Das Gefängnis Swinemünde gehört zu den ungewöhnlichsten historischen Orten im Zentrum von Świnoujście. Der große Backsteinkomplex liegt direkt neben dem Amtsgericht und war bis zum 31. März 2018 als polnisches Untersuchungsgefängnis in Betrieb.
Von außen wirken die vergitterten Fenster, die hohen Mauern und der Stacheldraht noch immer bedrückend. Gleichzeitig erzählt das Gebäude eine Geschichte, die von der deutschen Kaiserzeit über die Nutzung durch sowjetische Truppen bis zum polnischen Strafvollzug reicht.
Ein klassisches Ausflugsziel ist das ehemalige Gefängnis nicht. Wer sich für Stadtgeschichte, Justizgeschichte und ungewöhnliche Bauwerke interessiert, entdeckt hier aber einen Ort, den viele Besucher von Swinemünde übersehen.

Gefängnis Swinemünde: Die wichtigsten Informationen
Was war das Gefängnis in Swinemünde?
Bei der Anlage handelte es sich zuletzt um ein Untersuchungsgefängnis. Dort wurden vor allem Personen untergebracht, die sich in Untersuchungshaft befanden oder auf Entscheidungen des Amtsgerichts und der Staatsanwaltschaft von Świnoujście warteten.
Daneben konnten dort verurteilte oder zu anderen Zwecken transportierte Gefangene vorübergehend untergebracht werden. Mit 56 offiziell festgelegten Haftplätzen gehörte die Einrichtung zu den kleinsten Gefängnissen im polnischen Strafvollzug.
Das Gefängnis war baulich und organisatorisch eng mit dem benachbarten Gerichtsgebäude verbunden. Beide Gebäude bilden bis heute einen auffälligen historischen Justizkomplex aus rotem Backstein.
Die Geschichte des Gefängnisses im Überblick
Die Nutzung des Gebäudes wechselte mehrfach. Die folgende Zeittafel zeigt die wichtigsten bekannten Stationen.
| Zeitraum | Nutzung | Historische Einordnung |
|---|---|---|
| Beginn des 20. Jahrhunderts | Bau des Gerichts- und Gefängniskomplexes | Errichtung durch die damaligen deutschen Behörden |
| Bis 1945 | Deutsche Justiz- und Haftanstalt | Teil der städtischen Gerichtsverwaltung von Swinemünde |
| Nach 1945 | Sowjetisches Garnisonsgefängnis | Übernahme durch die in der Stadt stationierten sowjetischen Truppen |
| Ab 8. Mai 1968 | Polnische Strafanstalt für Männer | Gründung durch den Erlass Nr. 24/68/CZW |
| Spätere Jahrzehnte | Untersuchungsgefängnis | Nutzung für Untersuchungshäftlinge und kurzfristig untergebrachte Gefangene |
| 31. März 2018 | Schließung der Haftanstalt | Verlegung der verbliebenen Gefangenen nach Nowogard |
| Seit 2018 | Keine Nutzung als Gefängnis | Planungen für eine neue Verwendung durch die Justiz |
| Mai 2026 | Einmalige öffentliche Führungen | Öffnung während der Kriminalnacht der Museen |
Der deutsche Gerichts- und Gefängniskomplex
Der Gebäudekomplex wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von den damaligen deutschen Behörden errichtet. Swinemünde gehörte zu dieser Zeit zur preußischen Provinz Pommern und entwickelte sich neben seiner Bedeutung als Hafen- und Kurstadt auch zu einem wichtigen Verwaltungsstandort.
Gericht und Gefängnis wurden unmittelbar nebeneinander angelegt. Das ermöglichte kurze und kontrollierte Wege zwischen den Zellen, den Verwaltungsräumen und den Gerichtssälen.
Die roten Backsteinfassaden, Rundbogenfenster und dekorativen Mauerwerksdetails entsprechen dem Baustil vieler öffentlicher Gebäude jener Zeit. Während das Gericht vergleichsweise offen und repräsentativ gestaltet wurde, zeigen der Gefängnistrakt und seine Mauern eine deutlich abgeschirmte Architektur.

