Bockwindmühle Pudagla - Geschichte, Technik und Besuch
Die Bockwindmühle Pudagla gehört zu den auffälligsten historischen Bauwerken im Usedomer Achterland. Auf einer kleinen Anhöhe südlich des Ortes steht die dunkle Holzmühle weithin sichtbar über der Landschaft.
Bockwindmühle Pudagla: Die wichtigsten Informationen
Wenn Du auf der B111 von der Stadt Usedom in Richtung Ückeritz fährst, kannst Du die Mühle bereits von der Straße aus erkennen. Ein kurzer Halt lohnt sich, denn hinter der markanten Außenansicht verbirgt sich eine funktionsfähige historische Mühlentechnik.
Die Bockwindmühle wurde 1937 stillgelegt, in den 1990er-Jahren umfassend restauriert und anschließend wieder in Betrieb genommen. Heute kümmert sich der Verein Freunde der Bockwindmühle Pudagla um den Erhalt, die Besichtigungen und die Veranstaltungen auf dem Mühlenberg.

Wie alt ist die Bockwindmühle Pudagla?
Das genaue Alter der Bockwindmühle ist nicht abschließend belegt. Der Standort wird erstmals im Jahr 1673 in der Ortschronik von Pudagla erwähnt.
Auf einer schwedischen Matrikelkarte von 1693 ist an dieser Stelle ebenfalls eine Windmühle eingezeichnet. Damit ist sicher, dass auf dem Mühlenberg bereits seit mehr als 300 Jahren Windkraft zum Mahlen von Getreide genutzt wurde.
Die häufig genannte Jahreszahl 1650 ist eine historische Einordnung, aber keine eindeutig belegte Bauangabe. Bei einer alten Holzmühle wurden zudem im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Balken, Flügel und technische Bauteile ersetzt.
Die Geschichte der Bockwindmühle im Überblick
Der Mahlzwang der Domäne Pudagla
Die Mühle spielte über viele Generationen eine zentrale Rolle für die Versorgung der umliegenden Dörfer. Bis zum Jahr 1810 galt im Einzugsbereich der Domäne Pudagla der sogenannte Mahlzwang.
Die Bauern konnten nicht frei entscheiden, in welcher Mühle sie ihr Getreide verarbeiten ließen. Sie mussten ihr Korn zur zuständigen Mühle in Pudagla bringen.
Für den Müller bedeutete diese Regelung ein festes Einzugsgebiet. Für die Bauern war sie dagegen eine verbindliche Vorgabe der damaligen Grundherrschaft.
Die historische Ausstattung bestand laut Ortschronik aus einem Roggenmahlgang und zwei Grützstampfen. Damit konnten unterschiedliche Getreideprodukte hergestellt werden.
Warum heißt sie Bockwindmühle?
Die Bezeichnung stammt vom hölzernen Untergestell, dem sogenannten Bock. Auf diesem massiven Gestell sitzt das komplette Mühlenhaus.
Bei einer Bockwindmühle wird nicht nur eine Dachkappe in den Wind gedreht. Das gesamte hölzerne Gebäude bewegt sich um einen starken senkrechten Balken, den Hausbaum.
Auf der Rückseite befindet sich der lange Stert. Mit seiner Hilfe wird das Mühlenhaus so gedreht, dass die Flügel möglichst günstig im Wind stehen.
Holzbau und historische Mühlentechnik
Die Mühle ruht traditionell auf einem Unterbau aus Feldsteinen. Hausbaum und Kreuzschwellen bestehen aus kräftigem Eichenholz.
Für die Flügel wurde Lärchenholz verwendet. Weitere Teile bestehen unter anderem aus Kiefer und Pappel. Die Fachwerkkonstruktion des Mühlenhauses wird zu großen Teilen durch Holznägel zusammengehalten.
Die verschiedenen Holzarten erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Belastete Bauteile müssen besonders stabil sein, während andere Teile elastisch oder leichter zu bearbeiten sein müssen.
Damit das Gebäude beweglich bleibt, werden Hausbaum und Sattel regelmäßig gefettet. Auch das Drehen der Mühle gehört zur notwendigen Pflege der Konstruktion.

Stilllegung und Nutzung als Feriendomizil
Im Jahr 1937 wurde der reguläre Mahlbetrieb eingestellt. Damit verlor die Mühle ihre ursprüngliche wirtschaftliche Aufgabe.
