Wintervögel auf Usedom
Vogelbeobachtung auf Usedom im Winter
Wenn die Badesaison vorbei ist, beginnt für Vogelbeobachter eine besonders interessante Zeit. Singschwäne, nordische Gänse, Bergenten, Eisenten, Trauerenten, Säger und andere Wasservögel nutzen Ostsee, Peenestrom, Achterwasser und Stettiner Haff als Rast- und Überwinterungsgebiete. Welche Arten wo zu sehen sind, hängt stark von Frost, Eis, Wind und Nahrungsangebot ab.
Warum Usedom im Winter für Vögel so wichtig ist
Usedom liegt zwischen mehreren großen Gewässersystemen. Zur offenen Ostsee kommen Peenestrom, Achterwasser und Stettiner Haff sowie zahlreiche Seen, Polder und Feuchtgebiete.
Im Winter nutzen Vögel aus Nord- und Osteuropa diese Landschaften als Rast- und Nahrungsgebiet. Einige Arten verbringen mehrere Monate in der Region, andere ziehen je nach Wetter weiter nach Westen.
Besonders wichtig ist die Pommersche Bucht nördlich und nordöstlich von Usedom. Sie gehört nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz zu den fünf wichtigsten Überwinterungsgebieten für Seevögel in der gesamten Ostsee.
Die Wintervogelwelt ist dabei keineswegs jedes Jahr gleich. Ein milder Winter kann völlig andere Verteilungen hervorbringen als ein Winter mit länger anhaltendem Frost.
Einen Überblick über Vogelbeobachtung zu allen Jahreszeiten findest Du unter Vogelbeobachtung auf Usedom.
Ein Eiswinter veränderte die Vogelwelt innerhalb weniger Tage
Der Winter 2025/2026 zeigt besonders deutlich, wie dynamisch das Geschehen ist. Nach einem zunächst milden Spätherbst setzte kurz vor Weihnachten Frost ein. Anfang Januar folgte eine längere Kälteperiode.
Zum Zählwochenende am 17. und 18. Januar 2026 waren alle Binnenseen, die Peenepolder, das Stettiner Haff, das Achterwasser und große Teile des Peenestroms vereist.
Die Ostsee blieb dagegen eisfrei. Viele Wasservögel verlagerten sich deshalb an die Außenküste oder verließen die Region vollständig.
Genau deshalb dürfen einzelne Winterzählungen nicht als feste Bestandszahlen gelesen werden.
Welche Wintervögel kann man auf Usedom beobachten?
Besonders auffällig sind die großen Wasservogelbestände. Daneben verbringen aber auch Greifvögel, Watvögel, Drosseln, Finken und andere Singvögel den Winter auf Usedom.
Gute Gebiete für Wintervögel auf Usedom
Welcher Standort am besten ist, hängt von Wetter und Vereisung ab. Im milden Winter können Achterwasser und Haff große Bestände beherbergen. Bei strengem Frost verschiebt sich das Geschehen häufig Richtung Ostsee.
Geeignete erhöhte Standorte findest Du unter Vogelbeobachtungstürme und Aussichtspunkte.
Im Eiswinter wird die Ostseeküste besonders wichtig
Die Mittwinterzählung 2026 zeigte eine klare Verschiebung zur Außenküste. Während viele Binnengewässer und innere Küstengewässer zugefroren waren, blieb die Ostsee offen.
Die höchsten Einzelzahlen wurden deshalb am Peenemünder Haken und entlang der Außenküste registriert.
Mehr zum wichtigsten nördlichen Gebiet findest Du unter Peenemünder Haken: Vogelbeobachtung und Natur.
Viele Wintervögel bleiben weit draußen auf der Ostsee
Nicht alle Wintervögel lassen sich vom Strand aus gut beobachten. Besonders Meeresenten können sich viele Kilometer vor der Küste aufhalten.
