Unterirdische Stadt Swinemünde - Batterie Vineta und Tunnelanlage
Die Unterirdische Stadt Swinemünde liegt in einem Waldgebiet auf der Insel Wollin. Der ehemalige Militärkomplex entstand aus der deutschen Batterie Vineta und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der polnischen Armee zu einem unterirdischen Führungs- und Kommandostand ausgebaut.
Was ist die Unterirdische Stadt Swinemünde?
Hinter dem Namen verbirgt sich keine unterirdische Stadt im eigentlichen Sinn. Die Anlage besteht aus mehreren Bunkern, technischen Einrichtungen und unterirdischen Verbindungsgängen, die während des Kalten Krieges für militärische Führungsaufgaben ausgebaut wurden.
Heute kann die ehemalige Militäranlage im Rahmen geführter Rundgänge besichtigt werden. Sie liegt im Stadtgebiet von Swinemünde auf der Insel Wollin.
Die Anlage umfasst mehrere große Bunker, technische Räume und ein unterirdisches Verbindungssystem. Im Zuge des militärischen Ausbaus wurden die einzelnen Bereiche miteinander verbunden und gegen Einwirkungen von außen geschützt.
Der Begriff Unterirdische Stadt bezieht sich auf die umfangreiche Infrastruktur innerhalb des Komplexes. Dort befanden sich unter anderem Kommunikations-, Versorgungs- und Aufenthaltsbereiche.

Die Batterie Vineta und ihre Entstehung
Die Geschichte der Batterie Vineta begann in den 1930er Jahren. Swinemünde war damals ein bedeutender Marinestandort der deutschen Kriegsmarine an der Ostsee.
Die Küstenbatterie sollte die Zufahrt zum Marinestützpunkt schützen. Der Betreiber der heutigen Anlage nennt auf seiner aktuellen Geschichtsseite 1936 als Beginn der Bauarbeiten. Der deutschsprachige Museumsführer nennt dagegen 1938 als Beginn der eigentlichen Bauarbeiten. Sicher belegt ist, dass die Anlage 1939 einsatzbereit war und in diesem Jahr das erste Probeschießen stattfand.
Zur Batterie gehörten vier große Kampf- und Unterkunftsbunker mit Geschützstellungen, ein zweigeschossiger Kommandobunker, ein Maschinenraum, ein Munitionslager und weitere technische Einrichtungen.
Ab 1941 wurde die Anlage nach Angaben des Betreibers vor allem als Ausbildungsstandort für Küstenartilleristen der Kriegsmarine genutzt.
Vom deutschen Bunker zum polnischen Führungsstand
Im Mai 1945 besetzten sowjetische Truppen die Anlage. Bis Ende 1945 wurde ein Teil der technischen Ausstattung demontiert. Anfang 1946 ging der Komplex an die polnische Armee über.
In den 1950er Jahren begann die erneute militärische Nutzung. Der Standort wurde zunächst für Aufgaben der Küstenverteidigung vorbereitet.
Die größte Veränderung folgte in den 1960er Jahren. Die vorhandenen Bunker wurden unterirdisch miteinander verbunden und für die Nutzung als geschützter Führungsstand ausgebaut.
Gleichzeitig wurden die oberirdischen Bereiche stärker getarnt. Wald und Geländeformen erschwerten den Blick auf die militärische Infrastruktur.
Die Entstehung der Unterirdischen Stadt
Der entscheidende Ausbau erfolgte Mitte der 1960er Jahre. Dabei wurden fünf größere Schutzbauwerke durch unterirdische Gänge miteinander verbunden.
Das Tunnelsystem erreicht nach Angaben des Betreibers eine Länge von rund einem Kilometer. Die Bunker erhielten neue technische Einrichtungen und wurden für längere militärische Führungsaufgaben vorbereitet.
Der Komplex trug den militärischen Codenamen 10150. Er gehörte zu den besonders geschützten Standorten der polnischen Streitkräfte.

