Vogelzug auf Usedom
Vogelzug zwischen Ostsee, Peenestrom und Haff
Im Frühjahr und Herbst ziehen große Mengen Vögel über Usedom und die angrenzenden Küstenlandschaften. Die Insel liegt zwischen Ostsee, Peenestrom, Achterwasser und Stettiner Haff und damit an mehreren bedeutenden Zuglinien. Besonders auffällig sind nordische Gänse, Kraniche, Schwäne, Watvögel und verschiedene Wasservögel. Wann und wo sich größere Trupps beobachten lassen, hängt allerdings stark von Witterung, Wind, Wasserständen und Nahrungsangebot ab.
Warum Usedom für den Vogelzug so wichtig ist
Usedom liegt an der südlichen Ostseeküste und unmittelbar an der Odermündung. Ostsee, Greifswalder Bodden, Peenestrom, Achterwasser, Stettiner Haff und die Feuchtgebiete des Peenetals bilden einen großräumigen Verbund aus Wasserflächen, Flachwasserzonen, Röhrichten, Inseln, Poldern und offenen Agrarlandschaften.
Der Naturpark Insel Usedom weist darauf hin, dass sich auf der Insel mehrere stark genutzte Leitlinien des Vogelzuges kreuzen. Während der Zugzeiten erreichen deshalb zehntausende nordische Gänse und andere Zugvögel die Region.
Eine besondere Bedeutung besitzen die europäischen Vogelschutzgebiete Greifswalder Bodden mit Peenemünder Haken, Peenestrom und Achterwasser sowie Kleines Haff.
Einen allgemeinen Überblick über geeignete Beobachtungsgebiete findest Du unter Vogelbeobachtung auf Usedom.
Durchzug, Rast und Überwinterung sind nicht dasselbe
Nicht jeder Vogel, der während der Zugzeit auf Usedom beobachtet wird, zieht gerade sichtbar über die Insel. Viele Arten unterbrechen ihre Reise und bleiben für Stunden, Tage oder sogar Wochen in geeigneten Rastgebieten.
Wann ist Vogelzug auf Usedom?
Vogelzug findet nicht nur an wenigen einzelnen Tagen statt. Je nach Art beginnt der Frühjahrszug bereits im Spätwinter und reicht bis weit in das Frühjahr. Im Spätsommer setzt anschließend der Wegzug der ersten Arten ein, bevor der Herbstzug im September, Oktober und November deutlich sichtbar wird.
Die folgende Übersicht ist deshalb keine Garantie für bestimmte Arten, sondern eine Orientierung.
Für die kalte Jahreszeit gibt es zusätzlich die eigene Seite Wintervögel auf Usedom.
Welche Zugvögel kann man auf Usedom beobachten?
Das Artenspektrum verändert sich im Laufe der Zugperiode ständig. Einige Vogelgruppen fallen durch große Schwärme auf, andere ziehen einzeln oder in kleinen Trupps und werden leicht übersehen.
Gute Gebiete für den Vogelzug rund um Usedom
Es gibt nicht den einen Platz, an dem sich der gesamte Vogelzug beobachten lässt. Unterschiedliche Artengruppen nutzen unterschiedliche Lebensräume.
Geeignete erhöhte Beobachtungsplätze haben wir unter Vogelbeobachtungstürme und Aussichtspunkte zusammengefasst.
Peenemünder Haken als Trittstein des Vogelzuges
Das Gebiet Peenemünder Haken, Struck und Ruden gehört zu den wichtigsten Vogelräumen im Norden Usedoms. Ausgedehnte Flachwasserbereiche und Windwatten bieten Wasser- und Watvögeln Möglichkeiten zur Rast und Nahrungssuche.
Am Peenemünder Haken beteiligt sich die NABU-Regionalgruppe seit 1994 an systematischen Zählungen. Die langjährige Datenreihe dokumentiert die Bedeutung des Gebietes als Trittstein des Vogelzuges.
Große Teile des Schutzgebietes sind nicht frei zugänglich. Beobachtet wird deshalb ausschließlich von öffentlich freigegebenen Bereichen.
Die eigene Gebietsseite entsteht unter Peenemünder Haken: Vogelbeobachtung und Natur.
Gänsezug auf Usedom
Gänse gehören zu den auffälligsten Zugvögeln der Region. Um ihre Rastbestände langfristig vergleichen zu können, finden deutschlandweit standardisierte Zählungen statt. Auf Usedom und im angrenzenden Peenetal wird jeweils Mitte September, November, Januar und März gezählt.