Die Pommersche Bucht gehört zu den fünf wichtigsten Nahrungs-, Rast- und Überwinterungsgebieten für Seevögel in der gesamten Ostsee. Das Bundesamt für Naturschutz nennt unter anderem Eisenten, Trauerenten, Samtenten, Seetaucher und verschiedene Lappentaucher als charakteristische Arten.
Große Bereiche der Pommerschen Bucht bleiben auch in kalten Wintern eisfrei. Gleichzeitig bieten Sandbänke, Muschelbestände und andere Nahrungsgründe gute Voraussetzungen für überwinternde Seevögel.
Nordische Schwäne gehören zum Usedomer Winter
Der Singschwan ist einer der charakteristischsten Wintergäste der Region. Größere Gruppen nutzen Gewässer und Polder als Ruhebereiche und suchen tagsüber auch in der Agrarlandschaft nach Nahrung.
Bei der Mittwinterzählung 2026 wurden im gesamten Untersuchungsgebiet 598 Singschwäne erfasst. Das waren etwas mehr als 2025 mit 566 und 2024 mit 429 Tieren.
Größere Rastgruppen wurden 2026 am Peenemünder Haken und am nördlichen Peenestrom registriert.
Bergente, Eisente und Trauerente
Unter den vielen Entenarten fallen im Winter besonders jene Arten auf, die aus nördlicheren Brutgebieten an die südliche Ostsee ziehen.
Ihre Verteilung unterscheidet sich erheblich. Bergenten können große Schwärme auf Peenestrom und Küstengewässern bilden. Eisenten und Trauerenten halten sich dagegen häufig auf der offenen Ostsee auf.
17.256 Bergenten bedeuten keine Bestandszunahme
Die Bergente liefert das beste Beispiel dafür, warum einzelne Winterzahlen erklärt werden müssen.
Bei der Mittwinterzählung 2024 wurden 1.198 Bergenten registriert, 2025 waren es 1.691 und 2026 plötzlich 17.256.
Der NABU erklärt die hohe Zahl ausdrücklich mit einer räumlichen Verlagerung. Große Rastbestände aus dem Bereich Struck, Greifswalder Bodden und Strelasund konnten dort wegen der Eisverhältnisse ihre üblichen Gebiete nicht nutzen.
Viele Bergenten wichen deshalb in die noch weitgehend eisfreie Peenemündung und an die Außenküste Usedoms aus.
Eisenten und Trauerenten sind oft nur mit dem Spektiv zu sehen
Eisenten treten besonders im Inselnorden auf der offenen Ostsee auf. Bei der Mittwinterzählung 2026 wurden 1.605 Tiere registriert.
Bei den Trauerenten waren es 2.190. Die Zahlen lagen damit ähnlich wie 2024 und 2025.
Die tatsächliche Zahl vor Usedom kann deutlich höher sein als die vom Land aus erfassbare Menge. Beide Arten halten sich teilweise weit vor der Küste auf.
Wer solche Meeresenten beobachten möchte, braucht deshalb gute Sicht und möglichst ein Spektiv.
Gänsesäger reagieren schnell auf Eis
Gänsesäger gehören zu den auffälligen Wintervögeln auf Haff, Achterwasser und Peenestrom. Als Fischjäger benötigen sie offene Wasserflächen.
Bei längerer Vereisung können sie deshalb sehr schnell abwandern.
Anfang 2026 mussten die traditionellen Rastgebiete an Stettiner Haff und Achterwasser wegen des Eises weitgehend geräumt werden. Einige Gänsesäger wichen auf die Ostsee aus, ein großer Teil zog weiter nach Westen.
Der NABU nennt das niederländische IJsselmeer als wichtiges weiter westlich gelegenes Überwinterungsgebiet.
Auch Gänsebestände verändern sich mit dem Wetter
Graugänse, Blässgänse, Saatgänse und Weißwangengänse gehören zu den wichtigen Wintergästen der Region.
Bei der Mittwinterzählung 2026 wurden insgesamt 9.685 Gänse erfasst. 2025 waren es 23.004 und 2024 14.844.
Auch daraus darf keine lokale Bestandsentwicklung abgeleitet werden. Besonders Blässgänse und Weißwangengänse reagieren auf strenge Winterbedingungen mit großräumigen Verlagerungen.
