Benz auf Usedom
Holländermühle & Friedhof
Benz auf Usedom - Mühle, Kirche und Künstlerdorf
Benz auf Usedom ist ein ruhiges Dorf im hügeligen Achterland der Insel. Bekannt ist der Ort vor allem für die Holländerwindmühle auf dem Mühlberg, die mittelalterliche St.-Petri-Kirche, den Blick über den Schmollensee und seine enge Verbindung zu den Künstlern Lyonel Feininger und Otto Niemeyer-Holstein. Für mich gehört Benz zu den schönsten Zielen, wenn Du Usedom abseits von Strand und Promenade kennenlernen möchtest.
Was ist das Besondere an Benz auf Usedom?
Benz verbindet auf engem Raum Landschaft, Technikgeschichte, Kirche und Kunst. Vom historischen Dorfkern führt der Weg an Kirche und Friedhof vorbei hinauf zur Holländerwindmühle. Oben öffnet sich der Blick über die sogenannte Usedomer Schweiz bis zum Schmollensee, über Wälder, Felder und Teile des Achterlands.
Im Gegensatz zu den Ostseebädern besitzt Benz keine Promenade, keine Seebrücke und keinen eigenen Ostseestrand. Genau das macht den Ort für mich interessant. Du kommst nicht wegen eines großen Freizeitprogramms hierher, sondern wegen der Ruhe, der Aussicht und der besonderen Geschichte.
Für einen ersten Besuch solltest Du mindestens zwei bis drei Stunden einplanen. Mit Mühlenbesichtigung, Kirche, Kunstquartier und einer Pause im Backhaus-Café lässt sich in Benz gut ein halber Tag verbringen.
Benz ist Dorf und Gemeinde zugleich
Bei Benz muss man zwischen dem eigentlichen Dorf und der größeren Gemeinde unterscheiden. Die Gemeinde Benz umfasst heute die sechs Ortsteile Benz, Balm, Labömitz, Neppermin, Reetzow und Stoben.
Die heutige Gemeindestruktur entstand 2004, als sich die damalige Gemeinde Benz mit Neppermin und Balm zusammenschloss. Die Gemeinde besitzt eine Fläche von 24,39 Quadratkilometern und hatte im Juli 2024 insgesamt 1.124 Einwohner.
Die Sehenswürdigkeiten auf dieser Seite liegen überwiegend im Ortsteil Benz. Balm und Neppermin befinden sich dagegen am Achterwasser beziehungsweise am Nepperminer See und besitzen einen ganz anderen landschaftlichen Charakter.
Sehenswürdigkeiten in Benz auf Usedom
Die Holländerwindmühle in Benz
Die Holländerwindmühle steht auf dem Mühlberg oberhalb des Dorfes und ist das bekannteste Wahrzeichen von Benz. Bereits ein Lageplan aus dem Jahr 1823 zeigt an dieser Stelle eine Windmühle holländischer Bauart.
Von 1837 bis zur Einstellung des Mahlbetriebs im Jahr 1972 wurde die Mühle über mehrere Generationen von der Müllerfamilie Jahnke betrieben. Im Laufe der Zeit wurde die Technik mehrfach modernisiert. Später ersetzte ein elektrischer Antrieb die Windkraft.
Der Maler Otto Niemeyer-Holstein erwarb die Mühle 1974 und bewahrte sie vor dem Verfall. Seit 1992 kümmert sich der Verein Kulturmühle Benz um Erhalt, Restaurierung, Besichtigung und kulturelle Veranstaltungen.
Seit Mai 2026 besitzt die Mühle wieder eine funktionsfähige Windrose. Dadurch kann sich die Kappe der Holländermühle erneut selbstständig in den Wind drehen.
Der Blick vom Mühlberg über die Usedomer Schweiz
Der Mühlberg gehört für mich zu den schönsten Aussichtspunkten im Achterland. Von hier schaust Du über den Kirchturm von Benz, den Schmollensee, Felder, Pferdekoppeln und bewaldete Hügel.
Die Landschaft wird häufig als Usedomer Schweiz bezeichnet. Der Name bezieht sich auf die sanft gewellte Moränenlandschaft, die während der letzten Eiszeit entstand. Große Berge findest Du hier natürlich nicht. Im Vergleich zur flachen Küstenregion wirkt die Umgebung aber erstaunlich hügelig.
Besonders schön ist der Blick am späten Nachmittag und am frühen Abend. Das Licht fällt dann flacher über die Landschaft und der Schmollensee hebt sich deutlich zwischen den Hügeln ab.