Im September liegt der Schwerpunkt vor allem auf Graugänsen. Die nordischen Arten Blässgans, Tundra- und Waldsaatgans sowie Weißwangengans treffen normalerweise später ein. Nach den langjährigen Erfahrungen des NABU Usedom beginnt ihr stärkerer Einflug häufig im Oktober.
Der tatsächliche Zeitpunkt verändert sich jedoch von Jahr zu Jahr. Mildes Wetter kann den Einflug verzögern, starke Kälteeinbrüche können dagegen kurzfristig größere Zug- oder Winterfluchtbewegungen auslösen.
Warum einzelne Zählungen keine festen Bestandszahlen liefern
Bei der Mittwinterzählung 2026 wurden in den bearbeiteten Zählgebieten 9.685 Gänse erfasst. 2025 waren es 23.004 und 2024 14.844.
Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass der Gänsebestand innerhalb eines Jahres entsprechend eingebrochen oder gestiegen ist. Der NABU dokumentierte Anfang 2026 erhebliche witterungsbedingte Zug- und Winterfluchtbewegungen. Das Thurbruch war zeitweise sogar gänseleer.
Kranichzug rund um Usedom
Kraniche leben nicht nur während des Zuges in der Region. Es gibt auch Brutvögel und inzwischen zunehmend einzelne Überwinterungsversuche. Im Herbst kommen jedoch zusätzliche Vögel aus nördlicheren Brutgebieten hinzu.
Besonders das Peenetal und offene Agrarlandschaften südwestlich von Usedom können während des Herbstzuges größere Rastgruppen aufnehmen. Eine NABU-Exkursion Anfang Oktober 2024 dokumentierte beispielsweise mehrere hundert Kraniche auf abgeernteten Flächen im südlichen Peenetal.
Solche Beobachtungen dürfen aber nicht als dauerhaft nutzbarer fester Standort verstanden werden. Rastgruppen reagieren auf Ernte, Wasserstände, Störungen und Nahrungsangebot.
Das Thema behandeln wir deshalb gesondert unter Kraniche auf Usedom.
Watvögel an Windwatten und Poldern
Watvögel benötigen flache Wasserbereiche, Schlickflächen und feuchte Böden, auf denen sie Nahrung aufnehmen können. Solche Bedingungen entstehen rund um Usedom unter anderem an Windwatten, Poldern und flachen Uferzonen.
Der Naturpark Insel Usedom hebt insbesondere die Windwatten am Peenemünder Haken als Rastgebiet für Wasser- und Watvögel hervor.
Je nach Jahreszeit können beispielsweise Kiebitze, Bekassinen, Alpenstrandläufer, Regenpfeifer und verschiedene Wasserläufer auftreten.
Vogelzug über der Ostsee beobachten
Auch der Strand und die offene Ostsee gehören zu den Beobachtungsräumen. Der NABU Usedom empfiehlt für Vogelbeobachtung an der Küste besonders die Zeiten außerhalb der Sommersaison. Im Winter und während der Zugzeiten lassen sich mit geeigneter Optik sowohl rastende als auch vorbeiziehende Vögel beobachten.
Die Pommersche Bucht nördlich und nordöstlich von Usedom gehört zu den bedeutenden Rast- und Überwinterungsgebieten für Seevögel in der Ostsee. Besonders Meeresenten nutzen die großräumigen Flachwasserbereiche und Sandbänke.
Vom Land aus bleiben viele dieser Vögel weit entfernt. Für Beobachtungen über der offenen See ist ein Spektiv deshalb deutlich besser geeignet als ausschließlich ein Fernglas.
Gute öffentliche Sichtachsen gibt es entlang der Außenküste sowie auf polnischer Seite beispielsweise im Bereich der Westmole von Świnoujście und an erhöhten Küstenpunkten auf Wolin.
Vogelzug im Świna-Delta und auf Wolin
Der Naturraum endet nicht an der deutsch-polnischen Grenze. Das Świna-Delta verbindet das Stettiner Haff mit der Pommerschen Bucht und besteht aus Wasserarmen, Inseln, Röhrichten, Feuchtwiesen und ausgedehnten Flachwasserbereichen.
Damit ergänzt die polnische Seite die Rast- und Zuggebiete rund um Usedom unmittelbar. Für Besucher sind vor allem öffentlich zugängliche Aussichtspunkte und Wege interessant.
