Sowjetische Truppen in Garz und Kamminke

Flugplatz, Kasernen, Panzertruppen und Nachrichtentechnik im Südosten Usedoms.

RK 026 · RK 026-01 · Flugplatz · Panzer · Nachrichten

Garz und Kamminke gehörten zu den wichtigsten sowjetischen Militärstandorten im Süden Usedoms

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand im Raum Garz und Kamminke ein größerer sowjetischer Militärkomplex. Flugplatz, Kasernenbereiche, Jagdflieger, Panzertruppen und spätere Nachrichtennutzung prägten den Standort über verschiedene Zeiträume. Dabei müssen die einzelnen Einheiten und Funktionen zeitlich sauber voneinander getrennt werden.

Kennungen: RK 026 und RK 026-01
Flieger: 21. und später 314. Jagdfliegerregiment
Panzer: 58. selbständiges Panzerbataillon
Später: Fernmeldezentrale der 132. Nachrichtenbrigade

Was gehörte zum sowjetischen Militärkomplex Garz und Kamminke?

Der Raum Garz und Kamminke war bereits unmittelbar nach Kriegsende militärisch von Bedeutung. Zum Komplex gehörten der Flugplatz bei Garz, Kasernen- und Unterkunftsbereiche sowie weitere militärische Einrichtungen.

Für die sowjetisch genutzten Flächen sind die Kennungen RK 026 und RK 026-01 überliefert. Dabei wird RK 026 mit Kamminke und RK 026-01 mit Garz in Verbindung gebracht.

Die beiden Bereiche lagen räumlich eng zusammen und bildeten funktional einen verbundenen Militärraum. Eine formale Zusammenlegung der beiden Liegenschaftskennungen ist nach dem derzeitigen Forschungsstand jedoch nicht direkt belegt.

Wichtig: Garz und Kamminke werden hier als räumlich zusammenhängender sowjetischer Militärkomplex betrachtet. Daraus folgt nicht, dass RK 026 und RK 026-01 amtlich zu einer einzigen Liegenschaft zusammengefasst waren.

RK 026 in Kamminke und RK 026-01 in Garz

Die sowjetischen Liegenschaftskennungen helfen dabei, den militärischen Standort genauer einzuordnen. Für diesen Bereich sind zwei Kennungen besonders wichtig.

RK 026 Sowjetische Liegenschaftskennung für den Bereich Kamminke
RK 026-01 Kennung für den militärisch genutzten Bereich bei Garz
Funktion Flugplatz, Kasernenbereich und weitere militärische Nutzungen
Einordnung Räumlich eng verbundener Standortkomplex, formale Zusammenlegung nicht direkt belegt

Die spätere militärische Nutzung des Flugplatzes durch die NVA gehört zu einer anderen Epoche und wird auf einer eigenen Seite behandelt.

Sowjetische Jagdflieger kamen bereits 1945 nach Garz

Für den Flugplatz Garz ist das 21. Jagdfliegerregiment ab Juni 1945 nachgewiesen. Damit begann die sowjetische fliegerische Nutzung bereits kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Am 11. Dezember 1948 wurde das Regiment in 314. Jagdfliegerregiment umbenannt. Unter dieser Bezeichnung blieb die Einheit bis März 1952 in Garz.

Anschließend wurde das 314. Jagdfliegerregiment nach Peenemünde verlegt. Dadurch besteht ein direkter historischer Zusammenhang zwischen den beiden sowjetischen Flugplatzstandorten auf Usedom.

Juni 1945 21. Jagdfliegerregiment kommt nach Garz
11. Dezember 1948 Umbenennung zum 314. Jagdfliegerregiment
Bis März 1952 Stationierung des 314. Jagdfliegerregiments in Garz
Ab 1952 Verlegung des Regiments nach Peenemünde

Die weitere sowjetische Nutzung Peenemündes findest Du auf Sowjetische Truppen in Peenemünde .

Das 58. selbständige Panzerbataillon im Raum Garz

Neben den Fliegerverbänden ist für den Raum Usedom beziehungsweise Garz das 58. selbständige Panzerbataillon stark belegt. Die Einheit führte die Feldpostnummer 86950.

Das Bataillon gehörte zur 5. selbständigen Panzerbrigade. Für die Einheit sind T-54-Panzer und Aufgaben im Zusammenhang mit der Küstenverteidigung überliefert.

Der Standortbezug Usedom beziehungsweise Garz ist stark belegt. Im Jahr 1980 wurde die Einheit aus diesem Raum abgezogen und in die Mongolei verlegt.

Einheit 58. selbständiges Panzerbataillon
Feldpostnummer FPN 86950
Übergeordneter Verband 5. selbständige Panzerbrigade
Technik T-54
Aufgabe Küstenverteidigung
Abzug 1980, anschließend Verlegung in die Mongolei

Später wurde der Standort auch für militärische Nachrichtenverbindungen genutzt

Für eine spätere Phase ist im Bereich RK 026 eine Fernmeldezentrale der 132. Nachrichtenbrigade archivisch gestützt.