Nutzung als sowjetisches Garnisonsgefängnis
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs änderten sich die politischen und staatlichen Verhältnisse in der Stadt grundlegend. Świnoujście wurde polnisch, gleichzeitig waren in Teilen der Stadt sowjetische Truppen stationiert.
Der frühere Gefängnistrakt wurde nach 1945 von der sowjetischen Armee übernommen und als Garnisonsgefängnis verwendet. Über die genaue Zahl der Gefangenen, einzelne Haftfälle und die Bedingungen innerhalb der Anlage sind nur wenige öffentlich zugängliche Informationen bekannt.
Besonders eindrucksvoll sind die kyrillischen Inschriften, die an einigen Wänden erhalten geblieben sein sollen. Dabei handelt es sich unter anderem um Namen und Herkunftsorte, die von früheren Insassen in das Mauerwerk oder den Putz geritzt wurden.

Die Wiederaufnahme des polnischen Strafvollzugs 1968
Am 8. Mai 1968 erließ der damalige polnische Justizminister Stanisław Walczak die Anordnung Nr. 24/68/CZW. Damit wurde in Świnoujście zunächst eine Strafanstalt für männliche Gefangene eingerichtet.
Die häufig verwendete Formulierung, an diesem Tag sei direkt das Untersuchungsgefängnis entstanden, ist daher etwas ungenau. Die Einrichtung wurde zunächst als Strafanstalt gegründet und erst nach mehreren organisatorischen Veränderungen zum Areszt Śledczy, also zum Untersuchungsgefängnis, umgewandelt.
In den folgenden Jahrzehnten diente das Gefängnis vor allem der Unterbringung von Untersuchungshäftlingen, die dem Amtsgericht oder der Staatsanwaltschaft von Świnoujście zugeordnet waren. Hinzu kamen verurteilte und andere Gefangene, die auf Anordnung dieser Behörden transportiert oder kurzfristig untergebracht wurden.
Warum wurde das Gefängnis 2018 geschlossen?
Die Schließung war Teil einer größeren Neuordnung des polnischen Strafvollzugs. Dabei wurden mehrere kleine und vergleichsweise aufwendig zu betreibende Einrichtungen aufgegeben.
Die maßgebliche Anordnung wurde am 12. Januar 2018 vom damaligen Justizminister Zbigniew Ziobro erlassen. Darin wurde festgelegt, dass das Untersuchungsgefängnis in Świnoujście zum 31. März 2018 aufgehoben wird.
Die verbliebenen Gefangenen wurden nach damaligen Berichten in die Haftanstalt nach Nowogard verlegt. Zuständigkeiten, Verpflichtungen und organisatorische Aufgaben mussten anschließend auf andere Einrichtungen übertragen werden.
Damit endete nicht nur der laufende Gefängnisbetrieb. Auch die besondere Verbindung zwischen dem Amtsgericht von Świnoujście und einer direkt benachbarten Untersuchungshaftanstalt bestand von diesem Zeitpunkt an nicht mehr.
Was passiert heute mit dem ehemaligen Gefängnis?
Seit der Schließung wird der Komplex nicht mehr als Haftanstalt genutzt. Das Gelände gehört weiterhin zum Umfeld der Justiz und ist kein frei zugängliches verlassenes Gebäude.
Das Amtsgericht von Świnoujście veröffentlichte 2025 Unterlagen zur geplanten Umgestaltung und Nutzungsänderung. Danach sollen Gebäude des früheren Gefängnisses unter anderem zu einem Gerichtsarchiv umgebaut werden. Auch technische Infrastruktur und kleinere Außenanlagen waren Bestandteil der Planungen.
Aus den öffentlich zugänglichen Unterlagen geht jedoch nicht eindeutig hervor, dass der vollständige Umbau bereits abgeschlossen ist. Besucher sollten das Gebäude deshalb weiterhin als nicht öffentlich zugänglichen Justizstandort betrachten.