Die St.-Petri-Kirche in Benz
Die St.-Petri-Kirche gehört zu den ältesten Kirchen der Insel Usedom. Bereits 1229 ist eine Pfarrstelle in Benz urkundlich belegt. Der heutige Bau entstand und veränderte sich über mehrere Jahrhunderte.
Das mittelalterliche Kirchenschiff besteht überwiegend aus Feldstein. Chor und Turm wurden später ergänzt. Im Jahr 1740 erhielt der Turm seine geschwungene barocke Haube mit Laterne.
Besonders auffällig ist die hölzerne Tonnendecke. Sie wurde im 19. Jahrhundert eingebaut und später mit einem gemalten Sternenhimmel gestaltet. Im Innenraum befinden sich außerdem historische Ausstattungsstücke und mehrere erhaltene mittelalterliche Schnitzfiguren.
Auch Lyonel Feininger beschäftigte sich mehrfach mit der Benzer Kirche. Ihre klare Form und der markante Turm tauchen in mehreren seiner Arbeiten auf.
Kunstquartier Usedom in Benz
Direkt neben der St.-Petri-Kirche befindet sich heute das Kunstquartier Usedom. Die Galerie knüpft an die lange Künstlertradition des Ortes an und zeigt wechselnde Ausstellungen mit Malerei, Grafik, Keramik und Skulpturen.
Zum Kunstquartier gehört auch eine Vinothek. Dadurch lässt sich der Galeriebesuch gut mit einer kleinen Pause im Dorf verbinden.
Lyonel Feininger und Otto Niemeyer-Holstein
Benz ist ungewöhnlich eng mit zwei bedeutenden Künstlern verbunden. Lyonel Feininger hielt sich zwischen 1908 und 1913 mehrfach auf Usedom auf. Mit dem Fahrrad suchte er im Achterland nach Motiven und fertigte zahlreiche Skizzen von Dörfern, Wegen, Kirchen und Mühlen an.
In Benz beschäftigte er sich sowohl mit der St.-Petri-Kirche als auch mit der Holländerwindmühle. Heute erinnern markierte Standorte und die Lyonel-Feininger-Radroute an seine Blickwinkel.
Otto Niemeyer-Holstein lebte und arbeitete in Lüttenort zwischen Koserow und Zempin. Im Jahr 1974 kaufte er die Benzer Mühle und setzte sich für ihren Erhalt als technisches Denkmal ein. Nach seinem Tod 1984 wurde er auf dem Friedhof von Benz beigesetzt.
Der Friedhof von Benz
Der Friedhof liegt zwischen Kirche und Mühlberg. Er ist kein gewöhnliches touristisches Ausflugsziel, gehört aber eng zur Kunst- und Kulturgeschichte des Ortes.
Hier befindet sich die Grabstätte von Otto Niemeyer-Holstein und seiner Frau Annelise. Auch der Schauspieler Rolf Ludwig, der dem Benzer Kirchensommer verbunden war, wurde in Benz beigesetzt.
Die Anlage besitzt ältere Grabstätten, schmiedeeiserne Einfassungen und eine kleine Friedhofskapelle. Bei einem Besuch solltest Du Rücksicht auf Trauernde nehmen und Dich ruhig verhalten.
Schmollensee und Landschaft rund um Benz
Benz liegt südlich des Schmollensees in einer abwechslungsreichen Hügel- und Seenlandschaft. Der See selbst ist vom Dorfkern nicht überall direkt zugänglich. Den schönsten Überblick bekommst Du vom Mühlberg.
Rund um Benz wechseln sich Felder, kleine Waldflächen, Wiesen, feuchte Niederungen und ruhige Dorfstraßen ab. Die Landschaft gehört zum Naturpark Insel Usedom und eignet sich gut für Spaziergänge und Fahrradtouren.
Eine vollständige Runde um den Schmollensee ist deutlich länger als ein normaler Dorfspaziergang. Außerdem verlaufen einzelne Abschnitte über Straßen oder unbefestigte Wege. Für eine größere Tour solltest Du deshalb eine aktuelle Wander- oder Fahrradkarte verwenden.
Lohnt sich Benz mit Kindern?
Benz eignet sich gut für Familien, die einen ruhigen und überschaubaren Ausflug suchen. Die Wege zwischen Kirche, Kunstquartier, Friedhof und Mühle sind kurz. Der Aufstieg zum Mühlberg bringt allerdings Treppen und eine deutliche Steigung mit sich.
Spannend ist besonders die Besichtigung der alten Mühlentechnik. Auf dem Gelände stehen seit 2026 außerdem große Tische mit eingravierten Mühle-Spielbrettern. Während der Öffnungszeiten können Spielsteine ausgeliehen werden.