In diesem Zusammenhang ist die Feldpostnummer 45857 überliefert. Die Nachrichtennutzung zeigt, dass sich die Funktion des Standortes im Laufe der Jahrzehnte veränderte.

Keine falsche Schlussfolgerung: Der Nachweis einer Fernmeldezentrale der 132. Nachrichtenbrigade bedeutet nicht, dass die gesamte 132. Nachrichtenbrigade in Garz oder Kamminke stationiert war.
Funktion Militärische Fernmeldezentrale
Verband 132. Nachrichtenbrigade
Feldpostnummer FPN 45857
Standortbezug RK 026, archivisch gestützt

Nicht jede überlieferte Einheit lässt sich bereits sicher zuordnen

Neben den stark belegten Verbänden gibt es weitere Hinweise aus Zeitzeugenüberlieferungen. Diese werden bewusst nicht mit archivisch gesicherten Angaben gleichgesetzt.

✓
21. und 314. Jagdfliegerregiment:
Die Stationierung in Garz und der zeitliche Übergang sind stark belegt.
✓
58. selbständiges Panzerbataillon:
Standortbezug Usedom beziehungsweise Garz mit FPN 86950 stark belegt.
✓
Fernmeldezentrale:
Spätere Nutzung im Zusammenhang mit der 132. Nachrichtenbrigade archivisch gestützt.
?
34. selbständiges Panzerbataillon:
Für die Feldpostnummer 59564 gibt es einen starken Zeitzeugenbefund, gleichzeitig bestehen widersprüchliche Angaben. Die Zuordnung wird deshalb derzeit nicht als gesichert dargestellt.

Der Raum Garz und Kamminke wurde später von anderen DDR-Strukturen genutzt

Die sowjetische Geschichte ist nur ein Teil der militärischen Vergangenheit dieses Gebietes. Später spielte der Flugplatz Garz auch für die NVA eine Rolle. Im Grenzraum zu Polen bestanden außerdem Einrichtungen der DDR-Grenzsicherung.

Hinzu kommen für Kamminke amtlich erfasste MfS-Spuren. Diese unterschiedlichen Nutzungen werden nicht miteinander vermischt, sondern auf den jeweiligen Fachseiten behandelt.

Kamminke ist heute wieder ein ruhiger Ort am Stettiner Haff

Wer Kamminke heute besucht, erlebt vor allem das Fischerdorf, den kleinen Hafen, das Stettiner Haff und den nahe gelegenen Golm. Die frühere militärische Nutzung ist im normalen Ortsbild deutlich weniger präsent.

Den heutigen Ort behandeln wir deshalb getrennt von der Militärgeschichte auf unserer Seite Kamminke auf Usedom .

Wie der sowjetische Standort Garz und Kamminke rekonstruiert wird

Die Rekonstruktion beruht auf der Kombination unterschiedlicher Quellen. Dazu gehören sowjetische Liegenschaftskennungen, Feldpostnummern, militärische Einheiten, Bundesarchivbestände und ergänzende militärhistorische Quellen.

Besonders wichtig ist die zeitliche Trennung. Der Standort veränderte seine Funktion mehrfach. Fliegerverbände der unmittelbaren Nachkriegszeit, Panzertruppen und spätere Nachrichtennutzung gehören deshalb nicht automatisch in dieselbe organisatorische Struktur.

Liegenschaften RK 026 und RK 026-01
Feldpost Unter anderem FPN 86950 und FPN 45857
Bundesarchiv Bestände zu WGT/GSSD und sowjetischen Feldpostnummern
Zeitzeugen Ergänzende Hinweise werden von archivisch belegten Angaben getrennt ausgewiesen
Wo eine Einheit oder Standortzuordnung bislang nur durch Zeitzeugenüberlieferungen gestützt wird, kennzeichnen wir das ausdrücklich. Aus einem plausiblen Hinweis wird nicht automatisch eine gesicherte Tatsache.

Garz und Kamminke waren über Jahrzehnte ein Militärraum mit wechselnden Funktionen

Die Geschichte reicht von sowjetischen Jagdfliegern unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg über Panzertruppen bis zur späteren Nachrichtennutzung. Gerade diese Veränderungen machen den Standort historisch komplex.

Gleichzeitig darf die sowjetische Nutzung nicht mit dem späteren NVA-Flugplatz oder der DDR-Grenzsicherung gleichgesetzt werden. Erst die getrennte Betrachtung der einzelnen Zeiträume zeigt, welche Einheiten und Organisationen tatsächlich in Garz und Kamminke tätig waren.

Sowjetische Truppen in Garz und Kamminke
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