Sowjetische Truppen in Peenemünde
Nach Kriegsende wurde Peenemünde von sowjetischen Truppen übernommen
Im Mai 1945 begann für Peenemünde eine neue militärische Phase. Sowjetische Truppen sicherten die ehemaligen Versuchsanstalten, werteten technische Anlagen und Unterlagen aus und organisierten Demontagen sowie Materialabtransporte. Später wurde der Flugplatz wiederhergestellt und von mehreren sowjetischen Jagdfliegerregimentern genutzt.
Was geschah mit Peenemünde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs?
Mit der Einnahme Usedoms im Frühjahr 1945 endete die Geschichte der nationalsozialistischen Versuchsanstalten. Gleichzeitig begann die sowjetische Nachkriegsphase des Standortes.
Für die sowjetischen Stellen waren vor allem die technische Infrastruktur, vorhandene Anlagen, Maschinen, Unterlagen und militärische Technik von Interesse. Peenemünde wurde deshalb zunächst gesichert und systematisch untersucht.
In den folgenden Jahren veränderte sich die Funktion des Standortes. Aus dem ehemaligen deutschen Versuchs- und Erprobungszentrum entwickelte sich später wieder ein militärisch genutzter Flugplatz.
Im Mai 1945 übernahmen sowjetische Truppen Peenemünde
Nach dem Ende der Kampfhandlungen wurden die militärischen Anlagen in Peenemünde von sowjetischen Kräften besetzt und gesichert.
Das Gelände war zu diesem Zeitpunkt kein gewöhnlicher Flugplatz. In Peenemünde befanden sich umfangreiche technische Einrichtungen, Werkstätten, Prüfstände, Gebäude und weitere Infrastruktur der ehemaligen deutschen Versuchsanstalten.
Für die sowjetische Seite begann deshalb unmittelbar nach der Besetzung eine Phase der technischen Untersuchung und Bestandsaufnahme.
Die technischen Anlagen wurden systematisch untersucht
Peenemünde war für sowjetische Fachleute vor allem wegen der dort entwickelten und erprobten Militärtechnik interessant.
Sowjetische Fachkommissionen untersuchten technische Einrichtungen, vorhandenes Material und Unterlagen. Dabei ging es darum, Kenntnisse über die deutsche Entwicklungsarbeit zu gewinnen und technisch verwertbare Einrichtungen zu erfassen.
Diese Phase gehört unmittelbar in die Nachgeschichte der ehemaligen Versuchsanstalten, darf aber nicht mit deren Betrieb während der nationalsozialistischen Zeit gleichgesetzt werden.
Anlagen wurden demontiert und Material abtransportiert
Zur sowjetischen Nutzung der ersten Nachkriegsjahre gehörte auch die Demontage technischer Anlagen.
Maschinen, technische Einrichtungen und weiteres Material wurden erfasst, ausgebaut und teilweise abtransportiert. Dadurch veränderte sich das Erscheinungsbild des ehemaligen Versuchsstandortes erheblich.
Die Demontagen waren Teil einer größeren sowjetischen Auswertung deutscher Militär- und Rüstungstechnik nach dem Zweiten Weltkrieg.
Der Flugplatz Peenemünde wurde wiederhergestellt
Nach der ersten Phase aus Besetzung, technischer Auswertung und Demontage entwickelte sich Peenemünde erneut zu einem aktiven Militärflugplatz.
Der Flugplatz wurde wiederhergestellt und anschließend durch sowjetische Fliegerverbände genutzt.
Damit begann eine zweite sowjetische Phase, die sich deutlich von der unmittelbaren Nachkriegsnutzung unterschied. Der Schwerpunkt lag nun nicht mehr auf der Auswertung der ehemaligen deutschen Versuchsanstalten, sondern auf dem militärischen Flugbetrieb.
Mehrere sowjetische Jagdfliegerregimenter nutzten Peenemünde
Für die sowjetische Flugplatzphase lassen sich mehrere Verbände belastbar beziehungsweise stark belegt mit Peenemünde verbinden.
57. Garde-Jagdfliegerregiment
Das Regiment gehört zu den für Peenemünde stark belegten sowjetischen Fliegerverbänden.