Ein großer Spielplatz oder klassischer Freizeitpark gehört nicht zum Angebot. Dafür lassen sich Technik, Aussicht, Kuchen und eine kleine Wanderung gut miteinander verbinden.
Alte Technik, Mahlwerk und Aufbau der Holländermühle sind auch für ältere Kinder interessant.
Die großen Spieltische auf dem Mühlengelände bieten eine kleine Pause zwischen Besichtigung und Spaziergang.
Kuchen und Getränke machen den Aufstieg zum Mühlberg deutlich familienfreundlicher.
In Benz gibt es Reitangebote für Kinder und Erwachsene. Aktuelle Anbieter findest Du unter Reiten auf Usedom.
Anreise und Parken in Benz
Benz liegt im Inselinneren südlich des Schmollensees. Mit dem Auto erreichst Du den Ort über die Bundesstraße 111 und die abzweigenden Landstraßen Richtung Benz.
Im historischen Dorfkern solltest Du langsam fahren. Die Straßen sind teilweise schmal und werden von Fußgängern, Radfahrern und Anwohnern gemeinsam genutzt.
Für die Mühle empfiehlt der Betreiber den Parkplatz an der St.-Petri-Kirche. Von dort sind es ungefähr 400 Meter zu Fuß. Wenige Stellflächen gibt es außerdem am Friedhof. Die Parkplätze direkt an der Mühle sind vorrangig für Personen vorgesehen, die den steilen Fußweg nicht bewältigen können.
Mein Vorschlag für einen halben Tag in Benz
Sieh Dir zunächst den Innenraum, den Sternenhimmel und das historische Umfeld an.
Prüfe vorher die Öffnungszeiten und verbinde Kirche und aktuelle Kunst miteinander.
Nimm Dir am Grab von Otto Niemeyer-Holstein einen ruhigen Moment.
Plane Zeit für die Technik, den Rundgang und den Blick über den Schmollensee ein.
Beende den Besuch mit Kaffee, Kuchen oder einem Getränk auf dem Mühlberg.
Verbinde Benz anschließend mit Pudagla, Mellenthin, Neppermin oder einem Ausflug ans Achterwasser.
Für wen lohnt sich Benz auf Usedom?
Warum ich Benz gern empfehle
Bei Benz gefällt mir besonders, dass sich die wichtigsten Stationen nicht wie einzelne Sehenswürdigkeiten anfühlen. Kirche, Friedhof, Kunst und Mühle gehören sichtbar zusammen.
Der Weg hinauf zum Mühlberg ist kurz, verändert aber den Blick auf die Insel. Statt Ostsee, Strandkorb und Promenade siehst Du plötzlich Hügel, Felder, Kirchturm und Schmollensee.
Ich würde Benz nicht zwischen zwei Termine quetschen. Der Ort wirkt am besten, wenn Du langsam gehst, in die Kirche schaust, Dir die Ausstellung ansiehst und oben an der Mühle noch eine Weile sitzen bleibst.
Häufige Fragen zu Benz auf Usedom
Benz liegt im Usedomer Achterland südlich des Schmollensees und westlich der Kaiserbäder.
Du kannst die Holländerwindmühle besichtigen, die St.-Petri-Kirche ansehen, das Kunstquartier besuchen, über den Friedhof gehen und den Blick vom Mühlberg genießen.
Die Mühle und das Backhaus-Café sind aktuell dienstags bis sonntags von 10:30 bis 13:00 Uhr und von 13:30 bis 17:00 Uhr geöffnet. Änderungen sind möglich.
Der Mühlberg ist frei zugänglich und die Mühle kann von außen angesehen werden. Der Innenraum ist nur während der Öffnungszeiten zugänglich.
Die St.-Petri-Kirche ist außer im Januar täglich von 9:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.
Das frühere Kunst-Kabinett ist geschlossen. Heute befindet sich neben der Kirche das aktive Kunstquartier Usedom mit wechselnden Ausstellungen.
Benz besitzt keinen eigenen Ostseestrand. Der Ort liegt im Inselinneren nahe dem Schmollensee. Ostseestrände findest Du in den Kaiserbädern und Bernsteinbädern.
Für Kirche, Dorfkern und Mühlberg sind zwei bis drei Stunden sinnvoll. Mit Mühlenbesichtigung, Kunstquartier und Café solltest Du einen halben Tag einplanen.
Ja. Besonders die Mühle, die Spieltische und das Backhaus sind familienfreundlich. Der Weg zum Mühlberg besitzt jedoch Steigungen und teilweise Treppen.
Die gesamte Gemeinde Benz mit sechs Ortsteilen hatte im Juli 2024 insgesamt 1.124 Einwohner. Eine aktuelle separate Zahl nur für das Dorf Benz wird offiziell nicht veröffentlicht.