Technische Einrichtungen im Bunkerkomplex
Für die Nutzung als militärischer Führungsstand benötigte der Komplex eine umfangreiche eigene Infrastruktur.
Die technische Ausstattung war darauf ausgelegt, wichtige Führungsfunktionen auch unter geschützten Bedingungen aufrechtzuerhalten.
Ein geheimer Militärstandort
Die militärische Nutzung des Komplexes unterlag während des Kalten Krieges strenger Geheimhaltung. Nach Angaben des heutigen Museums kannten nur vergleichsweise wenige Menschen die genaue Funktion der Anlage.
Der Komplex wurde zunächst als Ersatzführungsstelle für den polnischen Frontstab genutzt. Später änderte sich seine militärische Aufgabe mehrfach.
In späteren Jahren diente die Anlage unter anderem als Ersatzführungsstelle für die polnische Marine und die 8. Küstenverteidigungsflottille.
Ende 2013 übernahm das Muzeum Obrony Wybrzeża den Standort. Seit dem 1. Mai 2014 ist die Anlage für Besucher zugänglich.
Besuch der Unterirdischen Stadt heute
Die Anlage kann nur gemeinsam mit einem Guide besichtigt werden. Eine individuelle Besichtigung ohne Führung ist nach Angaben des Betreibers nicht möglich.
Der Rundgang führt durch ehemalige Bunker, Verbindungsgänge und technische Räume. Dabei werden sowohl die deutsche Nutzung im Zweiten Weltkrieg als auch der spätere Ausbau durch die polnische Armee behandelt.
Die Führung dauert nach aktuellen Betreiberangaben etwa 90 bis 130 Minuten. Die genaue Dauer hängt unter anderem von Alter und Größe der Gruppe ab.

Aktuelle Führungszeiten, Preise und Anreise
Stand 21.10.2026: Vom 1. Oktober bis 30. April nennt der Betreiber für die regulären Führungen mittwochs 12:30 Uhr sowie samstags und sonntags 10:30, 12:30 und 15:00 Uhr.
Auf der aktuellen Startseite werden deutschsprachige Führungen mittwochs, donnerstags und samstags um 11:45 Uhr genannt. Da sich diese Angaben vom allgemeinen Winterfahrplan unterscheiden, solltest Du den Termin für eine deutschsprachige Führung kurz vor der Anreise noch einmal direkt beim Betreiber prüfen.
Wichtige Hinweise für Besucher
Die Führung dauert etwa 90 bis 130 Minuten und führt teilweise durch enge und dunkle Tunnelabschnitte. Auf der Strecke sind nach Angaben des Betreibers insgesamt rund 40 Treppenstufen zu bewältigen.
Menschen mit ausgeprägter Platzangst sollten die unterirdischen Bereiche bei ihrer Planung berücksichtigen.
Da sich die Anlage in einem Waldgebiet befindet, kann in den wärmeren Monaten Mückenschutz sinnvoll sein.
Weitere militärhistorische Orte rund um Swinemünde
Die Unterirdische Stadt ist nur ein Teil der Militärgeschichte rund um Swinemünde. In der Umgebung sind Anlagen aus mehreren Epochen erhalten.
Dazu gehören unter anderem das Fort Gerhard, das Fort Anioła, das Fort Zachodni sowie der ehemalige U-Boot-Hafen Swinemünde.
Weitere weniger bekannte Orte, historische Spuren und Ziele abseits von Strand und Promenade findest Du bei meinen Swinemünde Geheimtipps.
Lohnt sich die Unterirdische Stadt Swinemünde?
Die Unterirdische Stadt bietet einen direkten Einblick in zwei unterschiedliche militärische Nutzungsphasen. Die ursprüngliche Batterie stammt aus der Zeit der deutschen Kriegsmarine, der größte unterirdische Ausbau erfolgte später durch die polnische Armee.
Anders als bei einem klassischen Museum führt der Rundgang durch die ursprünglichen Bunker und Verbindungsgänge. Dadurch lassen sich Größe und Aufbau der Anlage besser nachvollziehen.
Für Besucher mit Interesse an Militärgeschichte und Kaltem Krieg gehört die Anlage zu den wichtigsten historischen Ausflugszielen im Raum Swinemünde.
Häufige Fragen zur Unterirdischen Stadt Swinemünde
Die Anlage liegt im Stadtteil Przytór auf der Insel Wollin östlich des Zentrums von Swinemünde.
Nein. Der Zugang ist nach Angaben des Betreibers ausschließlich im Rahmen einer Führung möglich.
Die Rundgänge dauern etwa 90 bis 130 Minuten.
Ja. Stand 21.10.2026 nennt der Betreiber deutschsprachige Führungen mittwochs, donnerstags und samstags um 11:45 Uhr. Die Zeit sollte vor der Anreise noch einmal geprüft werden.
Stand 21.10.2026 kostet der reguläre Eintritt 50 PLN und der ermäßigte Eintritt 40 PLN.
Teilweise führen die Rundgänge durch enge und dunkle Tunnel. Menschen mit ausgeprägter Platzangst sollten das bei ihrer Planung berücksichtigen.
Die Temperatur unter Tage liegt laut Betreiber bei höchstens etwa 10 Grad Celsius.