Ab 1962 wurde das ungewöhnliche Gebäude als Feriendomizil genutzt. Die Mühle war zeitweise an eine Familie aus Strausberg verpachtet.
Diese Nutzung sorgte zwar dafür, dass das Gebäude nicht vollständig aufgegeben wurde. Sie konnte den zunehmenden Sanierungsbedarf aber nicht dauerhaft auffangen.
Im Jahr 1991 wechselte die Mühle den Eigentümer. Wegen der weiter steigenden Instandsetzungskosten wurde schließlich nach einer langfristigen Lösung für den Erhalt gesucht.
Warum wurde die Mühle für 1 DM verkauft?
Im Jahr 1996 verkaufte der damalige Eigentümer die sanierungsbedürftige Bockwindmühle für den symbolischen Preis von 1 DM an die Gemeinde Pudagla.
Der geringe Kaufpreis sagte nichts über den historischen Wert aus. Entscheidend waren die erheblichen Kosten, die für Sicherung, Demontage, Restaurierung und Wiederaufbau notwendig wurden.
Mit der Übernahme durch die Gemeinde konnten Fördermittel beantragt und die Erhaltung des technischen Denkmals vorbereitet werden.
Restaurierung und Wiederaufbau 1997
Im April 1997 wurde die verbliebene Mühlenkonstruktion vollständig demontiert. Die einzelnen Teile wurden unter Begleitung des Denkmalschutzes nummeriert und dokumentiert.
Verwendbare historische Bauteile kamen zur Restaurierung in eine Fachwerkstatt nach Rahden in Westfalen. Nicht mehr zu rettende Teile mussten nach historischem Vorbild ersetzt werden.
Nach Abschluss der Arbeiten wurde die Mühle auf drei Lastzügen nach Pudagla zurückgebracht und am historischen Standort wieder zusammengesetzt.
Am 25. Oktober 1997 fand die feierliche Wiedereinweihung statt. Im Juli 1998 wurde die Anlage mit einem Mahlgang ergänzt und wieder vollständig funktionsfähig gemacht.
Die Bockwindmühle Pudagla heute
Heute wird die Mühle vom Verein Freunde der Bockwindmühle Pudagla betreut. Die ehrenamtlichen Mitglieder kümmern sich um die historische Technik, die Gebäude und das Gelände.
Bei Besichtigungen kannst Du mehr über die Konstruktion, die frühere Arbeit des Müllers und die Verarbeitung des Getreides erfahren.
An ausgewählten Veranstaltungstagen werden die Flügel bei passenden Windverhältnissen in Bewegung gesetzt. Auch Schaumahlen sind möglich, sofern Wind und technischer Zustand einen sicheren Betrieb erlauben.
Die Einnahmen aus Eintritt und Veranstaltungen werden für den weiteren Erhalt der Mühle verwendet.
Öffnungszeiten der Bockwindmühle Pudagla 2026
Für das Jahr 2026 ist die Mühle voraussichtlich vom 1. Mai bis zum 24. Oktober geöffnet. Da die Betreuung ehrenamtlich erfolgt, solltest Du die Zeiten kurz vor der Anfahrt noch einmal prüfen.
Eintrittspreise
Die Eintrittspreise sind bewusst niedrig gehalten. Das eingenommene Geld wird nach Angaben des Vereins für den Erhalt der historischen Mühle eingesetzt.
Aktionstage und Schaumahlen
Am spannendsten ist ein Besuch während eines Mühlenaktionstages. Dann stehen die historische Technik und das traditionelle Handwerk besonders im Mittelpunkt.
Zum Programm können Mühlenführungen, Schaumahlen bei ausreichendem Wind, regionale Produkte, Kunsthandwerk und Brot aus dem Lehmbackofen gehören.
Für den restlichen Jahresverlauf 2026 sind unter anderem der Tag des offenen Denkmals am 13. September und das Erntedankfest am 3. Oktober angekündigt. Prüfe den aktuellen Veranstaltungsplan bitte noch einmal vor Deiner Anfahrt.
Wie kommt man zur Bockwindmühle Pudagla?
Die Bockwindmühle liegt auf dem Mühlenberg südlich von Pudagla. Von der B111 führt eine kurze Zufahrt in Richtung Mühlengelände.
Aus Richtung Stadt Usedom siehst Du die Mühle auf der Fahrt nach Ückeritz auf der rechten Seite. Aus Richtung der Kaiserbäder erreichst Du den Standort ebenfalls über die B111.