Die erste öffentliche Gefängnisführung im Mai 2026
Eine bemerkenswerte Ausnahme gab es am 16. Mai 2026. Im Rahmen der Kriminalnacht der Museen wurde das frühere Untersuchungsgefängnis erstmals offiziell für Besucher geöffnet.
Die Führungen fanden in Gruppen statt. Dabei konnten Besucher Teile des Gebäudes, ehemalige Zellen und erhaltene Spuren aus verschiedenen Nutzungsphasen sehen. Auch die kyrillischen Inschriften aus der sowjetischen Zeit gehörten zu den historischen Besonderheiten.
Das Interesse war enorm. Nach lokalen Berichten kamen während der Veranstaltung ungefähr 3.000 Menschen in den ehemaligen Gefängniskomplex.
Kann man das Gefängnis Swinemünde besichtigen?
Eine reguläre Innenbesichtigung ist derzeit nicht vorgesehen. Das ehemalige Gefängnis besitzt weder tägliche Öffnungszeiten noch einen normalen Besuchereingang oder eine eigene Museumskasse.
Von den öffentlichen Straßen rund um den Komplex kannst Du die Außenfassade, Teile der Gefängnismauer und das benachbarte Gerichtsgebäude ansehen. Das Gelände selbst solltest Du nicht ohne ausdrückliche Erlaubnis betreten.
Wo befindet sich das Gefängnis Swinemünde?
Das ehemalige Gefängnis liegt an der ul. Marszałka Józefa Piłsudskiego 25a im Zentrum von Świnoujście. Der Komplex befindet sich im Bereich der Kreuzung von Piłsudskiego und Paderewskiego.
Eine gute Orientierung bietet das große historische Gerichtsgebäude an der Paderewskiego. In der Nähe steht außerdem der erhaltene Turm der früheren Martin-Luther-Garnisonskirche. Der eigentliche Kirchenbau wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, während der Turm erhalten blieb.
Praktische Hinweise zu Parkzonen und Parkautomaten findest Du auf meiner Seite Parken in Swinemünde.
Was ist von außen zu erkennen?
Auch ohne Innenbesichtigung lassen sich einige typische Merkmale der früheren Haftanstalt erkennen. Dazu gehören vergitterte Fenster, verschlossene Öffnungen, hohe Mauern und Sicherungsanlagen.
Besonders auffällig ist der Kontrast zum benachbarten Gerichtsgebäude. Während das Gericht mit seiner symmetrischen Fassade und dem großen Eingangsbereich repräsentativ wirkt, ist der Gefängnistrakt deutlich geschlossener gestaltet.
Die Architektur vermittelt einen guten Eindruck davon, wie eng Gerichtsbarkeit, Verwaltung und Strafvollzug zu Beginn des 20. Jahrhunderts baulich miteinander verbunden wurden.
Wo findet man historische Unterlagen und Namen?
Im polnischen staatlichen Archivportal Szukaj w Archiwach ist ein Bestand des regionalen Gefängnisdienstes in Szczecin verzeichnet. Darin wird auch das Untersuchungsgefängnis in Świnoujście geführt.
Zum Bestand gehören unter anderem Unterlagen aus den Jahren 1977 bis 1987. Genannt wird beispielsweise ein Register über Bewegungen von Untersuchungshäftlingen und verurteilten Gefangenen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche Akten, Namen oder einzelnen Haftfälle direkt online gelesen werden können. Ein Teil der Unterlagen ist möglicherweise nur über eine Archivanfrage oder vor Ort einsehbar. Zusätzlich können Schutzfristen und Datenschutzregelungen gelten.
Lohnt sich ein Besuch am ehemaligen Gefängnis?
Das hängt stark von Deinen Interessen ab. Wer eine klassische Sehenswürdigkeit mit Ausstellung, Kasse und festen Öffnungszeiten erwartet, wird hier nicht das passende Ziel finden.