Anfang 2026 war das Thurbruch nach Angaben des NABU über mehrere Wochen sogar weitgehend gänseleer.
Mehr über saisonale Bewegungen findest Du unter Vogelzug auf Usedom.
Seeadler gehören auch im Winter zum Landschaftsbild
Seeadler leben ganzjährig in der Region. Im Winter können zusätzlich junge und nicht ortsgebundene Vögel aus einem größeren Einzugsgebiet auftreten.
Bei der Mittwinterzählung 2026 wurden 80 Seeadler in den bearbeiteten Gebieten gezählt. 2025 waren es 115 und 2024 97.
Diese Zahlen sind weder die Zahl der Brutpaare noch der vollständige Bestand auf Usedom. Sie zeigen lediglich die Anzahl der während der jeweiligen Mittwinterzählung erfassten Individuen.
Im Winter folgen Seeadler dem Nahrungsangebot. Wasservogelkonzentrationen und verendete Tiere können dabei eine wichtige Rolle spielen.
Mehr zur Art findest Du unter Seeadler auf Usedom.
Überwinternde Kraniche bleiben vom Wetter abhängig
Auch Kraniche versuchen zunehmend in Norddeutschland zu überwintern. Rund um Usedom ist dieses Verhalten ebenfalls zu beobachten.
Wie stark die Überwinterung vom Wetter abhängt, zeigt der Vergleich der Mittwinterzählungen. 2025 wurden 220 Kraniche erfasst, 2026 unter den deutlich strengeren Bedingungen nur 19.
Mehr dazu findest Du auf unserer Seite Kraniche auf Usedom.
Wintervögel in Wald, Offenland und Ortschaften
Winterbeobachtung auf Usedom findet nicht nur am Wasser statt. Die Wintervogelzählung der NABU Regionalgruppe untersucht auch Wald, Offenland und Siedlungsbereiche.
2026 wurden auf zehn Zählstrecken insgesamt 13.192 Vögel aus 60 Arten erfasst. Besonders vertreten waren Krähenvögel, Meisen, Finken und Drosseln.
Wacholderdrosseln konzentrierten sich dort, wo noch ausreichend beerentragende Gehölze vorhanden waren. Amseln wichen bei den strengen Bedingungen verstärkt in Ortschaften aus, wo Gärten, Fallobst, Kompost und Futterstellen zusätzliche Nahrung boten.
Auch einzelne Greifvögel bleiben im Winter auf der Insel. Dazu gehören Mäusebussard, Sperber, Seeadler und inzwischen regelmäßig auch einzelne Rotmilane.
Was die Mittwinterzählung tatsächlich aussagt
Die internationale Mittwinterzählung der Wasservögel findet jedes Jahr im Januar statt. Rund um Usedom werden 16 international festgelegte Zählgebiete auf der Insel, am angrenzenden Festland, am Peenestrom und im Peenetal bearbeitet.
Ziel ist nicht, jeden Vogel der Region zu erfassen. Entscheidend ist eine möglichst standardisierte Wiederholung, damit langfristige Veränderungen und großräumige Verschiebungen erkannt werden können.
Ausgewählte Wintervögel im Januar 2026
Wintervögel beobachten
Im Winter ist die Sicht häufig besser als im Sommer. Laub fehlt, Strände sind ruhiger und große Wasservogeltrupps fallen schnell auf.
Aussichtspunkte statt Annäherung
Besonders bei großen Rastvogelgruppen ist Abstand wichtig. Aussichtstürme und öffentliche Uferbereiche ermöglichen Beobachtungen, ohne die Vögel aus ihren Ruheflächen zu vertreiben.
Rund um Usedom sind unter anderem der Beobachtungsturm südlich der Zecheriner Brücke, die Polder des Peenetals sowie öffentliche Küstenbereiche geeignete Ausgangspunkte.
Die vollständige Übersicht findest Du unter Vogelbeobachtungstürme auf Usedom und Umgebung.