Was solltest Du bei der Besichtigung beachten?
Die Bockwindmühle ist ein historisches technisches Denkmal und kein moderner Museumsneubau. Im Inneren erwarten Dich enge Bereiche, steile Zugänge und massive Holzbalken.
Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit sollten sich vor dem Besuch beim Verein erkundigen, welche Bereiche erreichbar sind. Eine detaillierte offizielle Beschreibung zur Barrierefreiheit liegt derzeit nicht vor.
Auch mit kleinen Kindern solltest Du im Inneren aufmerksam bleiben. Historische Technik, Treppen und bewegliche Bauteile dürfen nur nach Anweisung berührt werden.
Wie viel Zeit solltest Du einplanen?
Für einen normalen Rundgang musst Du keinen ganzen Urlaubstag reservieren. Als kurzer Zwischenstopp kannst Du für Gelände und Mühle ungefähr eine Stunde einplanen.
Bei einer Führung oder einem Aktionstag lohnt es sich, länger zu bleiben. Dann kannst Du Dir die Technik genauer erklären lassen und zusätzliche Angebote auf dem Gelände nutzen.
Die Bockwindmühle eignet sich besonders gut als Bestandteil einer längeren Tour durch das Usedomer Achterland.
Welche Ausflugsziele liegen in der Nähe?
Rund um Pudagla findest Du mehrere Orte, die sich ohne große Umwege mit dem Mühlenbesuch verbinden lassen.
Mehr über den Ort erfährst Du auf meiner Seite über Pudagla auf Usedom. Einen direkten Vergleich mit einer anderen historischen Mühlenbauart bietet die Holländermühle in Benz.
Lohnt sich der Besuch der Bockwindmühle Pudagla?
Ja, besonders wenn Du Dich für historische Technik, traditionelles Handwerk und die Geschichte des Usedomer Achterlandes interessierst.
Die Mühle ist kein großes Erlebnismuseum. Genau das macht ihren Reiz aus. Du stehst unmittelbar vor einer Holzkonstruktion, deren Grundprinzip über viele Jahrhunderte hinweg verwendet wurde.
Am eindrucksvollsten ist ein Besuch bei einer Führung oder einem Aktionstag. Dann kannst Du nicht nur die Außenansicht fotografieren, sondern erfährst auch, wie Windkraft, Zahnräder und Mahlsteine zusammenspielen.
Selbst für einen kurzen Halt lohnt sich der Mühlenberg. Die freistehende Mühle und die ruhige Umgebung zeigen eine Seite Usedoms, die mit Strandpromenade und Seebrücke nur wenig gemeinsam hat.
Häufige Fragen zur Bockwindmühle Pudagla
Die Mühle steht auf dem Mühlenberg südlich von Pudagla nahe der B111. Für die Navigation kannst Du nach Bockwindmühle Pudagla oder Mühlenberg 2 suchen.
Das genaue Alter ist nicht bekannt. Der Mühlenstandort wird erstmals 1673 in der Ortschronik erwähnt und ist 1693 auf einer schwedischen Matrikelkarte eingezeichnet.
Der reguläre Mahlbetrieb endete im Jahr 1937.
Ja. Seit dem Einbau eines Mahlgangs im Juli 1998 ist die Mühle wieder funktionsfähig.
Die Saison läuft voraussichtlich vom 1. Mai bis zum 24. Oktober. Montags bis freitags ist von 10:00 bis 16:00 Uhr geöffnet, samstags und sonntags von 13:00 bis 16:00 Uhr.
Erwachsene zahlen 2,00 Euro und Kinder 1,00 Euro. Für Gruppen ab zehn Personen gelten besondere Tarife.
Unterhalb des Mühlenberges befinden sich Parkmöglichkeiten. Von dort führt ein kurzer Weg hinauf zur Mühle.
Der Name stammt vom hölzernen Untergestell, dem Bock. Auf ihm sitzt das vollständige drehbare Mühlenhaus.
Schaumahlen werden vor allem an Aktionstagen angeboten. Ob gemahlen wird, hängt vom Wind und vom sicheren technischen Betrieb ab.
Offizielle Informationen und Kontakt
Aktuelle Öffnungszeiten, Preise und Veranstaltungstermine bekommst Du direkt beim Verein Freunde der Bockwindmühle Pudagla.