101. Garde-Jagdfliegerregiment
Auch dieses Garde-Jagdfliegerregiment ist für den Standort Peenemünde stark belegt.
43. Jagdfliegerregiment
Für das 43. Jagdfliegerregiment ist eine Nutzung Peenemündes ab 1949 stark belegt.
314. Jagdfliegerregiment
Das Regiment kam 1952 aus Garz nach Peenemünde und blieb dort bis 1960.
Für 1954 ist außerdem eine Ausbildungs- beziehungsweise Umschulungsphase des 87. Garde-Regiments im Zusammenhang mit Peenemünde überliefert. Der Verband wurde später mit Garz verbunden.
Die Vorgeschichte der Einheit in Garz findest Du auf Sowjetische Truppen in Garz und Kamminke .
Nicht jeder organisatorisch verbundene Verband lag auf Usedom
Bei der Rekonstruktion sowjetischer Fliegerverbände reicht es nicht aus, nur die organisatorische Zugehörigkeit einer Einheit zu betrachten. Entscheidend ist der tatsächlich belegte Standort.
Ein Beispiel ist das 575. Garde-Jagdfliegerregiment. Der Verband ist für den größeren militärischen Zusammenhang relevant, war aber in Kołobrzeg beziehungsweise Bagicz stationiert.
Karlshagen gehörte zur sowjetischen Nutzung des Peenemünder Militärraums
Auch Karlshagen spielte während der sowjetischen Nachkriegsnutzung eine Rolle. Dort bestanden Unterkunfts- und Versorgungsfunktionen im Zusammenhang mit dem Peenemünder Komplex.
Nach dem derzeitigen Forschungsstand gibt es jedoch keinen ausreichenden Beleg dafür, Karlshagen als eigenständige sowjetische Garnison neben Peenemünde zu behandeln.
Nach der sowjetischen Phase wurde Peenemünde ein bedeutender DDR-Militärstandort
Die sowjetische Nutzung ist nur eine Phase der Nachkriegsgeschichte Peenemündes. Später entwickelte sich der Standort zu einem wichtigen Militärkomplex der DDR.
Dazu gehörten Einrichtungen der Volksmarine und der Luftstreitkräfte. Diese späteren Nutzungen werden bewusst von der sowjetischen Geschichte getrennt.
Die sowjetische Phase Peenemündes im Überblick
Wie die sowjetische Nachkriegsgeschichte Peenemündes rekonstruiert wird
Für die sowjetische Phase müssen mehrere Arten von Quellen miteinander verbunden werden. Dazu gehören Unterlagen zur Besetzung und Demontage, Angaben zu sowjetischen Fliegerverbänden, Feldpost- und Standortdaten sowie militärhistorische Fachliteratur.
Besonders bei Fliegerverbänden ist eine saubere Trennung zwischen organisatorischer Zugehörigkeit und tatsächlichem Stationierungsort wichtig. Ein Regiment wird nur dann als Peenemünder Einheit bezeichnet, wenn der Standort entsprechend belegt ist.
Die Zugehörigkeit zu einem Verband allein beweist noch keine Stationierung in Peenemünde.
Einheiten wechselten zwischen Garz, Peenemünde und anderen Flugplätzen.
Demontage und technische Auswertung sind nicht dasselbe wie der spätere Flugbetrieb.
Volksmarine und NVA-Jagdflieger gehören organisatorisch nicht zur sowjetischen Standortgeschichte.
Peenemünde im militärhistorischen Zusammenhang
Peenemünde blieb auch nach 1945 ein bedeutender Militärstandort
Das Ende der deutschen Versuchsanstalten bedeutete nicht das Ende der militärischen Nutzung. Zunächst standen technische Auswertung, Demontage und Materialabtransport im Mittelpunkt. Später wurde der Flugplatz wieder für den militärischen Flugbetrieb genutzt.
Die sowjetische Phase bildet damit das Bindeglied zwischen dem Peenemünde der NS-Zeit und dem späteren DDR-Militärstandort. Gerade deshalb müssen diese drei Epochen klar voneinander getrennt betrachtet werden.