spätere Phase ist im Bereich RK 026 eine Fernmeldezentrale der 132. Nachrichtenbrigade archivisch gestützt.
In diesem Zusammenhang ist die Feldpostnummer 45857 überliefert. Die Nachrichtennutzung zeigt, dass sich die Funktion des Standortes im Laufe der Jahrzehnte veränderte.
Nicht jede überlieferte Einheit lässt sich bereits sicher zuordnen
Neben den stark belegten Verbänden gibt es weitere Hinweise aus Zeitzeugenüberlieferungen. Diese werden bewusst nicht mit archivisch gesicherten Angaben gleichgesetzt.
Die Stationierung in Garz und der zeitliche Übergang sind stark belegt.
Standortbezug Usedom beziehungsweise Garz mit FPN 86950 stark belegt.
Spätere Nutzung im Zusammenhang mit der 132. Nachrichtenbrigade archivisch gestützt.
Für die Feldpostnummer 59564 gibt es einen starken Zeitzeugenbefund, gleichzeitig bestehen widersprüchliche Angaben. Die Zuordnung wird deshalb derzeit nicht als gesichert dargestellt.
Der Raum Garz und Kamminke wurde später von anderen DDR-Strukturen genutzt
Die sowjetische Geschichte ist nur ein Teil der militärischen Vergangenheit dieses Gebietes. Später spielte der Flugplatz Garz auch für die NVA eine Rolle. Im Grenzraum zu Polen bestanden außerdem Einrichtungen der DDR-Grenzsicherung.
Hinzu kommen für Kamminke amtlich erfasste MfS-Spuren. Diese unterschiedlichen Nutzungen werden nicht miteinander vermischt, sondern auf den jeweiligen Fachseiten behandelt.
Kamminke ist heute wieder ein ruhiger Ort am Stettiner Haff
Wer Kamminke heute besucht, erlebt vor allem das Fischerdorf, den kleinen Hafen, das Stettiner Haff und den nahe gelegenen Golm. Die frühere militärische Nutzung ist im normalen Ortsbild deutlich weniger präsent.
Den heutigen Ort behandeln wir deshalb getrennt von der Militärgeschichte auf unserer Seite Kamminke auf Usedom .
Wie der sowjetische Standort Garz und Kamminke rekonstruiert wird
Die Rekonstruktion beruht auf der Kombination unterschiedlicher Quellen. Dazu gehören sowjetische Liegenschaftskennungen, Feldpostnummern, militärische Einheiten, Bundesarchivbestände und ergänzende militärhistorische Quellen.
Besonders wichtig ist die zeitliche Trennung. Der Standort veränderte seine Funktion mehrfach. Fliegerverbände der unmittelbaren Nachkriegszeit, Panzertruppen und spätere Nachrichtennutzung gehören deshalb nicht automatisch in dieselbe organisatorische Struktur.
Garz und Kamminke im militärhistorischen Zusammenhang
Garz und Kamminke waren über Jahrzehnte ein Militärraum mit wechselnden Funktionen
Die Geschichte reicht von sowjetischen Jagdfliegern unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg über Panzertruppen bis zur späteren Nachrichtennutzung. Gerade diese Veränderungen machen den Standort historisch komplex.
Gleichzeitig darf die sowjetische Nutzung nicht mit dem späteren NVA-Flugplatz oder der DDR-Grenzsicherung gleichgesetzt werden. Erst die getrennte Betrachtung der einzelnen Zeiträume zeigt, welche Einheiten und Organisationen tatsächlich in Garz und Kamminke tätig waren.