Für geschichtsinteressierte Besucher ist der Komplex dennoch spannend. Gericht, Gefängnis und der nahe Turm der ehemaligen Garnisonskirche erzählen auf engem Raum von unterschiedlichen Kapiteln der deutschen, sowjetischen und polnischen Stadtgeschichte.
Für die reine Außenbesichtigung brauchst Du nicht viel Zeit. Der Ort lässt sich gut in einen Spaziergang durch das Zentrum von Swinemünde integrieren.
Welche Sehenswürdigkeiten lassen sich damit verbinden?
Durch die zentrale Lage kannst Du den Gefängniskomplex mit mehreren Zielen in Świnoujście kombinieren.
Eine Übersicht weiterer Ziele findest Du auf meinen Seiten über die Sehenswürdigkeiten auf Usedom und die Attraktionen auf Usedom.
Mein Fazit zum Gefängnis Swinemünde
Das ehemalige Gefängnis Swinemünde ist kein schöner Ort im klassischen Sinn. Gerade die massive Architektur, die vergitterten Fenster und die sichtbaren Sicherungsanlagen machen jedoch deutlich, welche Funktion das Gebäude über viele Jahrzehnte hatte.
Seine Geschichte verbindet mehrere politische Systeme und sehr unterschiedliche Nutzungsphasen. Vom deutschen Justizkomplex über das sowjetische Garnisonsgefängnis bis zur kleinen polnischen Untersuchungshaftanstalt blieb der Ort mehr als ein Jahrhundert lang mit Strafvollzug und staatlicher Macht verbunden.
Die Sonderöffnung im Mai 2026 hat gezeigt, wie groß das Interesse an diesem Teil der Stadtgeschichte ist. Ob weitere Führungen folgen, hängt von künftigen Veranstaltungen und der geplanten Umnutzung des Gebäudes ab.
Häufige Fragen zum Gefängnis Swinemünde
Wo liegt das ehemalige Gefängnis Swinemünde?
Das Gefängnis befindet sich an der ul. Marszałka Józefa Piłsudskiego 25a im Zentrum von Świnoujście, direkt neben dem historischen Amtsgericht.
Wann wurde das Gefängnis gebaut?
Der Gerichts- und Gefängniskomplex entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter den damaligen deutschen Behörden.
Wie viele Haftplätze hatte das Gefängnis?
Die zuletzt offiziell festgelegte Kapazität betrug 56 Haftplätze.
Was geschah nach dem Zweiten Weltkrieg?
Nach 1945 wurde das Gebäude von sowjetischen Truppen übernommen und als Garnisonsgefängnis genutzt.
Seit wann war es ein polnisches Gefängnis?
Am 8. Mai 1968 wurde zunächst eine Strafanstalt für männliche Gefangene eingerichtet. Nach späteren Umstrukturierungen wurde daraus das Untersuchungsgefängnis von Świnoujście.
Wann wurde das Gefängnis geschlossen?
Die Haftanstalt wurde zum 31. März 2018 offiziell aufgehoben.
Kann man das Gefängnis besichtigen?
Es gibt keine reguläre Innenbesichtigung. Führungen sind nur bei ausdrücklich angekündigten Sonderveranstaltungen möglich.
Gab es bereits öffentliche Führungen?
Ja. Im Mai 2026 wurde das Gebäude im Rahmen der Kriminalnacht der Museen erstmals für geführte Besichtigungen geöffnet.
Was soll künftig mit dem Gebäude passieren?
Nach Planungsunterlagen des Amtsgerichts sollen Teile des früheren Gefängnisses zu einem Gerichtsarchiv umgebaut werden.
Kann man das Gefängnis von außen ansehen?
Ja. Teile der Außenfassade, Mauern und vergitterten Fenster sind von öffentlichen Straßen und Gehwegen sichtbar.
Offizielle und weiterführende Informationen
Für vertiefende Recherchen findest Du hier die wichtigsten polnischen Quellen zur Schließung, zur geplanten Umnutzung und zur Sonderöffnung im Jahr 2026.