Im Winter kostet jede Störung Energie
Für Vögel ist Winter keine Ruhezeit. Niedrige Temperaturen erhöhen den Energiebedarf, während Nahrung gleichzeitig schwerer erreichbar sein kann.
Werden rastende Wasservögel immer wieder aufgescheucht, müssen sie zusätzliche Energie für den Flug verbrauchen.
Große Rasttrupps nicht für Fotos oder eine bessere Sicht zum Auffliegen bringen.
Gesperrte Ufer, Windwatten, Röhrichte und Polder nicht betreten.
Fernglas und Spektiv sind besser als die Annäherung an einen Vogeltrupp.
Rastende Vögel dürfen nicht durch freilaufende Hunde aufgescheucht werden.
Zugefrorene Gewässer bleiben Lebensraum und können zusätzlich gefährlich sein.
Informationen zu geschützten Gebieten findest Du unter Naturschutzgebiete auf Usedom.
Vogelbeobachtung rund um Usedom
Weitere Landschaftsseiten: Achterwasser, Peenestrom und Stettiner Haff.
Fachliche Grundlagen
Häufige Fragen zu Wintervögeln auf Usedom
Typische Wintergäste sind unter anderem Singschwäne, nordische Gänse, Bergenten, Eisenten, Trauerenten, Schellenten und Säger. Hinzu kommen Seeadler, Watvögel, Drosseln, Finken und weitere Arten.
Besonders interessant sind Dezember, Januar und Februar. Einige nordische Gäste treffen bereits im Herbst ein und bleiben bis März oder sogar April.
Das hängt stark von der Vereisung ab. Bei mildem Wetter sind Peenestrom, Achterwasser, Haff und Polder wichtig. Bei strengem Frost verlagern sich viele Arten an die eisfreie Ostseeküste.
Die Gewässer rund um Usedom und besonders die Pommersche Bucht bieten Nahrung und eisfreie Rastflächen für Vögel aus nördlichen und östlichen Brutgebieten.
Nein. Der NABU führt die außergewöhnlich hohe Zahl auf eisbedingte Verlagerungen aus benachbarten Rastgebieten zurück.
Ja. Im Winter nutzen Singschwäne Gewässer, Polder und landwirtschaftliche Flächen der Region. Bei der Mittwinterzählung 2026 wurden 598 Tiere erfasst.
Gänsesäger benötigen offene Gewässer zur Fischjagd. Frieren Haff, Achterwasser und Peenestrom zu, weichen sie an andere Gewässer aus oder ziehen weiter nach Westen.
Ja. Besonders bei Vereisung der inneren Gewässer kann die Außenküste sehr interessant sein. Viele Meeresenten bleiben allerdings weit draußen, weshalb ein Spektiv hilfreich ist.
Nein. Die Mittwinterzählung konzentriert sich auf Wasser- und Rastvögel in festgelegten Gebieten. Die Wintervogelzählung arbeitet auf festen Landstrecken in verschiedenen Lebensräumen. Die Ergebnisse sind nicht direkt miteinander vergleichbar.
Im Winter entscheidet das offene Wasser
Usedom ist auch außerhalb der klassischen Vogelzugzeiten ein bedeutender Vogelraum. Singschwäne, nordische Gänse, Meeresenten, Säger und Seeadler machen den Winter zu einer besonders interessanten Jahreszeit für Vogelbeobachtung.
Wo die größten Ansammlungen zu finden sind, lässt sich aber nicht Monate vorher festlegen. Ein milder Winter verteilt die Vögel anders als eine längere Frostperiode. 2026 zeigte das besonders deutlich, als die Vereisung vieler Binnen- und Küstengewässer große Teile der Wasservogelbestände an die offene Ostseeküste und zur Peenemündung verlagerte.
Wer aktuelle Bedingungen berücksichtigt, einen guten öffentlichen Beobachtungspunkt wählt und genügend Abstand hält, kann auf Usedom auch mitten im Winter eine außergewöhnlich vielfältige Vogelwelt erleben.