Mehr dazu findest Du unter Vogelbeobachtung auf Wolin sowie auf der geplanten Detailseite zum Vogelreservat Karsiborska Kępa.
Warum der Vogelzug jedes Jahr anders aussieht
Vogelzug folgt keinem festen Veranstaltungskalender. Schon wenige Tage Unterschied bei Temperatur, Windrichtung und Niederschlag können dafür sorgen, dass große Trupps früher, später oder auf einer anderen Route eintreffen.
Zusätzlich verändern Wasserstände und Vereisung die Rastmöglichkeiten. Im Winter 2026 führten starke Frostperioden rund um Usedom beispielsweise zu deutlichen Verlagerungen und Winterfluchtbewegungen bei verschiedenen Wasservogelarten.
Kann Flugrichtung, Flughöhe und Konzentration sichtbarer Zugbewegungen beeinflussen.
Kälteeinbrüche können kurzfristig starke Abwanderungen auslösen.
Bestimmen mit, welche Flachwasser- und Schlammflächen für Watvögel nutzbar sind.
Erntezeitpunkt und vorhandene Erntereste beeinflussen die Nahrungsflächen von Gänsen und Kranichen.
Vogelzug beobachten, ohne Schwärmen hinterherzufahren
Große Zugvogeltrupps bewegen sich ständig. Deshalb ist es meist sinnvoller, einen guten öffentlich zugänglichen Beobachtungsplatz zu wählen und dort längere Zeit zu bleiben.
Rast bedeutet Energie sparen
Zugvögel nutzen Rastplätze, um Energiereserven aufzubauen. Wiederholtes Auffliegen kostet genau diese Energie und kann besonders bei großen Schwärmen erhebliche Auswirkungen haben.
Vögel nicht für Fotos oder bessere Sicht zum Auffliegen bringen.
Feuchtwiesen, Polder, Windwatten und geschützte Uferbereiche nicht betreten.
Gerade morgens und abends reagieren große Ansammlungen empfindlich auf Störungen.
Nicht jeder interessante Vogelraum ist öffentlich zugänglich.
Ein Spektiv ist die bessere Lösung, wenn sich Vögel weit entfernt aufhalten.
Informationen zu Schutzgebieten findest Du unter Naturschutzgebiete auf Usedom und Naturpark Insel Usedom.
Vogelbeobachtung rund um Usedom
Fachliche Grundlagen
Häufige Fragen zum Vogelzug auf Usedom
Besonders interessant sind Frühjahr und Herbst. Der Herbstzug ist vor allem im September, Oktober und November auffällig. Der genaue Verlauf verändert sich jedoch mit Art und Wetterlage.
Graugänse werden bereits im September systematisch erfasst. Blässgänse, Saatgänse und Weißwangengänse treffen gewöhnlich später ein, häufig ab Oktober.
Geeignet sind unter anderem Peenestrom, Achterwasser, Polder im Peenetal, Thurbruch, Peenemünder Haken, Stettiner Haff und die offene Ostseeküste. Welche Region am besten ist, hängt von der gesuchten Artengruppe ab.
Ja. Besonders außerhalb der Sommersaison lassen sich von der Außenküste rastende und vorbeiziehende Seevögel beobachten. Ein Spektiv ist dabei sehr hilfreich.
Kraniche sind auch Brutvögel der Region. Zusätzliche Durchzügler und größere Rastgruppen treten vor allem im Herbst auf. Eine eigene Seite behandelt das Thema ausführlich.
Nein. Wetter, Wasserstände, Ernte, Nahrungsangebot und Störungen können dazu führen, dass sich größere Vogeltrupps räumlich verlagern.
Nein. Viele Zugvögel rasten für längere Zeit in der Region oder verbringen hier den Winter. Rast, Durchzug und Überwinterung müssen deshalb unterschieden werden.
Der Herbst ist besonders auffällig, aber Vogelzug beginnt viel früher
Große Gänseschwärme im Oktober machen den Vogelzug auf Usedom besonders sichtbar. Tatsächlich läuft das Geschehen aber über viele Monate. Watvögel können bereits im Spätsommer ziehen, im Herbst folgen zahlreiche nordische Arten und im Frühjahr beginnt der Rückweg in die Brutgebiete.
Wer nicht einer einzelnen Art hinterherfahren möchte, sucht sich am besten einen guten öffentlichen Aussichtspunkt an Peenestrom, Achterwasser, Peenetal oder Ostseeküste und beobachtet die Landschaft für längere Zeit.